Bericht der Bundesregierung über die Umsetzung des Bologna-Prozesses 2012 - 2015 in Deutschland

07.05.2015

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Herr Präsident,
sehr verehrte Kollegen!

Die Umsetzung der Bologna-Reformen hat sich in Deutschland positiv entwickelt.
Der von der Bundesregierung gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz erstellte Bericht über die Umsetzung des Bologna-Prozesses 2012-2015 in Deutschland zeigt die dynamische Entwicklung an unseren Hochschulen.
Seit 2012 ist die Studierendenzahl in Deutschland weiter gestiegen. Mit knapp 2,7 Mio. Studierenden haben wir im Wintersemester 2014/15 eine halbe Mio. Studierende mehr an unseren Hochschulen als noch vier Jahre zuvor. Bundesregierung und Länder flankieren diese Entwicklung mit dem Hochschulpakt: von 2007 bis einschließlich 2023 stellen wir bis zu 38,8 Mrd. Euro für die Aufnahme der Studierenden durch Einrichtung zusätzlicher Studienmöglichkeiten zur Verfügung.
Die Einführung der zweistufigen Studienstruktur war eines der Kernziele der Europäischen Hochschulreform zur Förderung von Transparenz und Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse. Sie ist weitgehend umgesetzt.
Im Wintersemester 2013/14 führten mehr als 87 Prozent aller Studiengänge zu Bachelor- und Masterabschlüssen. .
Die Steigerung der Mobilität ist ein weiteres Kernziel des Bologna-Prozesses. Für die Studierenden, die einen Auslandsaufenthalt in Betracht ziehen, ist dabei die Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen mit entscheidend. Daher freue ich mich insbesondere über die positive Entwicklung der Anerkennungsrate in Deutschland in den vergangenen Jahren: Sie ist von 41 Prozent im Jahr 2007 auf knapp 70 Prozent (69%) im Jahr 2013 angestiegen. Damit verzögert sich die Zeitspanne bis zum Abschluss durch einen Aufenthalt im Ausland deutlich weniger als noch vor einigen Jahren. Die guten Ergebnisse sollten durch die konsequente Anwendung der Lissabon-Konvention weiter gesteigert werden.
Der Blick auf die Auslandsaufenthalte von Studierenden und Wissenschaftlern zeigt, dass im Zuge der Bologna-Reformen die Auslandsmobilität entscheidend gestiegen ist. Einige Zahlen dazu:
• Knapp 140.000 Deutsche studierten 2012 an ausländischen Hochschulen. Das sind fast dreimal mehr als zu Beginn der Bologna Reform.
• Gut ein Drittel (32%) der deutschen Studierenden hat im Verlaufe des Studiums mindestens einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolviert. Damit hat Deutschland das von den Bologna-Staaten gesetzte Mobilitätsziel von 20% Graduierten mit Auslandserfahrung bereits überschritten.
• Rund 16.000 deutsche Wissenschaftler waren 2012 im Ausland. An erster Stelle stehen hier die Zielländer USA, Großbritannien, Frankreich und China.
Mehr als diese nackte Zahlen dies vermitteln können: Auslandsmobilität schafft neben Studienerfolgen Weltoffenheit. Dies gilt natürlich auch im Hinblick auf die starke Anziehungskraft Deutschlands als Gastland für ausländische Studierende und Wissenschaftler. Laut OECD steht Deutschland unter den nicht-englischsprachigen Gastländern an erster Stelle, nur in den USA und Großbritannien studieren mehr ausländische Studierende. Ich sehe das als großen Erfolg unserer jahrelangen Bemühungen, den Studienstandort Deutschland weltweit bekannt zu machen. Offenbar hat sich mittlerweile die Qualität unserer Hochschulen weltweit herumgesprochen.

Wie drückt sich diese Attraktivität in Zahlen aus?
• Mittlerweile stellen ausländische Wissenschaftler zehn Prozent der Mitarbeiter im wissenschaftlichen und künstlerischen Bereich an unseren Hochschulen.
• Im Wintersemester 2013/14 kamen mehr als 300.000 ausländische Studierende zum Studium nach Deutschland. Dies entspricht einem Plus von 6,8 Prozent zum Vorjahr und einer Verdopplung zu 1998. Mehr als zwei Drittel dieser Studierendengruppe sind Bildungsausländer.

Mit Blick auf den Fachkräftemangel möchte ich an dieser Stelle besonders auf das Potenzial der Masterstudiengänge verweisen: Sie bieten eine Chance, bereits hochqualifizierte internationale Studierende vor ihrem Eintritt in den Beruf für Deutschland zu gewinnen.

Sehr verehrte Damen und Herren,

die Internationalisierung der Hochschulen ist ein wesentliches Element der institutionellen Profilbildung und der Qualitätsentwicklung zugleich. Die Internationalisierung macht nicht bei der Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern Halt. Mit der im April 2013 verabschiedeten Bund-Länderstrategie für die Internationalisierung der Hochschulen in Deutschland bringen wir voran:

 die strategische Internationalisierung der einzelnen Hochschulen,
 die Etablierung einer Willkommenskultur,
 die Einrichtung internationaler Campus und
 den Ausbau existierender und den Aufbau neuer grenzüberschreitender Hochschulkooperationen.

