Zur Diskussion über das Verbot der Sterbehilfe

05.12.2012

Mein Redetext vor dem Hintergrund der heutigen Diskussion über das Verbot der Sterbehilfe auf dem 25. Parteitag der CDU Deutschlands in Hannover:

„Meine sehr geehrten Damen und Herren,

als CDU Deutschlands ist für uns klar und unumstößlich: die Würde des Menschen ist vom Anfang bis zum Ende des Lebens zu schützen und zu bewahren.

Am Ende des Lebens kommt es daher vor allem darauf an, Sterbende

- dem christlichen Menschenbild entsprechend -  zu begleiten: und zwar durch menschliche Nähe, durch Zuwendung und Ansprache,  mit der besten medizinischen und palliativ-medizinischen Versorgung und insbesondere durch den intensiven Ausbau von Hospizen.

Das ist es, was Menschen am Ende ihres Lebens wirklich brauchen!

 

II.

Doch auch in unserer Gesellschaft nimmt der Ruf nach Sterbehilfe und der Beihilfe zum Suizid bedenklich zu: Sterbehilfeorganisationen nutzen dies aus und machen Geschäfte mit dem Leiden, den Ängsten und Nöten der Betroffenen.

Und deshalb ist es ein ganz entscheidender Schritt, dass die CDU/CSU geführte Bundesregierung jetzt zum allerersten Mal ein klares und unmissverständliches Verbot jeglicher gewerblicher Sterbehilfe auf den Weg gebracht hat.

Als Union schieben wir damit all denen einen Riegel vor, die auf dem Rücken Sterbender und Schwerstleidender   menschenverachtende Geschäfte betreiben wollen.

 

III.

Zusammen mit den Kirchen betonen wir deshalb als CDU Deutschlands, dass es darum geht, Menschen in Grenzsituationen ihres Lebens zum Leben zu ermutigen, zu unterstützen und - wenn möglich - auch von der Selbsttötung abzuhalten.

Deshalb macht es Sinn, in Zukunft auch darüber nachzudenken, ob das Verbot der kommerziellen Sterbehilfe auch auf organisierte Formen der Sterbehilfe erweitert werden sollte.

Hier ist eine weitere Diskussion sinnvoll. Aber auch sie muss juristisch und ethisch in differenzierter Weise erfolgen. Klar wird hierbei auch sein müssen, dass es dennoch Menschen in extremen Not- und Ausnahmesituationen gibt.

Ich zitiere aus der Erklärung des Rates der EKD zur aktuellen Debatte über die Beihilfe zur Selbsttötung: ‚Zwar wird die Beihilfe grundsätzlich abgelehnt. Es wird aber anerkannt: In Grenzerfahrungen des menschlichen Lebens, in Situationen schweren Leidens können Betroffene und Angehörige in tiefe Gewissenskonflikte und Grenzfälle geraten. Aus evangelischer Sicht ist zu respektieren, wenn Menschen in solch existentiellen Lebenslagen Beihilfe zum Suizid leisten und persönlich verantworten.’

 

IV.

Deshalb plädiere ich im Namen des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU für die Empfehlung der Antragskommission.

„Gott ist ein Freund des Lebens.“ - Als Christdemokraten setzen wir uns ein für eine Kultur des Lebens und nicht des Todes ein. Deshalb stehen wir für die Stärkung von Palliativmedizin und Hospizwesen.

Oder mit den Worten von Altbundespräsident Horst Köhler: „Nicht durch die Hand eines anderen sollen die Menschen sterben, sondern an der Hand eines anderen".

Das ist unser christdemokratisches Anliegen.

Vielen Dank.“