Die Stellung und Zukunft der theologischen Fakultäten aus politischer Perspektive

01.08.2007

Die Bedeutung der wissenschaftlichen Theologie für Kirche, Hochschule und Gesellschaft wird in den beiden nächsten Tagen in verschiedenen Beiträgen beleuchtet. Der Aspekt, dem ich mich heute zuwenden möchte, ist die Stellung und Zukunft theologischer Fakultäten aus politischer Perspektive. Mein Blick auf dieses Thema ist dabei einerseits der eines Leitungsmitglieds des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und andererseits der eines Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Meine Sichtweise muss also vorrangig eine staatlich-politische sein. Gleichzeitig aber – und das ist mir wichtig, weil es für mich auch eine Herzensangelegenheit
darstellt – ermöglichen mir meine Positionen als Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU und als Landessynodaler der Evangelischen Kirche im Rheinland natürlich tiefere Einblicke und ein besseres Verständnis für die Belange der evangelischen Kirche.

I.

Die Stellung der theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten ist entscheidend geprägt durch das Verhältnis von Staat und Kirche. Hier gelten allgemein verfassungsrechtlich das Trennungsgebot, die religiös-weltanschauliche Neutralität und der säkulare Charakter des pluralistischen Verfassungsstaates. Der Staat muss die religiös-weltanschaulichen Überzeugungen und Entscheidungen der Grundrechtsträger unparteiisch respektieren und berücksichtigen. Eine strikte Trennung und Beziehungslosigkeit von Staat und Kirche folgt aus diesen Geboten aber nicht. Theologische Fakultäten sind, wie der Religionsunterricht an staatlichen Schulen, eine gemeinsame Angelegenheit von Staat und Kirche, denn theologische Fakultäten erfüllen sowohl staatliche wie kirchliche Funktionen.

An den theologischen Fakultäten nimmt der Staat seine Kulturverantwortung (Art. 5 GG) wahr. Er bietet außerdem institutionelle Hilfe bei der Grundrechtsverwirklichung der bei uns positiv verstandenen Religionsfreiheit. Die Kirche nutzt schließlich die theologischen Fakultäten für die Entfaltung ihrer Lehre nach wissenschaftlichen Methoden sowie zur Ausbildung ihres theologischen Nachwuchses. Lassen Sie mich hierzu kurz etwas ausführen.

Evangelisch-theologische Fakultäten unterstützen zum einen die Aufgabe der evangelischen Kirche, nämlich die Verkündung des Evangeliums. Denn hier werden die christliche Lehre wissenschaftlich aufgearbeitet und der geistliche Nachwuchs ausgebildet. Mit der hohen Bedeutung, die Theologie und Kirche in unserer Geschichte, Kultur und Gesellschaft einnehmen, geht die hohe Bedeutung der theologischen Fakultäten einher. An theologischen Fakultäten erfolgt aber nicht nur die Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer. Vielmehr werden auch die Lehrerinnen und Lehrer des verfassungsrechtlich garantierten Religionsunterrichts auf ihren
Dienst vorbereitet.

Theologische Fakultäten erfüllen gleichzeitig staatliche Funktionen. Hier nimmt der Staat seine Kulturverantwortung, die auch religiöse Kultur umfasst, wahr und bietet institutionelle Hilfestellung bei der Grundrechtsverwirklichung der Religionsfreiheit. Theologische Fakultäten nehmen teil und bereichern den regen wissenschaftlichen Austausch mit philosophischen, historischen, philologischen und juristischen Nachbarwissenschaften. Der Theologie kommt bereits ein Eigenwert als traditioneller Wissenschaft zu. Die theologischen Fakultäten leisten nicht zuletzt einen wichtigen Beitrag zur religiös fundierten Sozial- und Individualethik.

Prägend für die Stellung der theologischen Fakultäten ist also nicht nur das Verhältnis zwischen Kirche und Staat, sondern auch ihre Teilnahme an der verfassungsrechtlich garantierten allgemeinen Wissenschaftsfreiheit. Ihre Forschungs- und Lehrfunktion ist dabei aus gutem Grund der Eigenverantwortlichkeit und dem Wahrheitsstreben des akademischen Forschers und Lehrers anvertraut.

