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Meine Rede anlässlich der Jahrestagung 2009 des Forschungsverbundes erneuerbarer Energien am 24.11.2009 in Berlin


Datum: 24.11.2009

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Das Prinzip der Nachhaltigkeit prägt unsere Politik.

Wir wollen gute Lebensbedingungen für kommende Generationen.

Der Klimaschutz ist weltweit die herausragende umweltpolitische Herausforderung unserer Zeit. Er ist Vorsorge für eine langfristig tragfähige wirtschaftliche und ökologische Entwicklung.

Wir sehen Klimaschutz zugleich als Wettbewerbsmotor für neue Technologien.“

So steht es im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP.

Das Motto Ihrer Jahrestagung: „Forschen für globale Märkte erneuerbarer Energien“ knüpft an diese strategischen Eckpunkte aus dem Koalitionsvertrag an. Einerseits geht es um das Öffnen und Nutzen von Exportchancen für unsere Wirtschaft. Andererseits geht es darum, durch die weltweite Verbreitung Umwelt und Klima schonender Energietechnologien drängende globale Energie- und Klimaprobleme zu lösen und verantwortlich für die Zukunft zu handeln.

Ich freue mich, dass der Forschungsverbund Erneuerbare Energien diese hochaktuellen Fragen mit seiner Jahrestagung aufgreift.

Die neue Bundesregierung misst der Energiepolitik eine außerordentlich hohe Bedeutung zu. Denn die Frage, wie wir unseren Energiebedarf in Zukunft umweltverträglich, klimaschonend und nachhaltig decken,  ist eine der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit.

Wir wollen daher den Weg in das Zeitalter der regenerativen Energie bereiten und die Technologieführerschaft bei den erneuerbaren Energien ausbauen.

Der Weg hierhin führt über die Forschung. Nur durch eine exzellente Energieforschung werden wir in der Lage sein, unsere starke internationale Wettbewerbsposition zu halten. Und nur durch Forschung werden wir erreichen, dass die erneuerbaren Energien so kostengünstige Lösungen bieten, dass sie bei den strategischen Entscheidungen zu Energieversorgung und Klimaschutz eine noch stärkere Rolle erhalten.

Wir werden daher ein neues Energieforschungsprogramm mit Schwerpunkten in der Energieeffizienzforschung, den Speichertechnologien, intelligenten Netztechnik und bei Biokraftstoffen der zweiten Generation entwickeln.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gerne die Schirmherrschaft über Ihre Jahrestagung übernommen. Auch in der neuen Bundesregierung sind die Zuständigkeiten für die Energiepolitik und die Energieforschungspolitik auf mehrere Schultern verteilt. Das BMBF und das BMU haben ihre Forschungsförderung für erneuerbare Energien bereits in der vergangenen Legislaturperiode erfolgreich miteinander abgestimmt. Dass nun zwei Bundesministerien gemeinsam die Schirmherrschaft für die Jahrestagung übernommen haben, zeigt Ihnen, dass auch in Zukunft eine gute Abstimmung und enge Koordinierung zwischen den Ressorts stattfinden wird.  Dies ist in meinen Augen unabdingbar, um die im Koalitionsvertrag vereinbarten energiepolitischen Ziele umzusetzen.

Meine Damen und Herren,

Der Klimawandel schreitet unaufhaltsam voran. Um ihn in einem beherrschbaren Rahmen zu halten, müssen wir den Trend bei der Emissionsentwicklung umkehren.

In wenigen Tagen beginnt die Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Wir müssen dafür sorgen, dass dieser Klimagipfel ein Erfolg wird. Ein Scheitern können wir uns nicht leisten. Wir brauchen ein rechtsverbindliches internationales Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012, einen Anschlussvertrag an das Kyoto-Abkommen. Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen muss genutzt werden, um die Vorbereitungen dafür zu treffen, dass im Laufe des Jahres 2010 ein langfristiges Klimaschutzabkommen geschlossen werden kann. Die Bundesregierung wird sich mit aller Energie dafür einsetzen, dass in Kopenhagen alle Kernpunkte sowie Form und Struktur des neuen Klimaschutzabkommens entschieden werden. Darüber bestand auch auf der Kabinettsklausur in Meseberg Einigkeit. Und deswegen wird die Bundeskanzlerin selbst an der Klimakonferenz in Kopenhagen teilnehmen. Sie wird sich auf dem Gipfel persönlich dafür einzusetzen, dass maximale Anstrengungen auf dem Weg zu einem verbindlichen Klimaschutz-Abkommen unternommen werden wird.

Klimaschutzmaßnahmen kosten Geld. Dies darf die Staaten aber nicht vom Klimaschutz abhalten. Denn jede heute unterlassene Maßnahme zum Klimaschutz wird uns in der Zukunft ein Vielfaches kosten. Ein zentrales Ziel der Bundesregierung ist daher, Klimaschutz bezahlbar zu machen: für Industriestaaten, aber auch für Entwicklungsländer. Wir benötigen kostengünstige und effektive Technologien, die  erneuerbare Energien zur CO2-Reduzierung einsetzen. 

Hier liegt eine große Aufgabe für dieForschung. Zum einen gilt es, die heutigen Technologien weiterzuentwickeln und ihre Investitionskosten zu senken.

Zum anderen müssen wir aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ganz neue technologische Ansätze entwickeln, die uns als Sprunginnovationen viel effizientere Lösungen für unsere Energie- und Klimaprobleme ermöglichen.

