Meine Rede anlässlich der Projektveranstaltung ITAS "Zukunkftchancen durch berufliche Bildung" am 9. Juni 2008 in Berlin
Datum: 09.06.2008
Meine sehr geehrte Damen und Herren,
Zukunftschancen durch berufliche Bildung ist die Überschrift meines Eingangsstatements.
Die Zukunftschancen durch die berufliche Bildung bieten sich gleich doppelt dar. Zum einen wird mit einer beruflichen Bildung für den Jugendlichen das Fundament und damit die Ausgangsbasis für seine Lebensgestaltung – für seine Zukunft gelegt. Zum anderen eröffnen sich dem ausbildenden Betrieb Zukunftschancen. Zum einen durch die Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs, zum anderen bringen Auszubildende auch immer Innovationen und damit Marktchancen in ein Unternehmen.
Das Forschungszentrum Jülich als Träger des JOBSTARTER-Projekts hat hier als erstes Forschungszentrum Deutschlands aktives Engagement in einem Ausbildungsstrukturprogramm der Bundesregierung gezeigt. Dadurch wird deutlich, dass Bildung und Ausbildung auf der einen Seite und Forschung auf der anderen Seite Themen sind, die zusammenhängen und sich ergänzen. Dabei möchte ich die eigene Ausbildungsleistung des Forschungszentrums an dieser Stelle auch noch einmal hervorheben.
Meine Damen und Herren,
Insofern sind das Thema der Ausbildungsplatzentwicklung und die Besetzung Ausbildungsplätze sowie die Netzwerkarbeit, die heute auf dieser Veranstaltung vom Projekt ITAS vorgestellt werden, immer noch von höchster Relevanz für unsere Gesellschaft, um ein Signal für die Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit unseres Ausbildungssystems zu setzen.
um allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen jungen Menschen eine wirkliche Chance zu ermöglichen, hat auch die Bundesregierung ihr Engagement noch einmal massiv verstärkt. Das Bundeskabinett hat am 9. Januar 2008 die Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung auf den Weg gebracht. Ziel dieser Qualifizierungsinitiative ist es, mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland auf allen Ebenen zu schaffen. Bildungsgerechtigkeit heißt: Mehr Chancen auf Bildung durch bessere Qualität der Bildung auf allen Ebenen, mehr Chancen für Menschen aus bildungsfernen Familien, mehr Chancen für Migranten, mehr Chancen auf Aufstieg unter Nutzung aller Potentiale. Weniger Bildungsabbrecher weder der Schule, der Erstausbildung noch im Studium heißt die Zielrichtung. und weniger Altbewerber auf dem Ausbildungsmarkt.
1. Die Bundesregierung wird Anstrengungen der Länder zur Halbierung der Zahl der Schulabbrecher unterstützen. Dazu werden ab 2008 u.a. folgende Maßnahmen gehören:
In Zusammenarbeit zwischen Schulen und überberuflichen Berufsbildungsstätten werden Praxisphasen für die Abgangsklassen, vor allem von Hauptschulen angeboten;
● mit Förderung der Bundesagentur für Arbeit werden modellhaft Schulunterricht und Berufspraxis in sogenannten „Praxisklassen“ intensiver verknüpft, damit sich lernschwächere junge Menschen frühzeitiger an einer künftigen Ausbildung orientieren können;
● etwa 1.500 sog. „harte Schulverweigerer“ werden in den Schulen wieder eingegliedert; dazu dient die Förderung von bundesweit 73 Projekten;
● der Einsatz von hauptberuflichen Berufseinstiegsbegleitern und von ehrenamtlichen Ausbildungspaten, die Jugendliche auf dem Weg zum Schulabschluss und in einer Ausbildung unterstützen, wird gefördert.
2. Die Bundesregierung wird die Schaffung von 100.000 zusätzlichen Ausbildungsplätzen für Altbewerber bis 2010 unterstützen. Dafür wird ab 2008 ein Ausbildungsbonus für Betriebe eingeführt, die mit besonders förderungsbedürftigen Altbewerbern einen Ausbildungsvertrag abschließen. Je nach Höhe der jeweiligen Ausbildungsvergütung beträgt der Bonus zwischen 4.000 und 6.000 Euro. Außerdem werden sozialpädagogische Hilfen ausgebaut, die Betriebe dabei unterstützen, Jugendliche mit Ausbildungsproblemen zum Abschluss zu führen.
3. Im Rahmen der neuen Förderinitiative „Perspektive Berufsabschluss“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werden junge Erwachsene ohne Berufsabschluss beim Nachholen von Berufsabschlüssen unterstützt.
4. Die Bundesregierung wird in 2008 ein Aufstiegsstipendium einführen. Absolventinnen und Absolventen der beruflichen Bildung und Berufstätige, die über berufliche Qualifikationen eine Hochschulzugangsberechtigung erworben haben, können sich dafür bewerben. Ziel ist die finanzielle Unterstützung beruflich besonders Begabter, die ein Studium aufnehmen wollen.
Bildung, Ausbildung und Weiterbildung sind in Deutschland traditionell nicht allein Sache der Bundesregierung. Hier sind insbesondere auch die Länder und die Wirtschaft in der Pflicht. Die Verantwortlichkeiten müssen klar definiert werden, damit auch jeder weiß, wo er handeln muss. Die ist im Rahmen des Ausbildungspaktes gelungen. Mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft wurde daher der Ausbildungspakt bis zum Jahr 2010 verlängert. Die Wirtschaft hat jährlich 60.000 neue Ausbildungsplätze und 40.000 Plätze für betriebliche Einstiegsqualifizierungen zugesagt. Mit den Regierungschefs der Länder wurde außerdem am 19. Dezember vereinbart, die Maßnahmen und Initiativen von Bund und Ländern zu einer gemeinsamen Qualifizierungsinitiative zusammen zu führen. Diese Qualifizierungsinitiative für Deutschland soll im Herbst 2008 bei einem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder verabschiedet werden.