Hier liegt meines Erachtens ein wesentlicher Kern- und Schlüsselpunkt in den Diskussionen um die bleibend wichtige Stellung der wissenschaftlichen Theologie an den staatlichen Fakultäten. Und dieser Punkt ist mir wichtig: Wissenschaftliche Theologie steht nicht nur historisch am Anfang des gesamten abendländischen Universitätsbetriebes – ein bedeutsames Datum, das nichtsdestotrotz oft vergessen wird.

Vielmehr ist wissenschaftliche Theologie vor allem immer auch kritische Theologie. Als kritische Theologie stellt sie einen wesentlichen und unverzichtbaren Beitrag für Kirche, Staat, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen dar. Wissenschaftliche Theologie partizipiert in notwendiger Weise an der gesamtuniversitären „Wahrheitsfrage“.

Evangelische Theologie tritt somit ein für die Freiheit des Glaubens. Sie tritt aber auch für die Vernunft selbst ein, indem sie ihr im rational-wissenschaftlichen Diskurs die letzte Perspektive auf die Gottes- und Transzendenzfrage offen- und freihält.

Es ist ein großes Erbe und ein hohes Gut, was wir da in unseren Händen halten. Wie bedeutsam gerade diese spezifisch abendländische Verbindung zwischen Vernunft und Glaube für unsere Gesellschaft ist, können wir derzeit an den weltweiten Kontroversen in manchen islamischen Ländern um die Rede Papst Benedikts XVI. in Regensburg erkennen: Christliche Theologie diskutiert in kritischer Weise verfasste Religion sowie religiös erhobene Absolutheitsansprüche jeder Art, mögen sie nun christlich, atheistisch oder muslimisch sein.

Sie ist insofern immer auch ein notwendiger ideologiekritischer Faktor im gesamtgesellschaftlichen und gesamtreligiösen Diskurs unserer Zeit. Sie schafft so nicht zuletzt kritische Distanz und Orientierung in schwierigen und religiös- bzw. weltanschaulich unübersichtlichen Zeiten.

Dies alles bedeutet auch: Die universitäre Theologie ist keinen Weisungen staatlicher oder kirchlicher Vorgesetzter unterworfen. Aus diesem Grund spielt auch im Verhältnis von theologischer Fakultät zu Religionsgemeinschaft und Staat der Kooperationsgedanke eine wichtige Rolle.

II.

Bevor ich nun auf die politisch entscheidenden Punkte komme, lassen Sie mich noch einige Worte zu zwei Veränderungen durch die staatliche Seite sagen: zur Föderalismusreform und der Umstellung der Studiengänge.

Die Reform der bundesstaatlichen Ordnung in Deutschland ist endlich beschlossene Sache. Die Neuordnung der Kompetenzen war überfällig, um die föderale Struktur durchsichtiger und effizienter zu gestalten.

Bildung und Wissenschaft müssen sich an internationalen Maßstäben messen lassen. Dem internationalen Bildungswettbewerb können wir aber nur begegnen, wenn wir auch in Deutschland mehr Wettbewerb zulassen. Ziel ist kein unerbittlicher Wettbewerb, sondern Steigerung der Motivation für Länder und Hochschulen, nach den besten Lösungen zu suchen. Die Föderalismusreform gibt das Signal, die Hochschulen aus der staatlichen Detailsteuerung zu entlassen und ihnen mehr Autonomie einzuräumen. Der Bund wird sein Hochschulrecht auf ein Minimum beschränken. Es liegt nun an den Ländern, ihren Spielraum, ihre Freiheit zu nutzen, und soviel wie möglich davon an die Hochschulen weiterzugeben. Dabei geht es um Profilbildung und Differenzierung.

