Ausstellungseröffnung DARWIN Reise zur Erkenntnis


Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung DARWIN Reise zur Erkenntnis im Museum für Naturkunde Invalidenstraße 43 in Berlin

Datum: 11.02.2009

Sehr geehrter Herr Professor Leinfelder,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zur Eröffnung der Sonderausstellung im Darwin-Jahr 2009. Gerne bin auch ich als Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung dieser Einladung gefolgt.

Morgen am 12. Februar jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des herausragenden Naturwissenschaftlers Charles Darwin. In diesem Jahr finden in den naturforschenden Museen zahlreiche Veranstaltungen statt, die sich der Person und dem Werk Charles Darwins widmen.

Seine Strahlkraft übt noch heute Einfluss auf uns aus. Die hohe Aufmerksamkeit, die diesem Jubiläumsjahr geschenkt wird, macht das deutlich. Auch zu Lebzeiten hat Charles Darwin mit seinen Forschungsergebnissen sein Umfeld entscheidend beeinflusst.

Das bedeutendste Ereignis in seinem Leben, das seinen gesamten Werdegang bestimmte, wie er selbst über sich sagte, war die Reise auf dem Vermessungsschiff BEAGLE in den Jahren 1831 bis 1836, die ihn ein mal rund um den Globus führte. In dieser Zeit hat Charles Darwin seine Sammlung geordnet und zwölf Kataloge erstellt. Seine zoologischen Notizen umfassten 368 Seiten, die über Geologie waren mit 1383 Seiten etwa viermal so umfangreich. Zusätzlich hat er 770 Seiten seines Reisetagebuchs beschrieben. 1529 in Spiritus konservierte Arten sowie 3907 Häute, Felle, Knochen, Pflanzen etc. waren das Ergebnis dieser fast fünfjährigen Reise. Einige der Originalobjekte werden wir in dieser Ausstellung wiederentdecken können.

Heute begegnen wir also einem vor allem auch vorbildlichen Wissenschaftler. Zunächst sammelte er Fakten, machte Beobachtungen, entwickelte Ideen und versuchte schließlich diese durch Experimente zu prüfen oder zu verfeinern. Daraus entstanden schließlich seine wissenschaftlichen Theorien.

Er scheute sich nicht, sich mit seinen neuen revolutionären Theorien der Gesellschaft zu stellen. Seine Werke, allen voran „Entstehung der Arten“ und „Abstammung des Menschen“, lösten schon kurz nach Ihrem Erscheinen eine Flut von Reaktionen aus. Sie berührten nicht nur biologische Fragestellungen, sie hatten auch weitreichende Implikationen für Theologie, Philosophie und andere Geisteswissenschaften sowie für den Bereich des Politischen und Sozialen. Darwin hat das Weltbild de Gesellschaft des 19. Jahrhunderts radikal geändert. Damit hat er beispielhaft gezeigt, welchen Beitrag die Wissenschaft zur Weiterentwicklung der Gesellschaft leisten kann.

Sehr geehrte Damen und Herren, Darwin zeigte zu seiner Zeit die Qualitäten, die wir auch heute noch von unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erwarten. Sorgfältiges und präzises Arbeiten und die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft.

Heute stellt die von Darwin begründete und seitdem ständig weiterentwickelte Evolutionstheorie für die Biologie die grundlegende wissenschaftliche Denkweise dar: Sie bildet die Klammer um alle biologischen Teildisziplinen, wie Zoologie, Botanik, Verhaltensforschung, Embryologie und Genetik. Ohne Darwins Erfolge wären die modernen Biowissenschaften nicht vorstellbar

Darwin konnte zwar noch nicht erklären, wie Merkmale von Generation zu Generation weitergegeben werden und warum sich Variationen dieser Merkmale nicht durch Vererbung vermischten. Der Mechanismus dafür wurde 1865 von Gregor Mendel geliefert, dessen Forschungen offenlegten, dass bestimmte Eigenschaften in einer genau definierten und vorhersagbaren Weise vererbt werden.

Mit der Identifikation der DNA als das genetische Material und der Entschlüsselung ihrer Struktur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde dann auch die physische Basis der Vererbung geklärt.

Seitdem sind Genetik und Molekularbiologie zentrale Bestandteile der Evolutionsbiologie, wissenschaftlich gilt damit die Evolutionstheorie als bewiesen.

