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Auftaktveranstaltung des Regionalen Bildungsnetzwerks Düren


Datum: 20.08.2009

Meine Rede am 20. August 2009  in Düren, Berufskolleg für kaufmännische Berufe

Sehr geehrter Herr Landrat, lieber Herr Spelthahn,

sehr geehrter Herr Dr. Habeck, [Gruppenleiter Schulministerium NRW, Nachredner]

sehr geehrte Damen und Herren,

I.

für die Einladung zur heutigen Auftaktveranstaltung des Regionalen Bildungsnetz­werks Düren möchte ich mich herzlich bedanken und zugleich die Verantwortlichen im Kreis und im Land zu ihrem engagierten Schritt beglückwünschen. Ich bin über­zeugt, dass die Menschen in unserer Region von dem im Februar dieses Jahres ge­schlossenen Kooperationsvertrag in hohem Maße profitieren werden.

Durch die neuen Strukturen mit ihrem gezielten Übergangsmanagement werden insbesondere die Lernchancen der Kinder und Jugendlichen im Kreis Düren verbes­sert. Durch die effektivere Nutzung der bereits bestehenden kleineren Netzwerke wird aber auch die Transparenz der gesamten lokalen Bildungslandschaft erhöht. Auf diese Weise werden Bürgerinnen und Bürger in jeder Lebensphase Unterstützung finden, die optimal auf ihre jeweiligen Bedürfnisse und Ausgangslagen abgestimmt ist.

II.

Mit der Einrichtung und Entwicklung des regionalen Bildungsnetzwerks hat der Kreis Düren die Weichen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten richtig gestellt. Meine feste Überzeugung ist: Beispiele wie dieses zeigen, dass Deutschland gestärkt aus der gegenwärtigen Krise hervorgehen kann. Die Bundesregierung hat deshalb ent­schlossen gehandelt, um jetzt die Grundlagen für eine sich bereits abzeichnende wirtschaftliche Erholung und den künftigen Aufschwung zu legen.

Herzstück des vor wenigen Monaten von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Konjunkturprogramms sind Zukunftsinvestitionen in die Modernisierung der Infra­struktur für Bildung und Forschung. In den Jahren 2009 und 2010 stehen den Län­dern und Kommunen hierfür insgesamt knapp 10 Milliarden Euro für zusätzliche In­vestitionen zur Verfügung, von denen der Bund 6,5 Milliarden trägt. Dieses gewaltige Finanzvolumen dient zu 70 Prozent der Finanzierung kommunaler Investitionen in Kindergärten, Schulen und Volkshochschulen. Dies ist das größte Investitionspro­gramm für Bildung, das es je in Deutschland gegeben hat.

Dieses Investitionsprogramm wird dazu beitragen, dass Deutschlands Bildungs-system moderner und zukunftsfähiger aus der wirtschaftlichen Krise hervorgehen wird. Investitionen in die Bildungsinfrastruktur müssen aber Hand in Hand mit über­zeugenden inhaltlichen Konzepten wie hier im Kreis gehen. Nur so kann unser Bil­dungssystem moderner und leistungsfähiger werden. Bund und Länder haben dazu im vergangenen Jahr in Dresden die Qualifizierungsinitiative für Deutschland verein­bart.

Die Bundesregierung verfolgt damit das Ziel, Deutschlands wichtigste Ressource „Bildung“ stärker für wirtschaftliche Dynamik und persönliche Aufstiegschancen zu erschließen. Wir wollen die Weiterbildungsbeteiligung bis 2015 von derzeit 43% auf 50% erhöhen. Insbesondere soll die Beteiligung von Geringqualifizierten auf 40% (von bisher 28%) steigen. Hierzu trägt als zentrale Maßnahme die Bildungsprämie bei, die im Dezember 2008 gestartet wurde.