Die deutschen Hochschulen haben bei der Internationalisierung große Fortschritte gemacht. Ich verweise dazu auf Maßnahmen zur Willkommenskultur, Welcome Centers an unseren Hochschulen, auf internationale Studienangebote oder das dichte Netz an Kooperationen, das deutsche Hochschulen mit internationalen Partnern in- und außerhalb des Europäischen Hochschulraums knüpfen.

Das BMBF unterstützt die Internationalisierung der Hochschulen auf vielfältige Weise. Dazu zählen Beratungsmaßnahmen wie das Audit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zur Internationalisierung, unsere Programme des DAAD z.B. zu strategischen Partnerschaften und thematischen Netzwerken oder die vielfältigen Aktivitäten der Alexander von Humboldt Stiftung und so fort. Die erfolgreiche Internationalisierung in Deutschland wäre nicht denkbar ohne diese Organisationen. Internationalisierung gehört heute zum Standardrepertoire deutscher Bildungs- und Forschungsförderung.

Zu den Bologna-Zielen gehört auch die Stärkung der sozialen Dimension in der Hochschulbildung. Im Fokus stehen dabei u.a. Bemühungen, den Hochschulzugang auch für Studierende aus bildungsfernen Schichten zu öffnen.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
Das BAföG als zentrales staatliches Instrument zur Chancengerechtigkeit spielt hier eine entscheidende Rolle: Mit dem 25. BAföG-Änderungsgesetz fassen wir die Ausbildungsförderung an die aktuellen Lebensverhältnisse an. Gleichzeitig wird die Förderlücke bei der zweistufigen Bachelor/Masterstudienstruktur geschlossen und die Förderungsberechtigung für Ausbildungsaufenthalte im Ausland erweitert.
Beim Thema des Lebenslangen Lernens zielt der Bologna-Prozess darauf ab, die Hochschulen für neue Studierendengruppen zu öffnen. Die gestufte Studienstruktur mit Bachelor- und Masterabschlüssen eröffnet eine Vielzahl von Einstiegs- und Übergangsoptionen zwischen Arbeitsmarkt und Hochschule. Der aktuelle Bologna-Bericht der Bundesregierung zeigt:
Die Zahl der beruflich Qualifizierten ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung konnte seit 2000 auf über 12.000 Studierende verzehnfacht werden. Das ist schon etwas, aber es bleibt noch viel zu tun. In die Hochschulsysteme kommt Bewegung durch den Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“.
Die jüngst erschienene Studie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) bestätigt: Der Bachelor kommt in der Wirtschaft gut an und eröffnet Karrierechancen. Es werden fast identische Einstiegsgehälter gezahlt, und Unternehmen bieten gleich gute Karriereperspektiven für Absolventen des Bachelors, Master oder traditioneller Abschlüsse.

Sehr verehrte Damen und Herren,
diese Tour d’Horizon zeigt: Die Hochschulen bilden mehr Studierende aus und die Absolventen sind im Arbeitsmarkt willkommen. Gleichzeitig setzen die Europäischen Bologna-Hochschulreformen Impulse für die Mobilität von Wissenschaftlern und Studierenden und für die Internationalisierung der deutschen Hochschulen.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen,
Bei der Umsetzung der Europäischen Hochschulreform agieren wir nicht nur national, sondern im Verbund mit den 46 anderen Staaten des Europäischen Hochschulraums. Nach unseren Vorstellungen geht es auf der bevorstehenden Bologna-Ministerkonferenz im armenischen Jerewan am 14./15. Mai darum, die Bologna-Instrumente noch konsequenter in die Praxis umzusetzen. Besondere Anliegen sind uns dabei
• die Anerkennung akademischer Qualifikationen und Abschlüsse zum Weiterstudium, aber auch zur Berufsausübung muss verständlicher und handhabbarer werden;
• die Förderung der Mobilität von Lehramtsstudierenden;
• der Europäische Ansatz zur Akkreditierung gemeinsamer Studiengänge, d.h. die einfachereren Handhabung der Qualitätssicherung von internationalen Studiengängen (European Approach)
• konkrete Unterstützung für Staaten, die bei der Umsetzung der Reformen noch Schwierigkeiten haben;

Der Bologna-Prozess ist ein einmaliges Forum, Brücken zwischen den beteiligten Staaten auszubauen.

Denn, meine Damen und Herren, die Attraktivität des Europäischen Hochschulraums hängt von der flächendeckenden und konsistenten Umsetzung aller Reformen ab. Deutschland wird dies mit allen Mitteln unterstützen.

Wenn es uns gelingt, dass unsere Hochschulen in so unterschiedlichen Ländern, wie es sie im europäischen Hochschulraum gibt, zusammenarbeiten, dann ist das eine Chance, dass die Gesellschaften in unseren Ländern das auch insgesamt schaffen. Wir wollen diese Zusammenarbeit. Dafür kann Jerewan stehen.
Vielen Dank.