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Meine Rede anlässlich der Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Jülich an Prof. Dr. Peter Grünberg, Träger des Nobelpreises für Physik 2007


Datum: 25.04.2008

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Stommel,
verehrter Herr Professor Grünberg,
liebe Frau Grünberg,
liebe Mitglieder des Rates der Stadt Jülich,
meine sehr verehrten Damen und Herrn,

es ist mir eine große Freude Ihnen, lieber Herr Professor Grünberg, im Namen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur heutigen Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Jülich ganz herzlich zu gratulieren.

Nach Ihrer Postdoktorandenzeit in Kanada sind Sie mit 33 Jahren hier an das Forschungszentrum in Jülich gekommen. Hier haben Sie bis zu Ihrer Pensionierung im Jahr 2004 insgesamt 32 Jahre mit großer Leidenschaft gearbeitet und geforscht; nicht in Berkeley oder Harvard, sondern im rheinischen Jülich.

Dieser Werdegang veranlasste „Die Zeit“ unlängst ziemlich frech von einer (Zitat) „Karriere von beamtenhafter Langweiligkeit“ zu sprechen.

Aber die Verleihung des Nobelpreises an Sie zeigt eben, das nicht ein Lebenslauf mit großklingenden Namen sondern kreative Ideen und wissenschaftlich exzellentes Know-how entscheidend sind.

Ja, auch in Deutschland, in der Helmholtz-Gemeinschaft und hier am Forschungszentrum Jülich kann unter exzellenten Bedingungen und auf Weltklasseniveau geforscht werden. Das haben Sie gezeigt und Sie sind dafür mit der höchsten Auszeichnung für einen Wissenschaftler belohnt worden.

Vor einigen Wochen hatte ich Sie zur Eröffnung des Deutsch-israelischen Jahres der Wissenschaft und Technologie 2008 nach Berlin eingeladen und durfte miterleben, wie die jungen Wissenschaftler begeistert Ihre Worte aufgesogen haben. Hier wird deutlich, welchen unschätzbaren Wert Sie als Vorbild und Mensch, lieber Herr Prof. Grünberg, für kommenden Wissenschaftlergenerationen haben.

Es liegt daher auf der Hand, dass der Bürgermeister der Stadt Jülich, Sie verehrter Herr Professor Grünberg, als (Zitat) „Persönlichkeit, die sich um die Stadt besonders verdient gemacht“ hat, heute mit der Ehrenbürgerschaft dieser Stadt auszeichnen wird. Und dass dies eine ganz besondere Auszeichnung ist, lässt sich auch daran ablesen, dass sie bisher nur vier Persönlichkeiten zuteil wurde.

Ihre wissenschaftlichen Leistungen und die Ihrer Mitarbeiter im Jülicher Forschungszentrum sowie die mit der Verleihung des Nobelpreises verbundene weltweite Anerkennung sind für die Bundesrepublik Deutschland, aber auch für die Stadt Jülich als – wie es im Logo der Stadt treffend heißt - „Historische Festungsstadt – Moderne Forschungsstadt“ von großer Bedeutung. Durch Ihren Nobelpreis bekommt der Name „Jülich“ einen neuen Klang in der Welt.

Der Wandel der einstigen Kernforschungsanlage Jülich zum multidisziplinären Forschungszentrum und der Studienstandort Jülich der Fachhochschule Aachen verdeutlichen die enorme Entwicklung, die die Stadt „als Forschungsstadt“ in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat.

Am Forschungszentrum werden Schwerpunkte neu definiert und wie etwa in der Gesundheitsforschung mit der Beteiligung des Forschungszentrums an dem neuen Helmholtz-Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen belohnt.

Diesen wichtigen Prozess der Profilschärfung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Forschungseinrichtungen - wie hier in Jülich - begleiten das Bundesforschungsministerium und die Länder unter anderem mit dem von meinem Ministerium initiierten Pakt für Forschung und Innovation. In diesem werden von 2006 bis 2010 ca. 2,34 Milliarden Euro in den Forschungsorganisationen und Forschungseinrichtungen investiert. Wir haben mit dem Pakt einen Prozess zur langfristigen Sicherung der Innovationsfähigkeit des Wissenschaftssystems eingeleitet, der unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit auch zukünftig garantieren soll. Die bisher erreichten qualitativen und quantitativen Ergebnisse machen deutlich, dass sich das Instrument bewährt hat und wichtige Impulse zur Fortentwicklung des Wissenschaftssystems gibt.

