Abschlusskonferenz des Innovationsforums Mittelstand „InnoDigicraft — das Smart Living Innovationsforum in Aachen“

11.07.2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

I. Innovationsforen Mittelstand unterstützen erfolgreich neue Innovationspartnerschaften

Durch die digitale Transformation wird sich unsere Art zu Leben und zu Arbeiten gravierend verändern. Neue innovative Anwendungen bieten große Chancen für Unternehmen und Verbraucher. Doch wie müssen sich Unternehmen aufstellen, um diese zu nutzen? Und was erwarten die Konsumenten von neuen Produkten und Dienstleistungen?

Wie können wir, z.B. durch intelligente Klima- und Lichtsteuerungen unseren Wohnkomfort erhöhen?
Welche Möglichkeiten entstehen durch die Digitalisierung in der medizinische Versorgung und Pflege?


Mit diesen und weiteren Fragen zum Thema „Smart Living“ haben Sie sich im Rahmen des Innovationsforums „InnoDigicraft“ intensiv auseinandergesetzt.

Ich freue mich sehr, heute beim Höhepunkt des Innovationsforums dabei zu sein und bedanke mich herzlich für die Einladung.
Mir wurde berichtet, dass Sie in den letzten Monaten in fünf Workshops bereits zahlreiche gute Ideen rund um „Smart Living“ entwickelt haben. Die drei besten Ideen des „InnoDigicraft Ideenwettbewerbs“ werden wir gleich im Anschluss prämieren. Und ich kann Ihnen jetzt schon sagen: Ihre Arbeit hat sich gelohnt!

Besonders beeindruckt mich auch, was für unterschiedliche Akteure hier aus der Region bei der Arbeit des Innovationsforums mitgewirkt haben. Handwerksbetriebe, Sicherheitsdienstleister, Pflegedienstleister, Versicherer, Technologie-Start-ups, studentische Initiativen und Wissenschaftler u.a. der RWTH Aachen. Eine so breite branchenübergreifende Zusammenarbeit ist nicht selbstverständlich.

Aber sie ist dringend notwendig, um neue, kreative und gleichzeitig sinnvolle Lösungen zu finden. Mit der Förderinitiative „Innovationsforen Mittelstand“ will das Bundesforschungsministerium genau das erreichen. Wir möchten, dass sich neue Partnerschaften entwickeln – besonders zwischen kleineren Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Partnern aus der Forschung. Gemeinsam können innovative Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entwickelt werden.

Mit den „Innovationsforen Mittelstand“ erleichtern wir den ersten Schritt nachhaltiger Innovationspartnerschaften. Die große Nachfrage nach der Förderung zeigt uns, dass wir an der richtigen Stelle ansetzen.
„InnoDigicraft“ – das Innovationsforum zu Smart Living ist eines der ersten gestarteten Vorhaben. Smart Living steht für ein vernetztes Leben und Arbeiten von morgen. Um in Zukunft erfolgreich Produkte und Dienstleistungen vernetzt und digital anzubieten, ist die Zusammenarbeit von Produzenten, Dienstleistern, Forschern und Anwendern branchenübergreifend notwendig. Wie ich sehe, haben Sie die Möglichkeiten dieses Formats voll ausgeschöpft. Sie haben - auch in Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren wie der Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen - den Grundstein für ein nachhaltiges Netzwerk in Aachen und der Region gelegt.

II. Zehn-Punkte-Programm mit weiteren Maßnahmen für den Mittelstand greift und wird konsequent weiter umgesetzt

Die Förderinitiative „Innovationsforen Mittelstand“ ist Teil des Zehn-Punkte-Programms „Vorfahrt für den Mittelstand“. Mit diesem Programm unterstützt das Bundesforschungsministerium kleine, mittlere und mittelständische Unternehmen (KMU) in ihren Innovationsaktivitäten.

Die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft haben im Jahr 2015 zwar ein Rekordniveau erreicht. Sie stiegen um fast 9 Prozent auf 157 Milliarden Euro an. Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im engeren Sinne sind gestiegen. Im Jahr 2015 haben Wirtschaft und Staat erstmals 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung investiert. Die Innovationstätigkeiten konzentrieren sich aber immer stärker auf wenige Unternehmen. Das heißt, die Innovationsbasis schrumpft.