Hier ist nach meiner Überzeugung die langfristig angelegte Grundlagenforschung besonders gefragt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird mit seinem Förderkonzept „Grundlagenforschung Energie 2020+“ weiterhin diesen Teil der Energieforschung besonders unterstützen. So sieht es die Zuständigkeitsverteilung der Ressorts in der Energieforschungsförderung vor.

Meine Damen und Herren,

Deutschland hat in der Forschung und in der Produktion von erneuerbaren Energietechnologien und Technologien zur effizienten Energieumwandlung und -nutzung international eine Spitzenstellung. Die kontinuierliche, zielstrebige Förderung von Forschung und Entwicklung, begleitet von praktischer Erprobung seit den achtziger Jahren, hat ihre Früchte getragen.

Aber: Andere Staaten haben das Potenzial der erneuerbaren Energien und die Marktchancen genau so erkannt wie wir und investieren erheblich in Produktion und Forschung, insbesondere in der Photovoltaik- und in der Windkrafttechnologie.

Wenn Deutschland in diesem Wettbewerb technologisch seine Spitzenstellungbehalten will, muss unsere Forschung herausragend sein. Wir müssen unsere Technologien weiterentwickeln und durch geschicktes Zusammenspiel der Akteure in Forschung, Industrie, Infrastruktur und Nachwuchsförderung Innovationen fördern.

Forschung und Innovation verlangen ein Zusammenwirken: Die Exzellenz der einzelnen Akteure ist eine wichtige Voraussetzung, aber nicht alles.

Das BMBF fördert darum neben der Förderung einzelner Technologieentwicklungen durch Sonderprogramme wie den Spitzenclusterwettbewerb erfolgreiche und aussichtsreiche Technologieregionen als „Team“. Spitzenforschung, regionale Innovations- und Infrastrukturförderung, Wirtschaft und Bildungsinstitutionen entwickeln Gesamtkonzepte, um die Wettbewerbsfähigkeit einer Region für die Zukunft weiter auszubauen.

Im Spitzencluster „Solarvalley Mitteldeutschland“ wird beispielhaft an dem Ziel gearbeitet, die Kosten der Photovoltaik so weit zu senken, dass die sogenannte Netzparität erreicht wird. Für die Photovoltaik gilt es, die Kostenmauer zu überwinden und damit die Photovoltaikanwendung zu beschleunigen.

Wir werden auch künftig die Hochtechnologieförderung mit regionalen Stärken und Initiativen bündeln. Die zweite Runde des Spitzencluster-Wettbewerbs ist deshalb auf den Weg gebracht worden. Die Bewertungsrunde läuft bereits.

Meine Damen und Herren,

Forschen für globale Märkte, wie es auf dieser Tagung für die erneuerbaren Energien präsentiert und diskutiert werden soll, heißt vor allem auch:  International kooperieren, und zwar in mehrfacher Hinsicht:

Der Austausch von Wissenschaftlern und die Zusammenarbeit mit den besten Forschungszentren der Welt ist Voraussetzung dafür, dass wir unsere exzellente Position in der Forschung behalten. Nur als attraktiver, international vernetzter Wissenschaftsstandort werden wir in der Lage sein, weiterhin Spitzentechnologie zu entwickeln und weltweit anzubieten.

Die Internationalisierung der Ausbildung unseres wissenschaftlichen Nachwuchses und die Förderung der Mobilität der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind in diesem Zusammenhang unverzichtbar.

Die Zielländer unserer umweltfreundlichen Energietechnologieprodukte sind vielfach Entwicklungsländer. Der Technologieexport allein reicht nicht aus. Wir müssen durch strategisch vorbereitete Kooperation den Weg für umweltschonende Energieversorgungs- und –nutzungskonzepte ebnen. Dazu gehören der Aufbau von Knowhow, Fachinstitutionen und die Ausbildung von Experten.

Kurz: Die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern in Bildung, Forschung und Entwicklung muss gestärkt werden, um diesen Aufbau zu ermöglichen.

Dies sind Bestandteile der Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung, die Anfang vergangenen Jahres verabschiedet wurde und auch in dieser Legislaturperiode fortgeführt werden soll.

Meine Damen und Herren,

nicht zuletzt müssen wir die zukunftsentscheidende Bedeutung des Themas Energie und die zentrale Rolle der Forschung bei der Lösungssuche  der Öffentlichkeit noch stärker als bisher nahe bringen.

Das BMBF hat deshalb das kommende Wissenschaftsjahr 2010 unter das Motto „Die Zukunft der Energie“ gestellt.

Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft will das BMBF sodie Bürger ansprechen und begeistern, eine öffentliche Diskussion anstoßen und die Bedeutung von Forschung und Wissenschaft für eine gesicherte, umweltverträgliche und bezahlbare künftige Energieversorgung vermitteln.

Vor allem die Jugend soll durch das „Wissenschaftsjahr Energie“ für das Thema Energie und Energieforschung und damit für naturwissenschaftlich-technische Berufe begeistert werden, Wir wünschen uns, dass sich möglichst viele Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen am Wissenschaftsjahr Energie beteiligen werden: mit eigenen Projekten, durch die Beteiligung an der Forschungsbörse, Ausstellungen, Diskussionsplattformen und dem für Ende September 2010 geplanten bundesweiten „Tag der Energie“, der zu einem Blick hinter die Kulissen und in die Zukunftswerkstätten der Energieforschung einlädt.

Zunächst aber wünsche ich Ihnen allen auf der Jahrestagung des Forschungsverbundes einen lebhaften Informations- und Meinungsaustausch und viele gute Ideen für das Erschließen globaler Märkte.