In diesem Zusammenhang wird sich die Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Fakultäten und damit auch die der Theologie neu erweisen müssen. Ich bin mir sicher, dass dies der Theologie nicht zuletzt aufgrund ihrer bereits ausgeführten Unverzichtbarkeit gelingen wird. Dennoch wird dies sicherlich kein einfacher Weg sein: In Zeiten, in denen etwa wie in Berlin oder Brandenburg immer wieder politisch-ideologische Fronten gegen Kirche und Christentum bezogen werden (Religionsunterricht), ist nichts mehr selbstverständlich. In Zeiten knapper werdender Mittel und erhöhter universitärer Autonomiebestrebungen wird auch der ökonomische Konkurrenzdruck auf die einzelnen Fakultäten und Fachbereiche immer stärker. Ich sage allerdings hier ganz deutlich: All dies darf nicht dazu führen, dass der kulturstaatliche Gesamtauftrag des Grundgesetzes (Art. 5) auch und gerade in Bezug auf die Theologie in seinem Wesen beschädigt wird.

Treffend hat dies der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, ausgedrückt mit folgenden Worten: „Dieser (kulturstaatliche) Auftrag gilt nicht nur für bestimmte, etwa aus ökonomischen Gründen als vielversprechend angesehene Wissenschaften, sondern umfasst prinzipiell alle Formen von Wissenschaft und somit auch die theologische Wissenschaft mit ihren normativen Voraussetzungen und ihrem Bezug auf Kirche.“

Ein zweites entscheidendes Stichwort zum Thema Veränderungen auf staatlicher Seite will ich nennen, das viel diskutiert wird: Kernelement der aktuellen Hochschulreform ist die Einführung eines gestuften Studiensystems durch Bachelor- und Masterstudiengänge im Zuge des Bologna-Prozesses. Mit dem Bologna-Prozess werden wichtige Grundlagen für die verbesserte Nutzung des Potenzials an europäischen Hochschulen geschaffen. Eine erhöhte Mobilität von Studierenden und wissenschaftlichem Personal, die Vergleichbarkeit und Anerkennung von jeweiligen Abschlüssen werden zur Umsetzung dieses Ziels beitragen. Politisches Ziel von Bund und Ländern im Rahmen des Bologna-Prozesses ist es, bis zum Jahr 2010 alle Studiengänge auf das zweistufige Studiensystem umzustellen.

Mir selbst ist bekannt, dass die evangelische Kirche und der Evangelisch-theologische Fakultätentag der Einführung des Bachelor/ Masterstudiensystems in die theologische Fakultät mit einer gewissen Zurückhaltung gegenüberstehen. Es wird als schwierig empfunden, in einem schon nach einem dreijährigen Studium erreichten Bachelor-Abschluss eine hinreichende akademische Qualifikation für den Pfarrdienst zu sehen. In der Tat erfordert das Pfarramt das Beherrschen verschiedenster Fähigkeiten. Je unterschiedlicher und komplexer die späteren Tätigkeiten ausfallen, desto grundlegender und elementarer muss zunächst das Einüben der erforderlichen Fähigkeiten sein.

Hier gibt es sicherlich noch viele Probleme, die auch und gerade im Hinblick auf die Theologie zu lösen sind: So wird im kirchlichen Bereich angesprochen, dass eine Verschulung in Konflikt geraten könne mit der im Rahmen des Bologna-Prozesses notwendigen Einführung von Modulsystemen. Letztere dürfe beispielsweise nicht dazu führen, dass das erstrebte Ziel europaweiter studentischer Mobilität und Vergleichbarkeit der Lehrangebote in der Praxis zu kontraproduktiven Verhältnissen steigender Immobilität und größeren Inkompatibilitäten führt.

Auf der anderen Seite sind auch die Chancen des Bologna-Prozesses für die Fakultäten deutlich zu sehen. Dynamisierung, Strukturierung und Effizienzsteigerung des Studiums sind auch für die theologische Wissenschaft und somit die spätere Pfarrausbildung entscheidende Zielvorgaben. Ich finde es darum gut, dass die EKD sowie der Evangelisch-Theologische Fakultätentag hier schon seit langem einen konstruktiven Dialog führen.