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts haben Evolutionsbiologen dann den Begriff der biologischen Vielfalt oder der Biodiversität in die Diskussion gebracht. Heute wissen wir um deren Bedeutung. Biodiversität ist eine Lebensgrundlage für das menschliche Wohlergehen, weshalb ihr Erhalt von besonderem Interesse ist. Biodiversität ist mehr als nur Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen und ihre Ökosysteme. Sie bedeutet auch für uns Bedürfnis nach ausreichend Nahrung, Medizin, sauberem Wasser und einer intakten Umwelt, in der wir leben können. Folgen einer abnehmenden Biodiversität treffen oft als erstes die Armen dieser Welt, da sie häufig auf die eigenen aus der Natur gewonnenen Erzeugnisse angewiesen sind.

Um dieses Gut weltweit zu schützen, haben 190 Staaten die UN-Konvention zur biologischen Vielfalt unterzeichnet. Sie wurde 1992 in Rio de Janeiro beschlossen. Die Ziele dieses Übereinkommens sind die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und die gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen.

Forschung für die biologische Vielfalt ist also Forschung für den Menschen und für die Gesellschaft. Diesem Ansatz hat sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Bereich Forschung für Nachhaltigkeit verpflichtet. Mit der Förderung der Biodiversitätsforschung leistet das BMBF einen wesentlichen Beitrag zu den Zielen dieser UN-Konvention. Wir stehen in guter Tradition zu Charles Darwin.

Ein wirksamer Schutz der biologischen Vielfalt wird erleichtert, wenn er in der Gesellschaft breite Unterstützung findet. Damit komme ich zurück zu Ihrer Ausstellung und den Aufgaben der Museen. Sie übernehmen hier ein wichtige Aufgabe als Schnittstelle zwischen Forschung und Öffentlichkeit. Sie fördern den Dialog zwischen Wissenschaftlern und den interessierten Menschen. Sie schlagen eine Brücke zu heute aktuellen Themen und ebenen damit den Weg, Menschen den Einblick in die moderne Wissenschaft zu ermöglichen, die oft auch gesellschaftsrelevante Grundsatzfragen und problemorientierte Themen wie Klima- und Umweltschutz betreffen. 

Zum 1. Januar 2009 sind die großen deutschen Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft in den Geschäftsbereich des BMBF gewechselt. Dieses sind das

·       Museum für Naturkunde Berlin,

·       das Zoologische Museum König Bonn,

·       das Deutsche Museum München,

·       das Bergbaumuseum Bochum,

·       das Schifffahrtsmuseum Bremerhaven,

·       das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz sowie das

·       Germanische Nationalmuseum Nürnberg.

Die Senckenberg Forschungsinstitute und Naturmuseen mit Hauptsitz in Frankfurt, die bereits dem BMBF zugeordnet waren, konnten sich durch weitere Standorte in Dresden und Görlitz erweitern.

Frau Bundesministerin Dr. Schavan hatte sich persönlich dafür eingesetzt, Deutschlands führende Forschungsmuseen beim BMBF anzusiedeln, um sie noch besser in der Wissenschaftsprozess einbinden zu können. Damit ist ein von vielen Einrichtungen geäußerter Wunsch wahr geworden.

Darüber hinaus hat Frau Dr. Schavan bei den Verhandlungen zum Konjunkturpaket II erreicht, dass die Forschungsmuseen mit Ihrem Forschungsteil – nur diesen kann der Bund fördern – von den Mitteln des Investitionsprogramms profitieren kann.

Wir werden selbstverständlich auch den kulturellen Aspekt der Forschungsmuseen bzw. die museale Arbeit nicht vergessen, denn die Museen sind als Vermittler zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit eminent wichtig. Insofern freuen wir uns auf die Aufgabe gemeinsam mit den neuen Partnern.

Die Sonderausstellung „DARWIN - Reise zur Erkenntnis“ nimmt uns zunächst mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Sie macht uns mit dem Leben und dem Werk eines herausragenden Wissenschaftlers bekannt, sie nimmt uns aber auch mit auf die Entdeckungsreise der Beagle. Wer hier in Berlin noch nicht satt vom Reisen wird, kann die Reise der Beagle dann im Herbst im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart fortführen.

Für Ihr Engagement Herr Prof. Leinfelder und das Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchte ich an dieser Stelle auch im Namen von Bundesministerin Dr. Annette Schavan herzlich danken.

Ich wünsche uns allen nun einen anregenden Rundgang durch die Ausstellung.