75 Jahre ITA und Eröffnung INNOTEX


Datum: 11.09.2009

Meine Rede anlässlich 75 Jahre ITA und Eröffnung INNOTEX am 11. September 2009 in Jülich

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Wettbewerbsdruck der heute, auch verstärkt durch die Wirtschaftskrise, strukturelle Änderungen in verschiedenen deutschen Vorzeige-Branchen auslöst, ist gerade der Textilbranche gut bekannt. Allerdings liegen hier die ersten Ereignisse über 50 Jahre zurück. Bereits seit den 1960er Jahren unterlag die Textilbranche tief greifenden Veränderungen. Grund war der zunehmende weltweite Wettbewerbsdruck. Mit der EU-Osterweiterung und dem 2005 erfolgten Wegfall der Einfuhrquoten für Textil- und Bekleidungsprodukte nach Europa ent­standen für die Textilwirtschaft weitere Herausforderungen.

Doch Dank Textil-Innovationen, wie sie auch aus dem ITA kommen, hat die deutsche Textilbranche ihren Platz in der Welt gefunden. Der besonders zukunftsträchtige Produktionsbereich der „Technischen Textilien“ – d. h. der vornehmlich funktionellen Erzeugnisse – hat derzeit bereits über 40 % Marktanteil im deutschen Textilmarkt. Damit nimmt Deutschland eine Spitzenstellung in Europa ein.

Das ITA ist ein Beispiel dafür, wie durch Forschung, Innovation, aber gerade auch durch Industrienähe und erfolgreichen Transfer von Forschungsergebnissen in neue Produkte, nachhaltige Erfolge gefeiert werden können. Und der Erfolg zeigt sich auch in Zahlen:  Das ITA konnte die Anzahl wissenschaftlicher Mitarbeiter von 2004 bis 2009 auf heute 43 Personen mehr als verdoppeln.

Stärken stärken. Diesen Ansatz verfolgt die Bundesregierung auch bei ihrem finanziellen Engagement beim ITA Neubau INNOTEX, den wir mit gut 6,3 Millionen Euro Bundesmittel unterstützen. Wir wollen die Erfolgsgeschichte fortschreiben.

Die Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. In absoluten Zahlen heißt das eine Reduzierung im Vergleich zu heute um 260 Millionen Tonnen CO2. Damit wir dieses ambitionierte Ziel erreichen, brauchen wir einen breiten Maßnahmenkatalog. Und das ein Gebäudeneubau wir der des INNOTEX dazu einen Beitrag leisten kann, hätte ich mir vor meinem letzten Besuch hier vor Ort im März 2008 nicht vorstellen können. Durch die Anbringung der innovativen Fassadenelemente konnten im Vergleich zu einer herkömmlichen Stahlbetonbauweise 420 t CO2-Emissionen gespart werden. Der dazu verwendete Textilbeton – eine intelligente Kombination von Textiltechnologie und Beton – wurde im Rahmen eines EU-geförderten Projektes  hier an der RWTH Aachen mitentwickelt. Interdisziplinarität, Spitzenforschung und erfolgreicher Technologietransfer waren hier die Zutaten für ein erfolgreiches Projekt, dass direkt in die Anwendung, hier, heute, für uns alle sichtbar, gemündet hat.

75 Jahre ITA. 75 Jahre Forschung im Bereich Textiltechnik an der RWTH Aachen. An dem Beispiel des Werkstoffs Textilbeton sehen wir, wie spannend Forschung in einem Arbeitsgebiet – auch nach 75 Jahren – sein kann. Wie durch Aufnahme gesellschaftlicher Bedürfnisse und innovativen Anwendungen vor Augen immer wieder neues entsteht.

Gerade Werkstoffe haben in der Menschheitsgeschichte schon oft die Entwicklung so maßgeblich vorangebracht, dass ganze Epochen nach ihnen benannt wurden. Die Erfindung von Bronze und Gusseisen – wir sprechen heute von der Bronze- und Eisenzeit – katapultierte antike Kulturen auf eine neue Stufe der Zivilisation. Jahrhunderte später beförderte Stahl die industrielle Revolution der Neuzeit. In diesem Sinne sollten wir die Möglichkeiten sehen, die uns innovative Werkstoffe wie moderne Textilien bieten, und in Handeln umsetzen, in gute Forschung, in vielversprechende Entwicklungen und in neue erfolgreiche, marktfähige Produkte.

Auch die Hightech-Strategie der Bundesregierung greift die große Bedeutung der Werkstoffe im Rahmen des Innovationsfelds Werkstofftechnologien auf – und natürlich spiegelt sich das auch in der Förderung wider: seit dem Jahr 2005 wurde durch das BMBF mehr als 400 Millionen Euro in die Förderung innovativer Werkstoffentwicklungen investiert.

Meine Damen und Herren,

zum 75-jährigen Institutsbestehen sowie zu diesem schönen neuen Gebäude möchte ich Ihnen ganz herzlich gartulieren. Ich wünsche Ihnen noch viele weitere erfolgreiche Jahrzehnte in der Textilforschung hier in Aachen.