Dieser eingeleitete Strukturwandel ist in vollem Gange, muss sich aber, wenn er denn erfolgreich sein will, fortsetzen. Daher wird gegenwärtig darüber verhandelt, wie die Fortsetzung und Weiterentwicklung der begonnenen strategischen Maßnahmen über das Jahr 2010 erreicht werden kann. Dies ist insbesondere für die mittelfristige Planungssicherheit der 15 Forschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, zu denen das Forschungszentrum Jülich gehört, von großer Bedeutung.

Lieber Herr Prof. Grünberg,

Standortfaktoren sind aber nicht alles, was erfolgreiche Forschung braucht. Auch dafür öffnen Sie uns den Blick, wenn Sie in einem Interview betonen: „Jeder Wissenschaftler ist immer auch ein Träumer!“ Der praktische Mensch interessiert sich nur für Dinge, die Nutzen bringen. Ein Wissenschaftler lässt sich von den Dingen faszinieren, er will wissen, was dahinter steckt.

Das Schöne ist, lieber Herr Prof. Grünberg, das diese Ihre Faszination für junge Wissenschaftler hochgradig ansteckend ist, wie ich es selbst erlebt habe.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn man in die lange Liste der deutschen Nobelpreisträger schaut, denen dieser Preis im Bereich der Physik verliehen wurde, wird einem die Bedeutung dieser Preisverleihung bewusst. Der erste Preisträger 1901 war Wilhelm Conrad Röntgen, es folgten Ferdinand Braun, Max Planck, 1921 Albert Einstein, 1932 Werner Heisenberg und in der jüngeren Zeit Klaus von Klinzing, Ernst Ruska, dessen Name heute ein Institut im Forschungszentrum Jülich trägt, sowie Horst Ludwig Störmer, im Jahr 2000 Herbert Kroemer und schließlich 2007 Peter Grünberg. Übrigens: damit erstmals ein Wissenschaftler aus diesem Forschungszentrum der Helmholtz Gemeinschaft.

Dabei hat sich die Art und Weise, wann ein Nobelpreis für welches herausragende Forschungsergebnis verliehen wird, mit der Zeit gewandelt. Im Testament von Alfred Nobel war noch formuliert worden, dass die Zinsen der von ihm gewünschten Stiftung „als Preise denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben.“ Mehr als einhundert Jahre später erfolgt die Verleihung des Nobelpreises oft als Anerkennung für die langjährig erbrachten Leistungen in der Forschung sozusagen für das Lebenswerk.

Professor Grünberg entdeckte 1987/88 – wie nahezu gleichzeitig der Franzose Albert Fert – den Riesenmagnetowiderstand, englisch Giant Magnetoresistance oder abgekürzt GMR-Effekt. Dank dieser Grundlagenforschung gelang es, in den 90er Jahren leistungsfähige Lese-Schreib-Köpfe für Festplatten zu entwickeln. Der GMR-Effekt brachte damit auch den Durchbruch zu Giga-Byte-Festplatten, die heute in jedem PC oder Laptop im Einsatz sind. Es braucht eben heute eine gewissen Zeit, um die Tragweite und Bedeutung einer Entdeckung und vor allem ihre Anwendungsmöglichkeiten abschätzen zu können.

Ich darf Sie an dieser Stelle, Herr Professor Grünberg, im Namen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung noch einmal für diese international höchste Auszeichnung in der Wissenschaft beglückwünschen und Ihnen für Ihren Weg und Ihre Leistungen danken. Als Bundestagsabgeordneter des Kreises Düren freue ich mich aber ebenso, dass die Stadt Jülich, deren Bürger Sie schon seit langem sind, Ihre besonderen Verdienste mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts würdigt.
 

Herzlichen Glückwunsch und alles Gute.