Spatenstich für den Erweiterungsbau des IOF


Datum: 25.06.2009

Meine Rede anlässlich des Spatenstichs für den Erweiterungsbau des OIF am 25. Juni 2009 in Jena, Frauenhofer-Institut für angewandte Optik und Feinmechanik

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Althaus,

sehr geehrter Herr Prof. Bullinger,

lieber Minister Bernward Müller,

Eure Magnifizenz, Prof. Dick,

sehr geehrter Herr Prof. Tünnermann,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

Carl Zeiss, Ernst Abbe, Otto Schott – Sie alle kennen diese Namen. Der Unternehmer, der Physiker und der Chemiker bildeten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen der ersten „Cluster“ und schufen damit hier in Jena die Grundlage für eine beeindruckende Erfolgsgeschichte: Optische Technologien - Made in Germany. Ein Erfolg, der ohne die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft nicht möglich gewesen wäre. Die optischen Berechnungen Abbes und die systematischen Untersuchungen optischer Gläser Schotts wurden in der von Carl Zeiss gegründeten Werkstätte für Optik und Feinmechanik in innovative Produkte umgesetzt und verschafften dem Unternehmen einen technologischen Vorsprung, der weltweit Anerkennung fand.

Die Optischen Technologien haben sich seit diesen Tagen rasant weiterentwickelt. Was mit dem Wunsch nach immer tieferen Einblicken in die mikroskopisch kleinen Strukturen des Lebens begann, ermöglicht heute die Fertigung von Mikrochips oder die leistungsfähige Datenübertragung. Und mit dem Laser liefern die Optischen Technologien ein exzellentes Werkzeug für moderne Produktionsprozesse, die beispielsweise bei reduziertem Materialeinsatz eine höhere Stabilität und Belastbarkeit ermöglichen. Der Laser schafft so die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche und umweltschonende Produktion. Die Optischen Technologien sind Schrittmacher für viele Branchen. Licht eröffnet neue Möglichkeiten in der Medizin und erlaubt uns den schonenden Umgang mit Ressourcen, sei es durch energiesparende LED-Beleuchtung oder die Photovoltaik.

In vielen Bereichen des stark wachsenden, facettenreichen Industriezweigs der Optischen Technologien sind deutsche Unternehmen heute Weltmarktführer. Allein hier in Jena arbeiten derzeit etwa 12.000 Menschen in den Optischen Technologien. Um diese Stärke zu erhalten und auszubauen engagiert sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter Leitung von Bundesministerin Annette Schavan in vielfältigen Fördermaßnahmen.

Wir sind heute hier nach Jena an das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik, kurz IOF, gekommen, um mit einem symbolischen ersten Spatenstich den Startschuss für den dringend erforderlichen Erweiterungsbau des Instituts zu geben. Mit dem Ausbau der Forschungsinfrastruktur hier in Jena tragen die Fraunhofer-Gesellschaft, der Freistaat Thüringen, flankiert durch Mittel des europäischen Regionalfonds[1], und die Bundesregierung der erfreulichen Entwicklung des IOF und des Optics Valley insgesamt Rechnung. Das IOF hat sich in den vergangen Jahren unter der Leitung von Herrn Professor Tünnermann als wichtiger Partner der Optischen Industrie etabliert. Sowohl regional als auch überregional zählt das IOF zu den ersten Adressen, wenn es um „Licht nach Maß“ geht. Und so gingen auch beim Zusammenschluss zahlreicher Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft zur Initiative CoOPTICS[2] maßgebliche Impulse vom IOF aus. CoOPTICS steht für Cooperate in Optics, und das hat - denken wir an Zeiss, Abbe und Schott - eine lange und gute Tradition hier in Jena.

