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Übergabe des Solarthermischen Versuchskraftwerks Jülich


© Rainer Strum / Pixelio " / www.pixelio.de

Datum: 20.08.2009

Meine Rede anlässlich der Übergabe des Solarthermischen Versuchskraftwerks Jülich am 20.08.2009 in Jülich

Sehr geehrter Herr Minister Gabriel,

sehr geehrte Frau Ministerin Thoben,

sehr geehrter Herr Generalsekretär Gherras,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Stommel,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ehrgeizige Pläne, Europa über Solarstrom aus afrikanischen Wüstengebieten mit Energie zu versorgen, haben in diesen Wochen das Interesse der Öffentlichkeit entfacht. Dieses Thema wird auch weiterhin heiß diskutiert werden, aber wir sind sicher, Deutschland ist für die Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet. Wir haben die besten Technologien im Bereich solarthermischer Kraftwerke. Und diese Markführerschaft wollen wir behalten und weiter ausbauen. Solarenergienutzung der nächsten Generation ist daher auch einer der Forschungsschwerpunkte im BMBF-Förderkonzept „Grundlagenforschung Energie 2020+“, für das jährlich über 50 Mio. € zur Verfügung stehen - mit wachsender Tendenz.

Einschlägige Unternehmen entwickeln die Komponenten für Solaranlagen gern in Deutschland, denn hier haben sie die Möglichkeit, quasi vor der Haustür Test- und Entwicklungsarbeiten durchzuführen. Zudem wissen sie ihr geistiges Eigentum hier gut geschützt. Der Standort Aachen / Jülich bietet eine hervorragende Infrastruktur für effizienteste Forschung auf dem Gebiet der Solarthermie. Aufgrund dieser idealen Bedingungen kann hier in Jülich Forschung betrieben werden, die dann später bei internationalen Projekten zur Anwendung kommen soll.

Denn es geht letztlich darum, die Innovationskraft Deutschlands weiter auszubauen. Dabei ist es essentiell, Forschungsergebnisse möglichst schnell die wirtschaftliche Praxis umzusetzen. Dies ist die Stärke der Fachhochschulen, mit ihrem Schwerpunkt auf angewandter Forschung; sie sind die idealen Partner für Unternehmen und Einrichtungen, die neue Produkte entwickeln, vorhandene Erzeugnisse und Services optimieren oder bessere Prozesse und Strukturen schaffen wollen.

Seit mehreren Jahren verfolge ich nun schon mit Interesse und Freude die dynamische Entwicklung der FH Aachen, als eine besonders forschungsstarke Fachhochschule in NRW, aber auch deutschlandweit. Im Programm „Forschung an Fachhochschulen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gibt es an der FH Aachen die meisten laufenden Projekte: von den insgesamt 34 Mio. Euro, die das BMBF in diesem Jahr für das FH-Programm bereitgestellt hat, hat die Fachhochschule Aachen aufgrund ihrer exzellenten Anträge allein über 1,9 Mio. Euro an Fördermitteln für acht Projekte einwerben können. Insbesondere in der diesjährigen Ausschreibung der Förderlinie FHprofUnt, welche auf Wissens- und Technologietransfer in die Unternehmen abzielt, hat die FH Aachen wieder ihren Spitzenplatz in Sachen FH-Forschung erfolgreich behauptet: hier konnte sie mit über 1,2 Mio Euro für fünf Projekte den größten Anteil an Mitteln gewinnen.

Davon laufen zwei neue Forschungsprojekte hier am Solarinstitut Jülich: Unter Leitung von Prof. Klemens Schwarzer entwickelt das Projekt "Heliodyn" einen kostengünstigen Planspiegel (Heliostat) mit Hydraulikantrieb, während Prof. Gerd Breitbach mit seinem Team im Projekt „Hyperion" an einem Kesselkonzept für ein hybrides Solarkraftwerk arbeitet.