Ich weiß, dass die Kirchen sich dem Bologna-Prozess nicht verschließen, wenn am jeweiligen Standort die Lehramtsstudiengänge auf die Bachelor- und Masterstruktur umgestellt werden. So bieten beispielsweise die Hochschulen in Göttingen, Lüneburg, Flensburg, Leipzig und Münster Bachelor-Abschlüsse für Religionslehrerinnen und -lehrer an. Auch für die volltheologischen Studiengänge wird ein Reformbedarf bejaht, wobei einzelne Elemente des Bologna-Prozesses, wie Modularisierung, ECTS-Punkte, ggf. Akkreditierung, aufgenommen werden sollen.

Summa summarum: Mögliches Ziel des weiteren Dialoges zwischen den Kirchen und der Kultusministerkonferenz muss es sein, besondere Regelungen für die theologischen Studiengänge im Rahmen der ländergemeinsamen Strukturvorgaben zu vereinbaren.

III.

Hochschulpolitisch habe ich damit aus meiner Perspektive als Parlamentarischer Staatssekretär des BMBF wichtige Punkte angesprochen. Wenn Sie aber nach Stellung und Zukunft der theologischen Fakultäten aus politischer Perspektive fragen, dann haben Sie das sicher umfassender gemeint. Einige Herausforderungen möchte ich ansprechen, die in meinen Augen deutlich machen, warum theologische Fakultäten und die evangelische Theologie an staatlichen Hochschulen notwendig sind und auch in Zukunft bleiben werden:

1. Die wachsenden mit dem gesamtstaatlichen Kulturauftrag verbundenen Herausforderungen, d.h. die Orientierungsleistung für eine moderne Gesellschaft, die zugleich in ihrer eigenen Kultur, Religion und Geschichte tief verwurzelt ist,

2. die gestiegenen Herausforderungen durch den intensivierten Dialog der Religionen/Weltanschauungen sowie die immer bedeutsamer werdenden ökumenischen Perspektiven (Globalisierung),

3. die Herausforderungen durch Phänomene der Säkularisierung und laizistischer Tendenzen und

4. die Herausforderungen durch politische und ethische Zukunftsfragen.

Der 11. September 2001, der sich nun zum 5. Mal gejährt hat, ist ein Schock für die westliche Welt gewesen. In Deutschland haben wir den Ernst der Lage vielleicht erst vor wenigen Wochen erkannt, als beinahe in zwei Regionalzügen im Rheinland Bomben hochgegangen wären. Die Bedrohung Deutschlands durch Islamisten wird noch steigen. Vielfach sind die Ursachen dieser Art von Terrorismus, der fälschlicherweise als „clash of civilisations“ bezeichnet wird, besprochen worden, und trotzdem werden bei Bürgerinnen und Bürger immer wieder Islam und Islamismus miteinander verwechselt. Die alltägliche „Rasterwahrnehmung“ eines jeden von uns wird sicher steigen.

Die Integrationsbemühungen der Bundesregierung sind deshalb notwendiger denn je, in einem knappen Jahr wollen wir den Nationalen Integrationsplan vorlegen und werden deutlich machen, wie wir gemeinsam mit den Ländern und allen Akteuren an einem Strang ziehen.

Elementar ist hier nun, wie wir sowohl die konkreten religiös-kulturellen Fragen des Miteinanders – und das meine ich innen- wie außenpolitisch – als auch die theologisch-weltanschaulichen Dialogdimensionen miteinander in einen gedeihlichen gesamtgesellschaftlichen Diskurs einbringen können.

Hierfür sei nochmals auf die große Bedeutung der theologischen Wissenschaft an den Fakultäten der staatlichen Universitäten hingewiesen. Um auch den friedlichen und rationalen interreligiösen Dialog in unserem Land befördern zu können, bedarf es mehr denn je einer kritischen wissenschaftlichen Theologie.