Die enge Verbindung von exzellenter Forschung und erfolgreicher wirtschaftlicher Umsetzung macht die Region zu einem wichtigen Innovationsmotor für Optische Technologien in Europa. Gleichzeitig haben die Akteure des CoOPTICS-Clusters aber auch die immense Bedeutung von Aus- und Weiterbildung für die Zukunft einer starken Region nicht aus den Augen verloren. Vielfach beklagen Unternehmen der Optischen Technologien den drohenden Fachkräftemangel bei Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Mit der Gründung der „Abbe School of Photonics“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena nimmt sich CoOPTICS dieser Herausforderung an und unterstützt aktiv die exzellente Ausbildung von Nachwuchskräften für Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Optischen Technologien. Dank eines Public-Private-Partnerships des BMBF mit Unternehmen der Branche konnte der englischsprachige Masterstudiengang an der Abbe School of Photonics mit einem attraktiven Stipendienprogramm für ausländische Studierende ausgestattet werden.

Zur aktuellen Förderung des IOF durch das BMBF sei das innovative und gerade gestartete Verbundprojekt „PluTO - Plasma und Optische Technologien“ erwähnt, in dem erstmals Wissenschaftler und Unternehmen aus diesen 2 Bereichen - Plasmatechnik und Optische Technologien - zusammengeführt werden. Damit entstehen Aussichten auf ganz neue Produkte im Bereich Optik oder Elektronik - und damit auf den Ausbau des Standortes Deutschland. Die Federführung in diesem vernetzten Pilotprojekt, das das BMBF mit rund 5 Mio. € finanziert, hat das IOF.

Die lange Tradition der Optischen Technologien in Jena habe ich erwähnt - aber auch das Licht der Zukunft kommt aus Jena. Die LED tritt ihren Siegeszug in der Beleuchtung an - und auch hier ist das IOF dabei.

Ein zentrales Ziel der Hightech-Strategie der Bundesregierung ist die schnelle Umsetzung von Ideen in Innovationen und die Nutzung dieser Innovationen als Motor für Wachstum und die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Bei der LED hat Deutschland heute einen Anteil von zwölf Prozent des Weltmarktes und liegt damit international auf Rang zwei. Ideen zünden - man sieht, das ist hier gelungen.

Und natürlich wird auch der Erweiterungsbau selbst in diesem neuen Licht der Zukunft erstrahlen. Effiziente LED-Beleuchtungssysteme, die hier erstmalig flächendeckend für die Innenbeleuchtung zum Einsatz kommen werden, leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Energieeffizienz des Gebäudes.

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftspolitischen Herausforderungen ist es besonders wichtig, die richtigen Rahmenbedingungen für Spitzenforschung und Innovationen zu schaffen. Denn nur so können wir uns fit machen, um gestärkt aus der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise hervorzugehen und so die Grundlage für neues Wachstum zu schaffen.

Im Rahmen der Projektförderung fördert das BMBF aktuell am IOF 15 Projekte mit 16,4 Mio. Euro. Im Rahmen des Konjunkturprogrammes wird IOF zusätzlich mit 1,4 Mio. Euro für energieeffiziente Leuchtdioden EE-LED und deren Produktion unterstützt.

Über 10 Mio. € werden in den kommenden Jahren in das Projekt PhoNa zur Erforschung Photonischer Nanomaterialien hierher nach Jena fließen. Das BMBF unterstützt damit die Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft beim Ausbau nachhaltiger Forschungskooperationen.

Mit der Erforschung von Optik und Photonik auf der Nanoskala wird es möglich sein, dem Licht völlig neue Eigenschaften zu verleihen. Eigenschaften, die Ernst Abbe übrigens seinerzeit für unmöglich gehalten hat. Wir dürfen also zuversichtlich sein, auch in Zukunft vom IOF aus Jena maßgeschneidertes Licht zu erhalten, das die Optischen Technologien als Schrittmacher für Innovationen und Wachstum weiter voranbringen wird. Herr Ministerpräsident Althaus, das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt Sie weiterhin gerne auf diesem Weg.Thüringen hat sich in Forschung und Innovation toll entwickelt. Dies wollen wir weiter unterstützen.

Vielen Dank.