Mein besonderer Dank gilt dem Leiter des Solar-Instituts, Herrn Professor Hoffschmidt, für sein großes Engagement im Bereich der Solarstromerzeugung. Er hat mehrfach erfolgreich Forschungsprojekte mit BMBF-Förderung durchgeführt und unterstützt das Ministerium auch durch seine jahrelange Tätigkeit als Gutachter. Professoren wie Sie tragen mit ihrer anwendungsorientierten FH-Forschung, zur Umsetzung der High-Tech-Strategie der Bundesregierung bei, deren Schwerpunkte auch in den Bereichen Umwelt- und Energiepolitik liegen. Es sind Ihre Projekte, die mit konkreten umsetzbaren Ergebnissen, die Erfolge der Förderung von Forschung an Fachhochschulen durch den Bund markieren. Ich möchte Ihnen allen an dieser Stelle versichern, dass das BMBF der FH-Forschung eine wichtige Bedeutung zumisst und sie weiter unterstützen wird.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Im erfolgreichen Zusammenwirken von Forschung und Entwicklung mit den Unternehmen liegt die große Stärke der FH Aachen. Das Solarthermische Versuchskraftwerk Jülich ist hierfür ein hervorragendes Beispiel: die Kooperation zwischen dem Solar-Institut der FH Aachen, dem Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt und den Stadtwerken Jülich sowie Kraftanlagen München GmbH ist in jeder Hinsicht ein win-win-Projekt und zeigt, wie Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft in gelungenen Netzwerken Forschung in die Praxis umsetzen können.

Der Solarturm trägt auch dazu bei, den Standort Jülich inmitten der Energieregion in der öffentlichen Wahrnehmung noch weiter auszubauen. Hier ist das Zentrum des “Instituts für Solarturmkraftwerke“ - ein virtuelles Institut, welches neue Berechnungsmethoden für Solarturmkraftwerke entwickelt und anwendet. Das Solar-Institut Jülich ist eine Keimzelle der Forschung. Der Turm, den wir heute hier übergeben, ist ein Prototyp - die Forschung hier in Jülich wird bald weitere Früchte tragen. Das BMBF fördert bereits jetzt Untersuchungen zur parallelen Zufeuerung mit Gas – sozusagen ein hybrides Solarkraftwerk - und eines dafür optimal ausgelegten Kessels sowie die Weiterentwicklung von Materialien und Fertigungstechniken.

Das Solarthermische Versuchskraftwerk macht Jülich zu einem idealen Ausbildungsstandort für Solarturm-Personal, Studierende der erneuerbaren Energien und führt auch schon Schüler/innen an die Technik heran. Es wird auch in Zukunft viele Arbeitsplätze zur Verfügung stellen - ein Forschungsprojekt, das in ganz besonderer Weise dazu beiträgt, die Innovationskraft unseres Landes zu stärken. Denn hier werden aktuelle Forschungsergebnisse ganz konkret zur Grundlage von Entscheidungen in der Wirtschaft. Es erfreut sich bereits jetzt eines großen Internationalen Renommees – schon vor der Inbetriebnahme kamen Besucher aus aller Welt. Das Erprobungskraftwerk wird sicher ein wichtiger Baustein für die Planungen der DESERTEC Industrial Initiative sein, die am 13. Juli in München gegründet wurde. Hier in Jülich können Investoren, Banker, ausländische Regierungen und Beteiligte sich davon überzeugen, dass es funktioniert mit der Solarthermie und dass aus den Gedankenspielen und ehrgeizigen Plänen Wirklichkeit werden kann.

Einen Schritt in Richtung Anwendung der Forschungsergebnisse werden wir heute hier beschreiten. Ich freue mich sehr, dass die Delegation unter Leitung des Generalsekretärs im algerischen Ministerium für Hochschulbildung und wissenschaftliche Forschung, Monsieur Mohamed Gherras, heute hier anwesend ist, um den Kooperationsvertrag zwischen der FH Aachen und der Generaldirektion für wissenschaftliche Forschung und Technologie Algeriens zu unterzeichnen. Der Export der Solarturm-Technologie aus Jülich nach Algerien ist ein konkreter Schritt zur Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis.

Ich wünsche dem Solarthermischen Versuchskraftwerk in Kooperation mit der FH Aachen hier in Jülich für seine Arbeit weiterhin viel Erfolg.