Diskussion mit der Kreisbauernschaft Düren

13.06.2019

Der Besuch des CDU Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, auf dem Betrieb des Vorsitzenden der Kreisbauernschaft, Erich Gussen, bildete den besonderen Tagesordnungspunkt für die turnusgemäße Vorstandssitzung der Dürener Landwirte. Die Kreisbauernschaft setzte damit den regelmäßigen Dialog mit Vertretern aus der Politik fort und nutzte zugleich die Gelegenheit, mit ihrem hochrangigen Gast aktuelle Entwicklungen in der Landwirtschaft und darüber hinaus zu diskutieren.
Eines der wesentlichen Themen war dann auch der aufgrund des beschlossenen Ausstiegs aus der Braunkohleförderung bevorstehende Strukturwandel im Rheinischen Revier, dessen Eckpunkte am gleichen Tag durch das Bundeskabinett verabschiedet wurden.

Gussen stellte aus Sicht der Landwirtschaft sehr anschaulich dar, welchen immensen Flächenbedarfen – nicht zuletzt durch die Umsetzung von Strukturentwicklungsmaßnahmen, Stromtrassen der Ausweisung von neuen Gewerbegebieten oder den aktuell verstärkt aufkommenden Anträgen auf Neuaufschlüsse für Kiesabgrabungen  – die Landwirtschaft bereits jetzt ausgesetzt sei und forderte zugleich deutlich, dem anhaltenden Verbrauch hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen in unserer Region nachhaltig Einhalt zu gebieten. Die großen Herausforderungen für die Zeit nach der Braunkohleförderung werden selbstverständlich auch durch die Landwirtschaft nicht verkannt Gleichwohl dürfe man im Umgang mit diesen Herausforderungen auch die Belange der Landwirtschaft nicht aus den Augen verlieren, so der Vorsitzende.

Ein weiteres wichtiges Anliegen war den Landwirten die zunehmend als geringer empfundene Wertschätzung ihrer täglichen Arbeit innerhalb der Gesellschaft. Trotzdem man unter höchsten Umwelt- und Tierschutzauflagen produziere, werde man doch weiterhin für alle Probleme in diesen Bereichen, etwa den Artenrückgang oder die Nitratbelastung des Grundwasser, immer noch alleine verantwortlich gemacht, verdeutlichte Gussen eine der Hauptursachen für die aktuell sehr schlechte Stimmung unter den Berufskollegen und forderte zugleich eine stärkere Unterstützung von der Politik. Er prangerte in diesem Zusammenhang auch die fortwährenden Konflikte zwischen dem Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium an, die im Ergebnis leider zunehmend auf dem Rücken der landwirtschaftlichen Betriebe ausgetragen werden.

Die ständige Diskussion über neue Auflagen und Verbote rücke die Landwirtschaft insgesamt in ein immer schlechteres Licht, werde doch im Rahmen dieser Forderungen der nachhaltige Eindruck vermittelt, dass sich die Arbeit der Landwirte regelmäßig über bestehende Gebote hinweggesetzt habe, so der Vorsitzende.
Auch wenn der CDU-Politiker in seiner politischen Arbeit mit landwirtschaftlichen Themen nicht direkt vertraut ist, zeigte sich Rachel dennoch beeindruckt von den Darstellungen der Landwirte und sagte den Anwesenden zu, sich für ihre Belange einsetzen zu wollen. „Es darf nicht sein, dass an einem landwirtschaftlich günstigen Standort wie dem Kreis Düren, der zudem stark Betroffen ist, durch das bergbautreibende Unternehmen RWE, der Landwirtschaft weiterhin über Gebühr Flächen entzogen werden“, sprach Rachel den Anwesenden aus der Seele. Es müsse vielmehr in Zukunft ermöglicht werden, sowohl die Flächenbedarfe im Hinblick auf die erforderliche Strukturentwicklung als auch den Anspruch der Landwirte, auf ihren Betrieben weiterhin hochwertige Lebensmittel zu produzieren, intelligent miteinander zu verknüpfen bzw. die gegenseitigen Belange bei der Findung von Kompromissen zu berücksichtigen.

Rachel betonte im Weiteren seine persönlich enge Verbundenheit mit der Landwirtschaft und seine starke Wertschätzung der Arbeit des Berufsstandes. Auch hier sagte er den Landwirten im Rahmen seiner Möglichkeiten Unterstützung zu, insbesondere wenn es darum gehe, die wichtige Arbeit der Landwirtschaft für die Gesellschaft wieder positiv in den Blick zu rücken.
Er machte den Anwesenden zugleich Mut, dass sich bei allen Diskussionen und Herausforderungen, die sich rund um den Ausstieg aus der Kohleverstromung ergeben, letztlich auch für landwirtschaftliche Betriebe Chancen ergeben werden, die es zu nutzen gelte.

Als Staatssekretär für den Bereich Bildung und Forschung verwies er in diesem Zusammenhang auf das aus seiner Sicht sehr spannende Forschungsfeld der Bioökonomie, bei der es letztlich darum gehe, Biomasse als Ersatz für die noch kohlestoffgeprägte Industrie bereitzustellen. Nicht zuletzt mit dem Forschungszentrum Jülich als bedeutendem Forschungsstandort sieht Rachel den Kreis Düren und die hier wirtschaftenden Landwirte als strategische Partner gut aufgestellt. Er ermuntert die Landwirtschaft daher ausdrücklich, sich diesen zukunftsträchtigen Forschungen zu öffnen und diese aktiv zu begleiten.

Das Fazit des Besuches fiel insgesamt dann auch sehr positiv aus, gelang es doch zum einen, dem eingeladenen Politiker die praktische Arbeit der Landwirte nochmals zu veranschaulichen. Zum anderen konnten aber auch wichtige Einblicke in die aktuelle Gefühlslage der Landwirte vermittelt werden, die, so die Hoffnung der Anwesenden, die Arbeit des Politikers im Bundestag im Sinne der Landwirtschaft positiv beeinflussen werden.