Die Baustelle der Zukunft, digital und vernetzt – Flächenübergabe für die Referenzbaustelle auf Campus West - Center Construction Robotics ermöglicht Wissenschaft und Wirt-schaft unter Realbedingungen zu forschen

06.02.2020

Aachen, 6. Februar 2020 – Heute übergab die RWTH Aachen University offiziell eine 10.000 Quadratmeter große Fläche an das Center Construction Robotics (CCR) im Cluster Bauen für seine Referenzbau-stelle. Im Center Construction Robotics forscht ein interdisziplinäres Wis-senschaftsteam der RWTH Aachen gemeinsam mit einem europäischen Industriekonsortium an der Baustelle der Zukunft mittels Digitalisierung –von der Vorproduktion von Bauelementen bis hin zur automatisierten Baustelle. Die Referenzbaustelle, die als Pilotprojekt zunächst temporär auf dem Campus West entsteht, dient dabei als Reallabor. Hier werden neue Bauprozesse, Bauprodukte, vernetzte Maschinen, der Einsatz von Robotern, Softwarelösungen sowie Lehr-, Arbeits- und Kommunikations-konzepte unter realen Baustellenbedingungen erprobt. Das Bundesminis-terium für Bildung und Forschung fördert hierzu ein erstes Forschungs-projekt. Zu den anwesenden Hauptförderern aus der Industrie zählen PORR AG, Liebherr-Sparte Turmdrehkrane, EIFFAGE, LEONHARD WEISS GmbH & Co. KG, HILTI AG und Autodesk GmbH. Sie unterstüt-zen die Referenzbaustelle finanziell und infrastrukturell.

Thomas Rachel (Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung), Dr. Jan Heinisch (Staatssekretär im Mi-nisterium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Lan-des Nordrhein-Westfalen), Marcel Philipp (Oberbürgermeister der Stadt Aachen) sowie Professor Ulrich Rüdiger (Rektor der RWTH Aachen University) würdigten das Projekt unter der wissenschaftlichen Leiterin des Centers Construction Robotics, Professorin Sigrid Brell-Cokcan. Weitere hochrangige Vertreter aus vier Fakultäten des Forschungskon-sortiums Bauen der RWTH Aachen – unter anderem Professorin Katha-rina Schmitz (Leiterin des Instituts für fluidtechnische Antriebe und Sys-teme) und Professor Markus Oeser (Dekan der Fakultät für Bauingeni-eurwesen) – waren vertreten, um dieses wegweisende Projekt zu eröff-nen.

Förderer der Referenzbaustelle
Die Planung und der Betrieb der Referenzbaustelle auf dem Campus West koordiniert das Center Construction Robotics. Möglich wurde die-ses Kollaborationsprojekt maßgeblich durch Crowdsourcing aller Mitglie-der des Centers Construction Robotics, der Mitglieder des Centers Mobi-le Machinery, des AACHEN BUILDING EXPERTS e. V. und zahlreicher RWTH Einrichtungen. Neben den Hauptförderern engagieren sich weite-re Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen in der Referenzbaustel-le, wie zum Beispiel Doka GmbH, KUKA Deutschland GmbH, Saint-Gobain, Annen GmbH + Co.KG, Lamparter GmbH & Co. KG, Robots in Architecture Research UG, BROKK AB, Wurst Stahlbau GmbH, Volvo Construction Equipment Germany GmbH. Ralf Mosler, Leader BIM Transformation bei der Autodesk GmbH, eine der Hauptförderer der Referenzbaustelle: „Mit der Referenzbaustelle unter der wissenschaft-lichen Führung des CCR kommt die Baustelle der Zukunft in die Gegen-wart. Dieses in der Form weltweit einzigartige Projekt wird uns für die Workflows und Technologien im Bauprozess der Zukunft wertvolle Erkenntnisse liefern. Was mit der Referenzbaustelle auf Campus West initiiert wurde, nennen wir ‚The Opportunity of Better‘.“

