Meine Rede anlässlich der Einweihung des Supercomputers JUGENE (Jülicher Blue Gene) im FZ Jülich am 22. Februar 2008
Datum: 22.02.2008
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Dr. Rüttgers,
sehr geehrter Professor Bachem,
meine verehrten Damen und Herren,
heute ist ein wichtiger Tag. Denn wir starten hier im Forschungszentrum Jülich den derzeit weltweit leistungsstärksten, ausschließlich zivil genutzten Rechner der Welt!
Dies ist nur möglich, durch die gemeinsame Unterstützung und Finanzierung durch die Bundesregierung und die NRW-Landesregierung. Die heutige Anwesenheit des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zeigt, welche Bedeutung auch die Landesregierung diesem Supercomputing in Jülich beimisst. Volle Unterstützung gibt auch die Bundesregierung: Das Bundesforschungsministerium finanziert mit mehr als 13 Millionen Euro den überwiegenden Teil der Kosten für JUGENE! Denn Deutschland soll eine führende Rolle beim Supercomputing spielen.
Die Leistungsdaten von JUGENE sind beeindruckend:
über 65.000 Prozessoren, fast 170 Teraflops Rechenleistung. D.h. dieser Rechner ist über viermal schneller als sein Vorgänger JUBL (ebenfalls am Forschungszentrum Jülich und bisher der mit Abstand schnellste deutsche Rechner) und fast dreimal so schnell wie der bisher schnellste europäische Rechner in Spanien.
Heutzutage sind Höchstleistungsrechner nicht mehr nur in Nischen der Wissenschaft von Bedeutung. Enorme und beständig wachsende Computerleistung ist längst Voraussetzung für Spitzenforschung in zahlreichen Bereichen. Das deutsche Gauß-Centrum für Supercomputing – unter anderem am Standort Jülich – bietet der Wissenschaft daher in Zukunft beeindruckende Möglichkeiten in einem weiten Anwendungspektrum.
Neben Theorie und Experiment ist die Simulation komplexer Vorgänge „zur dritten Säule“ in Forschung und Entwicklung geworden. Simulation ist deshalb inzwischen Voraussetzung für das erfolgreiche Bestehen im internationalen Wettbewerb.
Dabei gilt: Je leistungsfähiger der für die Berechnung solcher Simulationen zur Verfügung stehende Höchstleistungsrechner ist, desto
besser, d.h. schneller, detailliert und aussagekräftiger ist die Simulation. Daraus ergibt sich in der modernen Wissenschaft der entscheidende Wissensvorsprung und für innovative Wirtschaftsbereiche der entscheidende Wettbewerbsvorteil. So können wir der Herausforderung begegnen, mit innovativen Produkten schnell und flexibel am Markt zu sein. Nur so können
Innovationen gelingen, die weitere Arbeitsplätze schaffen.
Simulation ist für mehrere zentrale Forschungsbereiche wichtig, zum Beispiel:
- Klimaforschung: Leistungsfähigere Höchstleistungsrechner ermöglichen genauere Modelle zur Berechnung der globalen Klimaveränderung, und eine regionale Wettervorhersage, die noch mehr Tage vorausschaut.
- Medizinische Forschung und Arzneimittelentwicklung: Simulationen verringern den Bedarf an Versuchsreihen erheblich, was einerseits weniger Tierversuche bedeuten kann und andererseits einen Zeitvorsprung bei der Entwicklung neuer Medikamente.
- Teilchen- und Hochenergiephysik: Erst Höchstleistungsrechner ermöglichen die Auswertung der umfangreichen Datenmengen und tragen damit zu unserem Verständis bei, was die kleinsten Bausteine der Materie sind.
- Energietechnik und Plasmaphysik: Mit Hilfe von Supercomputern entwickelte bessere Materialien und Werkstoffe werden zukünftige Energietechniken umweltfreundlicher und günstiger machen sowie unsere Versorgung sichern.
- Fahrzeugbau: In der Automobilindustrie, im Flugzeugbau und im Schiffbau lassen sich durch virtuelle Prototypen und Simulationen z. B. von Verschleiß und Unfällen erhebliche Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten erzielen.
Die aufgrund der rasanten technischen Entwicklung ständig erforderliche Neuanschaffung immer leistungsfähigerer Höchstleistungsrechner wird aber durch den finanziellen Spielraum der Beteiligten begrenzt. Das BMBF hat auch aus diesem Grund früh darauf gedrängt, dass an die Stelle der früheren Konkurrenzsituation der Zentren bei diesen Neuanschaffungen eine konstruktive Zusammenarbeit treten muss. Wir haben deshalb gemeinsam mit den Beteiligten Konzepte entwickelt, wie die Strukturen in Deutschland und in Europa den genannten Rahmenbedingungen optimal angepasst werden können.
Darauf basierend haben die drei deutschen Höchstleistungsrechenzentren in Jülich, München und Stuttgart im Februar 2007 die Gründung des Gauß-Centrums für Supercomputing vereinbart, dessen derzeitiger Sprecher Sie, Herr Professor Bachem, sind.
Mit der Gründung des Gauß-Centrums in Deutschland wurde die Grundlage geschaffen für ein erfolgreiches gemeinsames Auftreten in Europa mit dem Ziel, ein weltweit führendes Europäisches Supercomputerzentrum an verteilten Standorten aufzubauen.
Durch die Gründung von PRACE (Partnership for Advanced Computing in Europe), dem Konsortium von Supercomputerzentren aus 14 europäischen Staaten, wurde eine konstruktive gemeinsame Initiative begonnen. Durch sie soll die auch in Europa zwischen einzelnen Ländern bestehende Konkurrenzsituation überwunden werden. Die Unterzeichnung der Vereinbarung für diese Zusammenarbeit ist erfreulicherweise während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft erfolgt.
Die in PRACE vereinbarten Strukturen zur Zusammenarbeit wiederum können für uns in Deutschland Vorbild sein, wie die Erweiterung des Gauß-Centrums um weitere große, deutsche Hochleistungsrechenzentren zur „Gauß-Allianz für Supercomputing“ erfolgreich gestalten werden kann.
Meine Damen und Herren,
wir werden auch weiterhin die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Deutschland im europäischen „SupercomputerÖkosystem“ die führende Rolle spielt.
Das BMBF finanziert z. B. heute einen erheblichen Teil der Kosten von JUGENE. -Dieses Geld ist gut angelegt und ich freue mich mit allen Partnern im Laufe des Jahres weitere Weichen zu stellen, um dieses wertvolle Werkzeug für Deutschland und Europa nutzbar zu machen.
Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg mit JUGENE!

