„Wer den Himmel konsequent ausblendet, für den kann die Erde über kurz oder lang nur noch zur Hölle werden”

08.07.2014

Im Rahmen der 19. Internationalen Berliner Begegnungen sprach sich der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK), Thomas Rachel (MdB), ganz klar für religiöse Verantwortung in der Politik aus. In seiner Eröffnungsrede begrüßte er hochrangige internationale Politiker und Exzellenzen. Seine Rede orientierte sich an der Frage, ob es möglich sei, die Bergpredigt Jesu als Leitfaden für die Politik zu nehmen. Die Bergpredigt gilt als eine der berühmtesten Passagen der Bibel und war schon in den achtziger Jahren, noch während des Kalten Krieges, die Basis lebhafter Debatten unter den Gelehrten.

„Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen“, steht dort geschrieben. Doch: „Was bedeutet es ganz konkret ein Friedensstifter zu sein? Ist nur derjenige ein Friedensstifter, der […] radikal den Weg des lupenreinen Pazifismus geht? Oder macht sich nicht auch der Pazifist schuldig, wenn er weder schützt noch eingreift wo um des Wohles und der Würde von uns Menschen geschützt und eingegriffen werden müsste?“, fasste der Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende des EAK diesen schwierigen Zusammenhang fragend zusammen. Mit dieser Frage fühlten sich nicht zuletzt die deutschen Gäste besonders an aktuelle Geschehnisse erinnert. Schließlich stand jüngst der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschlands im Zentrum der Kritik seiner geistlichen Amtskollegen, als er sich für mehr Verantwortung in der Welt durch Militäreinsätze aussprach.

Ein weiteres Beispiel kirchlicher Verantwortung und Bedeutsamkeit für die Moderne jährt sich nun zum 25. Mal. Am 9. November 1989 fiel die Mauer, die Deutschland und seine Bevölkerung 28 Jahre lang in zwei Staaten und Gesellschaften trennte. Thomas Rachel betonte, dass nicht zuletzt die evangelischen Kirchen eine tragende Rolle für die Wegebnung hin zu einem gemeinsamen Deutschland spielten. Sie schufen die Freiheitsräume in der ehemaligen DDR, ohne die die Veränderung niemals möglich gewesen wäre. Im Zentrum dieser Freiräume stand der Pfarrer Christian Führer. Er verstarb vier Tage nach der Rede von Herrn Rachel im Alter von 71 Jahren.

Zwar standen die damaligen Demonstrationen in enger Verbindung mit den Gedanken der Bergpredigt, Thomas Rachel betonte jedoch, dass es nicht die Lichterketten und friedlichen Demonstranten alleine waren, die die Revolution ermöglichten. So gab es auch damals die nicht nur latente Bedrohung, dass die Verantwortlichen der DDR auch diesen Aufstand, wie schon jenen im Jahr 1953, blutig niederschlagen lassen. Thomas Rachel mahnte deshalb sich keinen Illusionen hinzugeben: „100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten und 75 Jahre nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ist unsere Welt alles andere als eine friedvolle“. Dies sei insbesondere in der steigenden Anzahl konventioneller Kriegen zu sehen, die nicht nur vor der „europäischen Haustür“ sondern auch in Europa direkt um sich greifen.