Bund fördert erstes Forschungsprojekt mit 3,2 Millionen Euro
Das erste Forschungsprojekt „Internet of Construction (IoC)“ auf der Re-ferenzbaustelle besteht aus drei Instituten und sieben Industriepartnern. Es wird mit 3,2 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Forschungsprogramm „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ gefördert und ist auf drei Jahre angelegt. Der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF Thomas Rachel MdB betont: „Die Bauwirtschaft hat als eine der Schlüsselbran-chen in Deutschland eine große Bedeutung. Wir wollen sie dabei unter-stützen, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Dafür unterstützt das Bundesforschungsministerium die Entwicklung und den Aufbau eines neuen Informationsnetzwerks für die am Bau beteiligten Partner. Das Projekt hat zum Ziel, die Termintreue und Bauqualität zu steigern. Außerdem entstehen neue Modelle der Zusammenarbeit für das Bauen der Zukunft.“

Referenzbaustelle im Sinne der Exzellenzstrategie der RWTH Aachen University
Professor Ulrich Rüdiger, Rektor der RWTH Aachen University, hob die Bedeutung der Referenzbaustelle im Kontext der Exzellenzstrategie her-vor: „Der Aufbau der Referenzbaustelle erfolgt im Sinne des Exzellenz-konzeptes der RWTH Aachen. Gemeinsam genutzte Infrastrukturen för-dern die Zusammenarbeit innerhalb der RWTH und mit unseren Part-nern. Ein solches Reallabor entspricht den zentralen Begriffen unseres Antrages: Knowledge. Impact. Networks. Auf der Referenzbaustelle ent-steht Wissen mit enormer gesellschaftlicher Bedeutung, welches wir mit vielen Partnern gemeinsam generieren. Hier wird ein Transformations-prozess begonnen, der weitreichende positive Entwicklungen nach sich ziehen wird.“ Der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp begrüßte die temporäre Einrichtung der Referenzbaustelle: „Auf dem Campus West bauen wir in den nächsten Jahren an der Zukunft des For-schungsstandortes Aachen. Zum Auftakt rückt jetzt die Zukunft des Bau-ens in den Mittelpunkt. Wir können damit eindrucksvoll zeigen, dass alle Bereiche von der digitalen Transformation erfasst werden. Und viele gute Lösungen entstehen eben in Aachen."

Ziel: Aufbau eines weitreichenden Netzwerks mit starken Partnern
Das Reallabor ist der Ausgangspunkt für den Aufbau eines weitreichen-den europäischen sowie regionalen Netzwerks für Forschungs-, Indus-trie- und Lehrkooperationen im Bereich der Transformation des Bauens. Als wesentlicher Teil dieses Netzwerks werden auf der Referenzbaustelle Partner der gesamten Bauindustrie, aber vor allem auch regionale Part-ner wie der AACHEN BUILDING EXPERTS e. V., die Bildungsstätten des Bauindustrieverbands, die Handwerkskammer Aachen und baufo-rumstahl, der Spitzenverband für das Bauen mit Stahl in Deutschland, eingebunden. Dies ermöglicht den Transfer der Forschungserkenntnisse und Lehrkonzepte direkt in die Wirtschaft durch gezielte Entwicklungs- und Weiterbildungsprojekte. Ab April 2020 beginnt der neue englisch-sprachige Master Construction & Robotics an der RWTH Aachen, der Bachelorstudierende aus den vier Fachrichtungen Maschinenbau, Infor-matik, Bauingenieurwesen und Architektur zulässt.

Fair Use-Prinzip ermöglicht Vielen die Nutzung der Referenzbaustelle

„Uns ist wichtig, dass diese Baustelle als Transformationsort und ‚leben-des Reallabor‘ von möglichst vielen Einrichtungen genutzt werden kann“, beschreibt Professorin Sigrid Brell-Cokcan die Philosophie des Realla-bors. „Egal ob Start-Up, Unternehmen, öffentliche Einrichtung, Privatper-sonen oder Forschungseinrichtungen aus der Bauindustrie – jeder kann auf die von der Industrie bereitgestellte Baustelleneinrichtung und die Außenflächen als Maker Space im Fair Use-Prinzip zurückgreifen.“ Wer etwas in das Gemeinschaftsprojekt einbringt oder weitere Infrastruktur bereitstellt, hat die Möglichkeit, die Baustelleneinrichtung vergünstigt oder sogar kostenfrei für einen bestimmten Zeitraum unter fachlicher Beglei-tung zu nutzen. Die temporäre Referenzbaustelle steht zudem als Basis für Studierendenprojekte und unterschiedlichste Lehrformate fakultäts-übergreifend zur Verfügung.

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