Bericht der Bundesregierung zum Deutschlandstipendium über die Ergebnisse der Evaluations nach § 15 des Stipendienprogramm-Gesetzes und der Begleitforschung

13.05.2016

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Sehr geehrter Herr Präsident!

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Unser Land braucht mehr denn je junge Menschen, die mit ihrem Fachwissen und innovativen Ideen den Wandel ge-stalten und sich für den Zusammenhalt unserer Gesell-schaft einsetzen. Um solche Persönlichkeiten frühzeitig auf ihrem Weg zu unterstützen und ihre Leistungen anzuer-kennen, fördern wir sie seit fünf Jahren mit dem Deutsch-landstipendium. Im Jahr 2014 haben allein 22.500 Deutsch-landstipendiatinnen und –stipendiaten davon profitiert.  Das sind 22.500 junge Menschen mit ihren Begabungen, mit ihren Träumen und Projekten.

So wie zum Beispiel die junge Syrerin Samaa Hijazi, die an der Charité Medizin studiert und deren Deutschlandstipen-dium von der Stiftung Charité gefördert wird. Sie hat früh mit einem Stipendium des Goethe-Instituts mit dem Deutschlernen begonnen und sich erfolgreich auf einen Medizin-Studienplatz an der Charité beworben. Über ihre Erfahrungen auf dem Weg aus dem zerstörten Syrien über Amman nach Deutschland hat sie ein Buch geschrieben.

Warum spreche ich so ausführlich über die Geschichte dieser Medizinstudentin? Ich finde, wir sollten uns bewusst machen, wie viele Stipendiatinnen und Stipendiaten es gibt, für die das Deutschlandstipendium einen entschei-denden Unterschied bei ihrer Studienfinanzierung aus-macht.

Mit einer Evaluation haben wir untersucht, ob an allen Hochschulstandorten ausreichend private Mittel eingewor-ben werden können oder ob Ausgleichsmaßnahmen zu er-greifen sind. Für mich ist das eine Kernfrage. Denn alle leistungsstarken und engagierten Studierenden sollen die Chance haben, ein Deutschlandstipendium zu erhalten. Und diese Chance darf nicht vom Hochschulstandort ab-hängig sein.

Die Untersuchung hat klar gezeigt, dass an allen Hoch-schulstandorten Bedingungen herrschen, die den Hoch-schulen eine erfolgreiche Mittelakquise erlauben. Sie be-legt auch: Die Stärke der regionalen Wirtschaft hat keinen Einfluss auf den Erfolg der Hochschulen bei der Einwer-bung von Mitteln. Gesetzliche Ausgleichsmaßnahmen sind daher nicht nötig.

Was den Erfolg der Hochschulen verstärkt, ist ein reicher Erfahrungsschatz im Fundraising. Hochschulen werben nämlich umso erfolgreicher Fördermittel ein, je länger sie an dem Stipendienprogramm teilnehmen. Das lässt erwar-ten, dass sich die Idee einer privat-öffentlichen Partner-schaft im Bildungssektor auch in den kommenden Jahren weiter verbreiten und zu noch intensiverem Engagement bei Hochschulen und privaten Partnern führen wird. Dafür brauchen sie langfristige Planungssicherheit. Und die bie-ten wir mit dem Stipendienprogramm-Gesetz.

Die Förderung ist zudem ausgewogen und erreicht eben auch sozial benachteiligte Studierende. Das hat die Begleit-forschung  gezeigt. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten unterscheiden sich in Bezug auf die soziodemografischen Merkmale und die soziale Herkunft nicht von der allgemei-nen Studierendenschaft.

• Der Anteil der Nicht-Akademikerkinder unter den Deutschlandstipendiatinnen und –stipendiaten beträgt wie bei allen Studierenden 50 Prozent.
• Der Anteil der Studierenden an Fachhochschulen war bei den Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten mit 33 Prozent ebenso hoch wie der Anteil der FH-Studenten an der Studierenschaft insgesamt und deut-lich höher als bei den Begabtenförderungswerken (11, 3 Prozent).
• Mehr als jeder vierte Stipendiat (28 Prozent) hat eine Einwanderungsgeschichte. Im Schnitt aller Studieren-den ist es gut jeder Fünfte. Das Deutschlandstipendi-um fördert also junge Menschen mit Einwanderungs-geschichte überproportional.

Die Ergebnisse der Begleitforschung unterstreichen, dass wir mit dem ganzheitlichen Verständnis des Leistungsbe-griffs beim Deutschlandstipendium den richtigen Weg ein-geschlagen haben. Die Hochschulen berücksichtigen bei der Vergabe nicht nur Noten, sondern auch ehrenamtliches Engagement und die Überwindung von Hürden im Lebens-lauf.

Viele Förderer berichten, wie gewinnbringend der Kontakt zu begabten Studierenden für sie ist. Das zeigt sich in den Ergebnissen der Begleitforschung. Demnach ist dieser Kontakt das zweitwichtigste Fördermotiv  nach der Über-nahme gesellschaftlicher Verantwortung.

Unsere Begabtenförderung, auch die der Begabtenförde-rungswerke und der beruflichen Talente, ist in den vergan-genen Jahren stark gewachsen. Eine bewusste Entschei-dung, da wir meinen, dass auch die Spitze besonderer För-derung bedarf. Die Zahl der Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten hat schon nach vier Jahren fast die Zahl der Stipendiaten der bewährten Begabtenförderungswerke erreicht. Insgesamt konnte die Zahl der aus Bundesmitteln vergebenen Stipendien für Studierende seit 2005 mit der-zeit rund 50.000 Stipendiatinnen und Stipendiaten mehr als verdreifacht werden.

Und zugleich haben wir das BAföG kontinuierlich weiter-entwickelt.
• Mit der am 1. August dieses Jahres in Kraft tretenden BAföG-Reform steigen die Bedarfssätze und Einkom-mensfreibeträge um jeweils sieben Prozent. Das er-höht die Förderungsbeträge und erweitert den Kreis der BAföG–Empfänger und –Empfängerinnen um rund 100.000 im Jahresdurchschnitt.
• Daneben gibt es Verbesserungen für Familien.
• Förderungslücken beim Übergang zwischen einem Bachelor- zu einem Masterstudium werden weitge-hend geschlossen.
• Seit 2005 sind die Gesamtausgaben für das BAföG um etwa ein Drittel gewachsen; 2014 betrugen sie insge-samt 3,2 Mrd. Euro.

Daneben werden Stipendienprogramme für geflüchtete Studierende im In- und Ausland ausgebaut. Auch die be-stehenden Begabtenförderungsprogramme, nicht zuletzt das Deutschlandstipendium, sind als Förderinstrumente für besonders begabte geflüchtete Studierende offen und auch geeignet.
Der von der Bundesregierung vorgelegte Bericht zum Deutschlandstipendium zeigt: Das Deutschlandstipendium hat sich als wichtige Säule der Begabtenförderung etab-liert. Das BMBF wird daher das Deutschlandstipendium als wichtigen Bestandteil der Förderkultur fortführen und kon-tinuierlich ausbauen.

Vielen Dank