Mehr Anstrengung und Geld für Bildung, Qualifizierung und Weiterbildung – die Bun­desregierung unternimmt mit der Qualifizierungsinitiative einen energischen Schritt für mehr und bessere Bildung und Weiterbildung in allen Lebensbereichen. Hierzu werden zahlreiche Initiativen gebündelt, die die Teilnahme am Lebensbegleitenden Lernen unterstützen. Dazu zählen neben der bereits erwähnten Bildungsprämie auch die Verbesserung der Bildungsberatung, zu der wir mit einer Telefonhotline und einem Beratungsportal beitragen wollen, sowie das gerade eingeführte „Technikum“, mit dem wir das Interesse für technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge bei Abiturientinnen und Abiturienten wecken möchten und durch ein finanziertes Prakti­kum unterstützen.

Weitere Maßnahmen reichen etwa von der Steigerung der Studienanfängerquote auf aktuell knapp 40 Prozent über die massive Ausweitung der BAföG-Leistungen mit einer Erhöhung der Förderung um 10 Prozent und der Freibeträge um 8 Prozent bis hin zu verbesserten Regelungen für mobile Studierende. Qualifizierten Absolventen der beruflichen Aus- und Weiterbildung wird der Zugang zum Studium erleichtert. Dies unterstützen wir durch die neu eingeführten Aufstiegsstipendien, mit denen be­ruflich Begabten ein Hochschulstudium ermöglicht wird.

III.

Übergeordnetes Ziel dieser Maßnahmen und Initiativen ist eine größere Durchlässig­keit im Bildungssystem, das sehr stark durch das isolierte Nebeneinander der einzel­nen Bereiche geprägt ist. Ein zentraler Ansatzpunkt, um trotz unterschiedlicher Zu­ständigkeiten zu gemeinsamer Verantwortung zu kommen, ist die Unterstützung re­gionaler Bildungsnetzwerke. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat mit dem Programm „Lernende Regionen“ von 2001 bis 2008 rund 70 solcher Netz­werke mit insgesamt 138 Mio. Euro gefördert.

In diesen Projekten ist es gelungen, die Grenzen zwischen den Bildungsbereichen zu überwinden. Das klingt vergleichsweise einfach, ist aber in der Praxis alles andere als das. Darüber hinaus konnten auch bildungsferne Bevölkerungsgruppen gewon­nen werden, die Bildungsangebote zu nutzen. Für zentrale Herausforderungen – wie die Bildungsferne von Teilen der Bevölkerung oder den Fachkräftemangel – haben die Netzwerke Lösungen gefunden, von denen einige bereits Bestandteil von Regio­nalentwicklungsplänen geworden sind.

Dabei hat sich gezeigt, dass regionale Bildungsnetzwerke dann besonders erfolg­reich sind, wenn die Kommune als Partner oder als Zentrum fest in das Netzwerk eingebunden ist. An diesem Punkt haben wir mit dem soeben gestarteten neuen Programm „Lernen vor Ort“ angesetzt, das wir in den nächsten drei Jahren gemein­sam mit vielen deutschen Stiftungen durchführen werden.

„Lernen vor Ort“ ist eine Initiative des BMBF mit deutschen Stiftungen. 40 Kreise und kreisfreie Städte werden dabei unterstützt, ein integriertes Bildungsmanagement vor Ort zu etablieren. Viele Städte und Kreise in Deutschland haben bereits erkannt, dass Bildung ein entscheidender Standortfaktor ist. Sie entwickeln kohärente Kon­zepte, in denen Bildungsstationen und Bildungsangebote aufeinander bezogen und abgestimmt sind.

Auf diesem richtigen Weg möchten wir die Kreise und Städte mit dem Bundespro­gramm „Lernen vor Ort“ begleiten. Wir setzen bewusst dort an, wo Bildung für die Bürgerinnen und Bürger stattfindet: In den Kommunen, im Stadtteil, in der Gemeinde -  eben vor Ort. Denn dort durchlaufen die Menschen ihre Bildungsbiographie – von der frühkindlichen Bildung bis hin zur Weiterbildung. Die Orientierung an den Bedürf­nissen der Bürgerinnen und Bürger steht dabei im Mittelpunkt.

