Eröffnung des Ausbildungs- und Qualifizierungszentrums in Düsseldorf
Datum: 22.09.2009
Meine Rede anlässlich der „Öffentlichen Vorstellung“ des neuen AQZ am 22. September 2009 in Düsseldorf
Sehr geehrte Damen und Herren,
die duale Berufsausbildung ist im deutschen Bildungssystem von hoher Bedeutung. Für zwei Drittel der Jugendlichen in Deutschland ist diese Form der beruflichen Qualifizierung der Einstieg in das Berufs- und Arbeitsleben. Dies beweist: Das duale Ausbildungssystem ist sowohl für die Jugendlichen als auch für Wirtschaft und Gesellschaft attraktiv. Für die Jugendlichen geht es bei der Wahl einer Berufsausbildung um ihre Lebensplanung, um ihre Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und die Sicherung ihrer Beschäftigungsfähigkeit. Für die Wirtschaft, die die Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt, stehen die Sicherung des eigenen Fachkräftenachwuchses und der Erhalt ihrer Wettbewerbs- und Innovations-fähigkeit im Vordergrund.
Mit der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule verfügt Deutschland über eines der weltweit leistungsfähigsten Systeme der Berufsbildung. Der enge Bezug zur betrieblichen Praxis und eine ständige Modernisierung der Ausbildungsinhalte sind Garant für hochwertige Berufsabschlüsse und ein hervorragendes Qualifikationsniveau unserer Fachkräfte.
Meine Damen und Herren,
im Jahr 2008 wurden rund 616.300 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Verglichen mit 2007 war dies zwar ein leichter Rückgang. Die Zahl der ausbildungsinteressierten Jugendlichen hat demografiebedingt jedoch erstmals noch stärker abgenommen.
Somit hat sich das rechnerische Verhältnis von Angebot und Nachfrage für die Jugendlichen weiter verbessert. Die Zahl der am 30. September 2008 bei der BA gemeldeten, noch unbesetzten Ausbildungsplätze lag mit rd. 19.500 im Berichtsjahr 2007/2008 zum ersten Mal seit 2001 über der Zahl der unversorgten Bewerber und Bewerberinnen in Höhe von rund 14.500. Aus der „rechnerischen Lücke“ der Vorjahre ist ein „rechnerischer Überhang“ geworden.
Für 2008 konnten wir damit eine insgesamt positive Bilanz ziehen. Dies zeigt: Es war richtig, dass wir den Ausbildungspakt im Jahr 2007 um weitere drei Jahre verlängert haben. Mit der Selbstverpflichtung von jährlich 60.000 neuen Ausbildungsplätzen und 30.000 neuen Ausbildungsbetrieben haben wir neue, belastbare Benchmarks gesetzt und diese auch im Jahr 2008 erreicht und übertroffen.
Der Ausbildungsmarkt 2009 steht allerdings angesichts der Wirtschaftskrise vor großen Herausforderungen. Wir wissen alle um die enge Verbindung von Wirtschaftslage, Beschäftigungssituation und Ausbildungsmarkt. Sollten sich die aktuellen Konjunkturprognosen bestätigen, müssen wir damit rechnen, dass das betriebliche Ausbildungs-angebot in diesem Jahr weiter zurückgehen wird. Alle aktuell vorliegenden Prognosen, etwa aus dem Berufsbildungsbericht, aus Umfragen von DIHK bei seinen Mitgliedern oder aus Erhebungen des BIBB deuten – wenn auch mit unterschiedlichen Nuancen - darauf hin.
Aber auch die Zahl der ausbildungsinteressierten Jugendlichen wird als Folge der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren deutlich sinken. Was zunächst noch zu einer vorübergehenden Entlastung am Ausbildungsmarkt führt, kann in den kommenden Jahren ein ernsthaftes Problem darstellen. Die Wirtschaft darf jetzt in Folge der globalen Wirtschaftsentwicklung keinesfalls in ihrer Ausbildungsleistung nachlassen. Nur wer jetzt ausbildet, wird morgen über den dringend benötigten Fachkräftenachwuchs verfügen.
