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Eröffnungrede der Ausstellung "Maß, Zahl und Gewicht. Meisterwerke der Sammlung Architektur der Kunstbibliothek"


Datum: 03.07.2008

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich als Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, heute hier in Berlin gemeinsam mit Ihnen die Eröffnung der Ausstellung „Maß, Zahl und Gewicht – Meisterwerke der Sammlung Architektur der Kunstbibliothek“ zu feiern.

Gleich vorab: Die Ausstellung bietet erhellende Einblicke in die Welt der Kunst und Mathematik. Damit verbindet sie zwei Welten, die nur auf den ersten Blick nicht viel gemein zu haben scheint. Und zeigt so die Intention der Wissenschaftsjahre auf. Denn auch im Mittelpunkt des aktuellen Wissenschaftsjahres mit seinem Motto „Alles, was zählt“, steht erneut das große, verbindende Leitthema aller Wissenschaftsjahre: die fundamentale gesellschaftliche Bedeutung der Wissenschaften weit über die Grenzen der Disziplinen hinaus.

Seit Jahrtausenden verändern die Wissenschaften die Welt und unsere Wahrnehmung von ihr. Dies geschieht in einem fast automatischen Prozess, der zu komplex ist, als dass wir uns in unserer alltäglichen Wahrnehmung darüber ständig bewusst wären. Mit ihren unterschiedlichen Themensetzungen heben die Wissenschaftsjahre diese elementaren Vorgänge in unser Bewusstsein. Sie zeigen, wie wichtig und faszinierend die Umwandlung von Forschungswissen in gesamtgesellschaftliches Orientierungswissen ist. Es geht um Bildung als aktiven Prozess – und die Ermöglichung genau dieses Prozesses ist eine der zentralen Aufgaben der demokratischen Bildungspolitik.

Museen und Bibliotheken haben in diesem Geschehen eine zentrale Funktion. In ihren Quellenschätzen, Meisterwerken, Archivalien und Lebenszeugnissen ist die epochenübergreifende Breiten- und Tiefenwirkung der Wissenschaften auf alle Bereiche der Menschheitskultur wie in einem allumfassenden Gedächtnis aufgezeichnet. Darüber hinaus leisten diese Institutionen auch selbst einen entscheidenden Beitrag für die Umwandlung von Wissenschaft in Bildung: Auf einer ersten Ebene erzeugen sie durch die Systematisierung und inhaltliche Erschließung ihrer Bestände umfangreiches Spezialwissen für unterschiedlichste geistes- und naturwissenschaftliche Disziplinen. Auf einer zweiten Ebene entwickeln sie immer neue Formen der öffentlichen Vermittlung dieses Wissens in Ausstellungen, Veranstaltungsreihen, Studientagen, Besucherakademien und „Langen Nächten“.

Die Museen und Bibliotheken von heute sind alles andere als „museal“. Im Gegenteil, für die Integration von Bildung und Forschung leisten sie Tag für Tag bewundernswerte Pionierarbeit. Mit der Ausstellung „Maß, Zahl, Gewicht“ ist dies beispielhaft gelungen. Uns erwartet ein neues Bild dieser so facettenreichen Wissenschaft Mathematik und viele Augen öffnende Zusammenhänge zwischen Kunst und Mathematik.

Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, die sowohl eine Bibliothek als auch ein international renommiertes Museum ist, spielt dabei eine vorbildliche Rolle. Bereits im Wissenschaftsjahr 2007 – Jahr der Geisteswissenschaften, als „Das ABC der Menschheit“ das zentrale Thema war, hat die Kunstbibliothek mit der Ausstellung „Das abc der Bilder“ in herausragender Weise mitgewirkt. Mehr als 100.000 Besucher aus aller Welt sahen diese Ausstellung,

Und der Erfolg war ein Ansporn für das BMBF, die Kunstbibliothek auch in das Jahr der Mathematik mit einzubeziehen. Ihre reichen Sammlungsbestände zur Geschichte der Architektur sind ideal für die Erforschung der Kultur prägenden und -schaffenden Kraft der Mathematik in den großen Epochen der Baukunst.

In der Ausstellung „Maß, Zahl und Gewicht“ werden die Mathematik, ihre Geschichte und deren Erforschung auf faszinierende Weise lebendig. Diese Faszination soll die produktive Neugier wecken – sowohl auf das Potenzial der Museen, als auch auf die Wissenschaft Mathematik. Denn mit der Neugier beginnt alle Wissenschaft, und gerade auf den Anfang kommt es an. Er ist – nicht nur in der Mathematik – „alles, was zählt“.

Die Ausstellung „Maß, Zahl und Gewicht“ wird in den kommenden Monaten zahlreiche Möglichkeiten bieten, Mathematik neu zu entdecken. Es freut mich dabei außerordentlich, dass hier viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit haben werden, Mathematik aus einer neuen ungewohnten Perspektive zu erleben. Die Ausstellung ist somit ein wichtiger Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2008.