Dieses ist ein ganz starkes Signal. Denn es zeigt, den gemeinsamen Willen, dass die mittel- und langfristige Sicherung des Fachkräftebedarfs eine prioritäre Herausforderung für die Zukunft von Wachstum und Beschäftigung in Deutschland darstellt.
Mit dem Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER möchte das Bundesministerium für Bildung und Forschung nicht nur einen Beitrag zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze leistet, sondern auch eine strukturelle Innovation befördert. Das im Jahr 2006 gestartete und für eine Laufzeit von fünf Jahren mit insgesamt 125 Millionen Euro ausgestatte Programm ist auf große Resonanz gestoßen. Insgesamt laufen derzeit 182 JOBSTARTER-Projekte. Bisher konnten von den JOBSTARTER-Projekten 16.387 Ausbildungsplätze akquiriert werden. Von den Projekten besetzt werden konnten bisher 10.540 Ausbildungsplätze. Die Besetzungsquote liegt im Durchschnitt bei 64 %. Das macht deutlich, dass auch in den letzten Jahren, da es mehr Bewerber gab als Ausbildungsplätze, es nicht Trivial ist dafür auch den geeigneten Bewerber zu finden.
Ich freue mich, dass es allein in Nordrhein-Westfalen 33 aktive JOBSTARTER-Projekte gibt. In NRW wurden von den Projekten der ersten beiden Förderrunden rund 2.700 zusätzliche Ausbildungsplätze akquiriert und besetzt. Die Besetzung der freien Ausbildungsplätze ist dabei ein ganz wesentlicher Aspekt, der an Bedeutung zunimmt. Nur ein besetzter Ausbildungsplatz ist ein guter Ausbildungsplatz.
Das ist und bleibt ein besonderer Schwerpunkt auch für die Region Aachen. Die Ausbildungssituation in Aachen zeigt zwar nach Angaben der Agentur für Arbeit vom 30. März 2008 eine Verbesserung auf: Im Zeitraum vom 1. Oktober 2007 bis zum 30. März 2008 wurden mit 3.392 Ausbildungsstellen 99 oder 3,0 Prozent mehr registriert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dennoch dürfen diese Zahlen nicht zu der Annahme verleiten, der Ausbildungsmarkt befinde sich vollständig im Gleichgewicht So kommen rechnerisch im Kreis Aachen und im Kreis Heinsberg auf eine gemeldete Ausbildungsstelle 1,4 Bewerber. Ein Ungleichgewicht gibt es auch bei vielen Ausbildungsberufen. So übersteigt die Zahl der noch suchenden Bewerber die Zahl der offenen Ausbildungsstellen etwa bei den Ausbildungsberufen „Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel“, „Tischler/Tischlerin“, oder „Medizinische Fachangestellte“. Umgekehrt ist es für die Betriebe schwierig, genug Nachwuchskräfte in den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen zu finden.
Regionale Branchen-Konzepte sollen darauf ausgerichtet sein, aus der Praxis heraus für die Praxis geeignete Lösungsansätze für KMU-orientierte Berufsausbildung zu definieren. KMU sollen von der Notwendigkeit der Ausbildung und den Möglichkeiten der Wertschöpfung des eigenen Fachkräftenachwuchses überzeugt werden und Multiplikatoreffekte in der Verbundausbildung mit dem Fokus der Netzwerkbildung und Regionalentwicklung verbunden werden.
Das sind mit Hinblick auf die gerade genannten Daten auch Herausforderungen für die Region Aachen und natürlich auch für das JOBSTARTER-Projekt ITAS des Forschungszentrums Jülich und des Kooperationspartners VESBE e.V.
Meine Damen und Herren,
eine besonders gute Botschaft des JOBSTARTER-Projekts ITAS möchte ich hier nennen:
Das Ziel des Projekts, das auf der Auftaktveranstaltung vor einem Jahr vorgestellt wurde, lautete: 60 zusätzliche Ausbildungsplätze, davon 10 Verbundausbildungsplätze, im Kammerbezirk Aachen zu schaffen. Der Schwerpunkt hierbei sollte auf der Akquise von Ausbildungsplätzen bei klein- und mittelständischen Unternehmen der Automobil- und Schienentechnik und der Informations- und Kommunikationstechnologien liegen. Diese Branchen haben in den letzten Jahren einen Aufschwung verbunden mit zahlreichen Firmenneugründungen erfahren. Die Region Aachen ist gleichzeitig bekannt für zukunftsträchtige Technologiefelder und zählt zu den führenden Technologieregionen. Das beeindruckende Ergebnis ist, dass dieses Ziel bereits nach etwas mehr als der Hälfte der Projektlaufzeit erreicht wurde: es sind bisher von dem Projektteam ITAS 65 Stellen akquiriert und davon 38 besetzt worden, d. h. die Zielsetzung in Bezug auf die zu akquirierenden Plätze ist bereits übertroffen! Auch die Anzahl von Verbundausbildungsplätzen ist schon übertroffen, sie liegt bei 13 Plätzen.
Kein junger Mensch darf zurück gelassen werden. Deshalb fördern wir Ausbildung statt Warteschleifen, beugen Arbeitslosigkeit vor und aktivieren zusätzliche Lehrstellen. Das ist bildungspolitisch zielführend, wirtschaftspolitisch vernünftig und sozialpolitisch nachhaltig. Gute Ausbildung ist die beste Arbeitslosenversicherung.