Einen Rückgang des Ausbildungsangebots um 5 Prozent könnten wir verkraften. Er deckt sich mit der demografischen Entwicklung. Alles darüber hinaus ginge aber zu Lasten der Jugendlichen. Nach den aktuell vorliegenden Prognosen würden wir dieses Ziel um rd. 20.000 Plätze verfehlen. Ein möglicher Angebotsrückgang – gerade oder auch in Zeiten der Wirtschaftskrise – in dieser Größenordnung ist nach meiner Einschätzung aber noch zu handhaben und bietet keinen Anlass zur Panik. Wir verfügen über viele erprobte und gut bewährte Instrumente, z.B. die außerbetriebliche Ausbildung, den Ausbildungsbonus oder das Strukturprogramm JOBSTARTER. Diese Maßnahmen können bei Bedarf insgesamt intensiviert und auf bestimmte Gruppen von Jugendlichen ausgeweitet werden.
Nach den Augustdaten der Bundesagentur für Arbeit schlägt sich die wirtschaftliche Krise nur bedingt auf den Ausbildungsstellenmarkt nieder. Deutliche Rückgänge zeichnen sich hingegen auf Seiten der Bewerber ab: Mit rd. 7 Prozent ist der Rückgang bei den gemeldeten Stellen nur etwa halb so groß wie der Bewerberrückgang mit rd. 14 Prozent. Wie sich der Ausbildungsmarkt in diesem Jahr letztendlich entwickeln wird, wird im Ergebnis erst feststehen, wenn das BIBB die Ergebnisse seiner Erhebung über die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum 30. September vorlegt.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
dass mehr als 60 % eines Altersjahrgangs eine Ausbildung in einem der ca. 350 nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung anerkannten Ausbildungsberufe beginnen, unter-streicht die Aktualität und Modernität der dualen Berufsausbildung. Sie ist damit auch heute noch die mit Abstand bedeutendste Ausbildungsform in Deutschland!
Wir müssen daher dafür sorgen, dass jeder Jugendliche qualifiziert und ausgebildet werden kann. Dies ist eine Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Meine Damen und Herren,
auch die Bundesregierung unterstützt mit vielfältigen Maßnahmen die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und sichert den Jugendlichen zusätzliche Ausbildungschancen. Alleine für die investive Förderung von Berufsbildungsstätten hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits über 2 Milliarden Euro seit 1973 zur Verfügung gestellt. Damit konnte ein gut ausgestattetes Netz von überbetrieblichen Berufsbildungsstätten geschaffen werden, das es vielen kleinen und mittleren Betrieben erst ermöglicht, eine duale Ausbildung anzubieten. Durch zusätzliche 15 Mio. Euro aus dem Konjunkturprogramm konnten die Investitionsmittel für ÜBS in diesem Jahr um mehr als die Hälfte verstärkt werden. Mit diesen Mitteln kann der hohe Standard der Bildungsinfrastruktur für die duale Ausbildung, aber auch für die Weiterbildung erhalten und ausgebaut werden.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft! Aus diesem Grund beteiligt sich der Bund mit über 2,5 Mio. Euro an den Kosten für den Neubau des Ausbildungs- und Qualifizierungszentrums. Ein Teil der Bundesmittel war erst für das Jahr 2010 vorgesehen. Und so freue ich mich ganz besonders, dass ich Ihnen, lieber Herr Kurschildgen, heute aus dem Konjunkturprogramm für das AQZ vorzeitig einen Änderungsbescheid über 750.000 € überreichen kann.
Ich bin mir sicher, dass hier mit diesem Neubau ein lernförderndes Umfeld geschaffen wurde, in dem hervorragend ausgebildet und weitergebildet werden kann. Ich wünsche Ihnen hierbei viel Erfolg.
Vielen Dank.

