Kirche kritisiert Sterbehilfeverein - Süddeutsche Zeitung, München 09.11.2007

13.11.2007

München – Der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU hat nach zwei Fällen
von assistiertem Suizid in der Schweiz die Sterbehilfsorganisation Dignitas
kritisiert. Mit "geradezu perfidem Einfallsreichtum” mache sich Dignitas
bestehende rechtliche Grauzonen zunutze und ziehe aus dem schweren Leid
von Menschen Profit, erklärte der  Bundesvorsitzende Thomas Rachel am
Donnerstag in Berlin. Auch der Präses der Evangelischen Kirche in Westfalen,
Alfred Buß, verurteilte kommerzielle Sterbehilfe.


Wie die Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigte, hatte die Sterbehilfeorganisation
Dignitas zwei Männern im Alter von 50 und 65 Jahren bei ihrem Freitod auf
einem Parkplatz assistiert. Die Organisation musste in den vergangenen Monaten
mehrmals den Ort für die Freitodbegleitung wechseln. Anwohner hatten
sich über die Hilfe zum Suizid in der Nachbarschaft beschwert. Dignitas assistierte
den Angaben zufolge auch Menschen beim Freitod in einem Hotel.


Ein Rechtsanwalt von Dignitas bezeichnete die Diskussion als verlogen. Nicht Dignitas sondern die Schweizer Behörden seien Schuld daran, dass die Menschen auf dem Parkplatz und nicht in einem Haus in den Tod begleitet werden mussten, denn die Behörden verweigerten der Organisation die Anmietung von Wohnungen. Auch die Deutsche Regierung stelle sich nicht dem Problem: "Warum zwingt die deutsche Bundesregierung schwerkranke Menschen, durchs ganze Bundesgebiet
zu fahren, um in der Schweiz zu sterben”, sagte der Sprecher.

Palliativmediziner Gian Domenico Borasio von der Münchner LudwigMaximilians– Universität forderte einen Ausbau der Palliativversorgung in Deutschland. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass die allermeisten Menschen, die eine gute Schmerz und Beschwerdelinderung bekommen und psychologisch betreut werden, einen einmal geäußerten Todeswunsch auch wieder zurücknehmen.” Die Bundesregierung hat mit der Gesundheitsreform den Ausbau von PalliativCareTeams beschlossen, in denen Mediziner und Psychologen Sterbende betreuen. Eine flächendeckende Versorgung gibt es aber noch nicht. (Seite 4)nvh/epd

Süddeutsche Zeitung, München, 09.11.2007

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