Für die Muslime gilt vermutlich stärker als für unseren westlichen Kulturraum, dass man sich nicht verstehen wird, wenn kein Verständnis für Religion vorhanden ist. Die Kompetenzen zum interreligiösen Dialog, die Fähigkeit zur ehrlichen Auseinandersetzung bei Wahrung der Würde des Anderen sowie die Vermittlung des Wissens um die Zusammengehörigkeit von Glaube und Vernunft sind zentrale Aufgaben unserer theologischen Fakultäten. Ich möchte Sie bitten, einer zunehmend religiös nicht-sprachfähigen Gesellschaft deutlich zu machen, wie sie selbst dialogfähig werden kann.

Damit bin ich bei meinem nächsten Punkt. In trauriger Einzigartigkeit ist Ostdeutschland zusammen mit Tschechien ein weißer Fleck auf der religiösen Landkarte Europas bzw. wenn man von China absieht, der ganzen Welt. Die Säkularisierung ist soweit fortgeschritten, dass oftmals sogar das elementarste kulturell-religiöse Wissen fehlt. Das Christentum erscheint dann fast gleichrangig zum Götterglauben des alten Rom oder Griechenland. In dieser Situation sind wir als Christinnen und Christen mehr denn je in unserer Sprachfähigkeit gefragt. Wissenschaftliche Theologie ist ein Beitrag zur Gewinnung dieser Sprachfähigkeit.

Wir müssen als Christinnen und Christen neue Worte der Verkündigung und des Rechenschaftgebens über unseren Glauben finden. Auch hier haben theologische Fakultäten einen wichtigen Auftrag: für das Christentum selbst, darüber hinaus aber auch für die gesamte Gesellschaft, von der ich mir als Politiker erhoffe, dass in ihr Religion eine lebendige Rolle spielt.

Das sage ich nun ausdrücklich nicht, weil die Kirchen auch immer gute soziale oder diakonische Dienste leisten, sondern weil ich vor allem davon überzeugt bin, dass starke Überzeugungen und Werterfahrungen für unser Gemeinwesen wichtig sind. Die religiösen Gemeinschaften, insbesondere die Kirchen, sind dabei ein Rahmen, in dem solche Prägung geschieht. Durch die akademische Theologie werden immer wieder Menschen ausgebildet, die anderen zu einer Sprachfähigkeit über ihr eigenes Wert- und Weltverständnis, ihre Erfahrungen ermöglichen und die sie zu Selbstreflexion und Diskurs befähigen. Hebammen an der Sprache, wenn man so will! Nur so können auch erst die weiterhin tragenden und Freiheit, Demokratie, Toleranz, Solidarität, Recht und Gerechtigkeit befördernden Werte unseres Grundgesetzes immer wieder nachwachsen.

Gerade die Politik braucht in schwierigen politischen Abwägungsprozessen die theologischen Stimmen. Gerade als evangelischer Christ lege ich hier Wert auf den Plural, denn zur Meinungsbildung gehört es elementar dazu, verschiedene Positionen zu durchdenken und auf der Basis des eigenen Glaubens zu reflektieren.

All dies sind Herausforderungen, die in meinen Augen zugleich gute Gründe für die Daseinsberechtigung, ja die Notwendigkeit von theologischen Fakultäten darstellen. Ich hoffe, dass dies in Zukunft analog auch für die muslimischen Glaubensgemeinschaften gelten kann. Denn nur so wird unsere Gesellschaft zugleich religiös und vernunftorientiert bleiben, wird sie religiöse und weltanschauliche Pluralität aushalten und sie sogar zum Segen werden lassen können.

(RACHEL, THOMAS: Die Stellung und Zukunft der theologischen Fakultäten aus politischer Perspektive in: KIRCHENAMT DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND (Hg.): Die Bedeutung der wissenschaftlichen Theologie für Kirche, Hochschule und Gesellschaft (EKD - Texte 90), Hannover 2007, S. 29-35.)