Kommunen verfügen über ein hohes Maß an Gestaltungskompetenz und Verant­wortung für die Verwirklichung des Lebenslangen Lernens. Wichtige Zuständigkeiten für vorschulische Erziehung und Bildung, für schulische Bildung sowie für allgemeine, kulturelle und berufliche Bildung, aber auch für Bibliotheken, Museen, Musikschulen und Theater liegen bei den Kommunalverwaltungen. Weitere kommunale Ressorts sind direkt oder indirekt bildungsrelevant, wie beispielsweise das Sozialamt, das Jugend- und Sportamt, das Gesundheitsamt und die Wirtschaftsförderung.

Wir wollen deshalb die Kommunen dabei unterstützen, diese oft nebeneinander agie­renden Bereiche besser miteinander zu verknüpfen und die bereits bestehenden An­sätze zu einem ganzheitlichen Bildungsmanagement weiter auszubauen. Mit Köln und Aachen nehmen zwei Kommunen an dem Programm teil, denen der Kreis Düren mit seinem ganz ähnlichen strategischen Ansatz durch einen bestehenden partner­schaftlichen Austausch eng verbunden ist.

Darüber hinaus zeichnen sich weitere Möglichkeiten ab, wie der Kreis Düren von „Lernen vor Ort“ profitieren kann. Zu den Handlungsschwerpunkten des Programms werden nämlich zu Beginn des nächsten Jahres Fachforen eingerichtet, die sich ausdrücklich auch an die Kommunen richten, die nicht unmittelbar gefördert werden. Diese Fachforen decken sich teilweise mit den Handlungsfeldern, die Bestandteil des gerade geschlossenen Kooperationsvertrags zwischen dem Kreis und dem Land Nordrhein-Westfalen sind. Der Kreis Düren könnte sich somit etwa in den Themenfeldern Übergangsmanagement oder Integration durch einen Austausch in einem entsprechenden Fachforum begleiten lassen oder selbst Akzente setzen.

Besonders hinweisen möchte ich auf das Fachforum Bildungsmonitoring, das im Rahmen von „Lernen vor Ort“ eine herausgehobene Rolle spielt. Es soll gleichfalls als Forum für programmexterne Kommunen angeboten werden. Bildungsmonitoring ist ja ein verpflichtender Bestandteil der Kooperationsverträge, die bis zum Ende des Jahres über 40 Kommunen in NRW mit dem Land abgeschlossen haben werden. Insofern könnte es auch für den Kreis Düren von Interesse sein, über das einschlä­gige Fachforum ab 2010 von den Ergebnissen und Erfahrungen des Bildungsmonito­rings bei „Lernen vor Ort“ zu profitieren. Auf Wunsch könnte der Kreis sich dadurch bei der Entwicklung eines eigenen Berichtswesens unterstützen lassen.

Basis für das Bildungsmonitoring ist das Set an Kernindikatoren, welches das Statis­tische Bundesamt gemeinsam mit den Landesämtern entwickelt hat und derzeit in der praktischen Erprobung weiter verfeinert. Dabei wird ein praktikables Verfahren gerade auch für die Kreise angestrebt. Hier ist die Nutzung von regionalen Bildungs­daten für eine verantwortliche Steuerung ebenso notwendig wie in städtischen Bal­lungsgebieten. Allerdings ist die Ausgangslage für die Erhebung und Nutzung solcher Daten oftmals erheblich schwieriger.

Über das Fachforum Bildungsmonitoring ebenso wie über die weiteren Foren und die Angebote an programmexterne Kommunen wird ausführlich die Auftaktveranstaltung zum Programm „Lernen vor Ort“ informieren, die am 10. und 11. November dieses Jahres in Berlin stattfinden wird und zu der ich Sie gern bereits heute ganz herzlich einladen möchte.

Für den heutigen Tag wünsche ich Ihnen eine informative Veranstaltung, die bei der Klärung noch offener Fragen in dem anspruchsvollen Entwicklungsprozess hilft, der nun bevorsteht. Ich finde es sehr beachtlich, dass nicht nur eine Einigung innerhalb des Kreises den ersten Schritt des Kooperationsvertrages ermöglicht hat, sondern dass der Kreis Düren auch der erste ist, der außerhalb des Projektes Selbständige Schule diesen richtigen Weg beschritten hat. Der sich nun anschließenden konkreten inhaltlichen Arbeit wünsche ich ein gutes Gelingen und bedanke mich für Ihre Auf­merksamkeit.