Dass das Wissenschaftsjahr 2008 im Zeichen der Mathematik steht, hat seinen guten Grund: Diese Disziplin ist eine der Schlüsselwissenschaften für die Zukunft unseres Landes. Mathematik hat einen hohen Stellenwert und ist von zentraler Bedeutung für Innovationen in Medizintechnik und Automobilbau, in der Telekommunikation, der Finanzwelt und in vielen anderen Branchen. Hightech Technologie ist mathematische Technologie. Von daher hängt das Gelingen unserer Hightech Strategie auch wesentlich davon ab, wie unser Land in der Disziplin Mathematik aufgestellt ist.

In den unterschiedlichsten Bereichen zeigt sich die Leistungsfähigkeit der Mathematik. Diese Leistungsfähigkeit wollen wir erhalten und stärken. Hierfür brauchen wir mathematisch interessierten Nachwuchs. Deshalb sprechen wir im Jahr der Mathematik vorrangig Kinder und Jugendliche an und wollen Mathematik greifbar machen. Es ist unser erklärtes Ziel, jungen Menschen nahe zu bringen, wie Mathematik sein kann: aufregend und bestechend schön. Gerade dies versinnbildlicht „Maß, Zahl und Gewicht“.

Obwohl das Jahr der Mathematik noch verhältnismäßig jung ist, kann es auf dem Weg dorthin bereits auf beachtliche Erfolge zurückblicken und eine große Resonanz, gerade bei jungen Leuten, verzeichnen:

·                    Zum Känguru-Wettbewerb, einem Wettbewerb der Spaß an Mathematik vermittelt, haben sich in diesem Jahr 750.000 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Das sind ca. 170.000 mehr als im Rekordjahr 2007.

·                    In unserem Ideenwettbewerb „Mathe erleben“ haben wir spannende Projekte prämiert, die für Kinder und Jugendliche Mathematik erlebbar machen. Neben diesem Wettbewerb ist der Hochschulwettbewerb „Kopf und Zahl“ gestartet, der eine spannende Verbindung zwischen dem Jahr der Mathematik und dem Wissenschaftsjahr 2007, dem Jahr der Geisterwissenschaften, schafft.

·                    Seit dem offiziellen Auftakt am 23. Januar haben sich bereits über 600 Mathemacher registriert. Als Botschafter der Mathematik helfen sie, Interesse für diese Wissenschaft zu wecken.

·                    Unser Partner Deutsche Telekom Stiftung fördert den Mathekoffer, der seit März für Lehrer als weiteres Instrument bereit steht, den Unterricht spannender und greifbarer zu gestalten.

·                    Zudem konnte das diesjährige Wissenschaftsjahr bis heute mehr als 150 Partner gewinnen.

·                    Außerdem können wir uns über ein enormes mediales Interesse freuen. Dank Zeitungen und Zeitschriften konnten Themen rund um die Mathematik bereits mehr als hundert Millionen Menschen erreichen. Und auch im Fernsehen und im Radio hat das Jahr der Mathematik schon ein bemerkenswertes Echo erzeugt.

All diese Erfolge tragen dazu bei, Mathematik in der Öffentlichkeit als spannende Wissenschaft und Schlüsselkompetenz für Zukunftsberufe zu präsentieren.

Und: Mathematik spielt auch in unser aller Alltag eine große Rolle. Sie umgibt uns täglich und begleitet unser Leben – auch wenn sie dabei oftmals unbemerkt bleibt. Ihre grundlegenden Erkenntnisse und Methoden sind es, die den MP3-Player oder das Navigationsgerät im Auto funktionieren lassen. Und auch für die Verkehrsplanung, die Wetterprognose oder Entwicklungen wie das deutsch-indonesische Tsunami-Frühwarnsystem ist Mathematik unverzichtbar.

Das Wissenschaftsjahr 2008 hilft dabei, dies sichtbar und verständlich zu machen – damit Menschen jeden Alters die Mathematik nicht mehr nur als gefürchtetes Schulfach, sondern als spannende Wissenschaft mit erkennbarem Alltagsbezug sehen. Denn tatsächlich ist Mathematik ein wichtiger Teil unserer Lebenswelt.

Meine Damen und Herren,

die Ausstellung „Maß, Zahl und Gewicht“ wird das Jahr der Mathematik um eine weitere spannende Facette bereichern und Augen öffnen für die Schönheit der Mathematik und für die Verbindung zwischen Mathematik und Kunst.

Ich freue mich über die Anregungen, die diese Ausstellung mit ihrer Bandbreite geben kann. Und ich möchte all jenen danken, die dazu beigetragen haben!

Sie sehen, bis Ende September wird es in der Hauptstadt zum Thema Mathematik und Kunst viel zu sehen geben. Ich kann Sie nur ermuntern, auf Streifzug durch die Ausstellung zu gehen.

Nutzen Sie die Gelegenheit, Mathematik aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Ich bin mir sicher: Es lohnt sich! 

Ich wünsche allen Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung neue Erkenntnisse und viel Vergnügen.