Um hier entgegen zu wirken, unterstützen wir mit dem Zehn-Punkte-Programm KMU in vier besonders wichtigen Handlungsfeldern:

1. Wir müssen KMU verstärkt auf den großen, für Deutschland wichtigen Innovationspfaden mitnehmen. Voraussetzung hierfür ist, dass KMU besser in die Spitzenforschung eingebunden werden.
Dies unterstützen wir schon seit gut 10 Jahren mit der Fördermaßnahme „KMU innovativ“. KMU-innovativ ermöglicht KMU den Einstieg in die anspruchsvolle Fachförderung – durch vereinfachte Antragsverfahren, kurze Bearbeitungszeiten und themenfeldspezifische Förderlinien. Diese bewährte Förderung haben wir für weitere Schlüsselbereiche ausgebaut.
2. Passende, starke Partner sind für KMU das A und O um in anspruchsvollen Innovationsfeldern mitzuhalten. Die „Innovationsforen Mittelstand“ – das hatte ich schon gesagt – leisten hierzu einen ganz wichtigen Beitrag.

Ebenfalls sehr erfolgreich ist letztes Jahr die Fördermaßnahme „KMU-NetC“ [sprich: KMU-Net-Zeh] gestartet. Mit dieser Förderung wenden wir uns an unsere leistungsstarke deutsche Technologiecluster- und Netzwerklandschaft. Wir fördern mit KMU-NetC 2-3-jährige Verbundvorhaben, die von erfahrenen Netzwerken oder Clustern koordiniert werden und mindestens zwei KMU als Projektpartner einbinden. Ich freue mich, dass an drei der jetzt im Sommer startenden vierzehn KMU-NetC-Verbundprojekte Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Region beteiligt sind.

Einer dieser KMU-NetC-Forschungsverbünde arbeitet in einem ähnlichen Themenbereich wie Sie. Es geht um die Potenziale der Digitalisierung in der Medizintechnik. In modernen Operationssälen gibt es heute eine Vielzahl von computergestützten Medizingeräten, die Daten sammeln und auswerten. Das KMU-NetC-Verbundprojekt „MoVe“ [sprich: Muhw] entwickelt eine Simulationsumgebung, in der die herstellerübergreifende Vernetzung von Medizingeräten und Softwarekomponenten in einem realistischen OP-Szenario getestet werden kann. Der mit 3,4 Mio. EUR geförderte Verbund wird durch den in Herzogenrath ansässigen OR.Net e.V. koordiniert. Beteiligt sind acht KMU [darunter die SurgiTAIX AG, Herzogenrath und Synagon GmbH, Aachen] und fünf wissenschaftliche Einrichtungen [u.a. RWTH Aachen].

Mit diesem Beispiel möchte ich Ihnen auch zeigen, welche Perspektiven sich im Anschluss an Ihre Arbeit im Innovationsforum ergeben könnten - zum Beispiel durch eine weitere Zusammenarbeit in einem Forschungsprojekt.
3. Sie wissen sicher aus eigener Erfahrung: Eine immer drängendere Herausforderung für viele Unternehmen ist es, die richtigen Fachkräfte zu finden. Das ist für die KMU noch herausfordernder als für Großunternehmen, insbesondere in ländlicheren Regionen. Deswegen wirken sich Engpässe beim MINT-Nachwuchs bei Ihnen zuerst aus.
Deswegen werben wir sehr intensiv – und erfolgreich – für MINT-Qualifikationen im akademischen und schulischen Bereich. In der beruflichen Ausbildung treiben wir zudem die Digitalisierung voran. Wir unterstützen dies u.a.  seit März 2016 mit unserem „Sonderprogramm zur Förderung von Digitalisierung in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten und Kompetenzzentren“.
4. Wenn wir die Innovationsbasis im Mittelstand verbreitern wollen, müssen wir auch bisher weniger förderaffine KMU für eine Beteiligung an Forschungs- und Innovationsprogrammen gewinnen. Wichtig ist uns daher, den Zugang zu und den Umgang mit unseren Förderangeboten einfacher zu gestalten, zum Beispiel durch zweistufige Antragsverfahren. Damit bekommen KMU schon auf Basis einer kurzen Antragsskizze eine verlässliche Förderperspektive und haben keinen unnötigen Aufwand für eine erfolglose Antragstellung.
Übrigens: Den One-Stop-Shop, die oft geforderte zentrale Anlaufstelle zur Beratung gibt es längst. Sie heißt Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes und wird von allen Bundesministerien mit Förderaktivitäten getragen. Eine Mitarbeiterin der Förderberatung, Frau Dr. Rieck, werden Sie später noch mit einem kurzen Vortrag kennen lernen.

III. Eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und der Wissenschaft ist ein wesentlicher Treiber von Innovationen – auch in der Region Aachen

Innovative Unternehmen sind die eine starke Säule der Wirtschaftskraft und Innovationfähigkeit in Deutschland. Die zweite starke Säule sind unsere hervorragenden Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Darauf bauen wir gerade auch hier in der Region.

Die RWTH Aachen zählt zu den sogenannten „Exzellenzuniversitäten“; sie gehört außerdem zu den Universitäten in Deutschland, die am meisten Drittmittel einwerben [2014: 882 Tsd. Euro je Professor/in]. Diese zusätzlichen Finanzmittel fließen häufig in die Zusammenarbeit mit Unternehmen. Daneben haben wir, u.a. mit dem Forschungszentrum Jülich, auch ein Reihe sehr leistungsstarker außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in der Region.

In den letzten Jahrzehnten haben die besonderen Potenziale der Wissenschaftslandschaft dazu beigetragen, dass sich die Region Aachen zu einer starken Technologieregion entwickelt hat. Eine Vielzahl mittelständischer Weltmarktführer ist hier ansässig. Und es hat sich eine lebhafte Gründerszene entwickelt. Die Region lebt dabei von einer engen Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Auch Sie haben mit dem Innovationsforum „InnoDigicraft“ darauf gesetzt, dass durch diese Zusammenarbeit Neues entsteht. Und wir sehen heute die fruchtbaren Ergebnisse, die hieraus entstanden sind.

Auch mit unserer Förderinitiative „Forschungscampus“ fördert das BMBF seit 2012 langfristige, strategische und standortbezogene Partnerschaften zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Auch hier in der Region: Von den deutschlandweit neun geförderten Forschungscampi haben sogar zwei ihren Schwerpunkt in Aachen.

Der Forschungscampus „DPP – Digital Photonic Production“ setzt Licht als Werkzeug in der Produktionstechnik ein. Der sogenannte 3D-Druck ist als Zukunftstechnologie in aller Munde. Im Forschungscampus arbeiten über 25 Partner an vorderster Front mit an dieser innovativen Technologie und weiteren laserbasierten Fertigungsverfahren.

An einem anderen Zukunftsthema arbeitet der Forschungscampus „FEN – Flexible Elektrische Netze“. Die RWTH Aachen arbeitet hier mit ca. 25 Industriepartnern an der Entwicklung flexibler Stromnetze. Zunehmend dezentrale und erneuerbare Energiequellen erfordern die Entwicklung einer neuen Netzinfrastruktur, um eine sichere und bezahlbare Energieversorgung in der Zukunft zu ermöglichen.
Das Bundesforschungsministerium fördert die strategische Zusammenarbeit an den  Forschungscampi über insgesamt 15 Jahre mit jährlich jeweils bis zu 2 Mio. Euro. 

Nicht nur die großen Universitäten, wie die RWTH Aachen, sind wertvolle Partner für die Wirtschaft und die Gesellschaft. Auch die kleinen und mittleren Hochschulen und Fachhochschulen sind in ihrer Region oft gut vernetzt und forschen anwendungsorientiert. Mit der Förderinitiative „Innovative Hochschule“ zielen wir besonders auf diese Hochschulen. Wir wollen hier den wechselseitigen Wissens-, Ideen- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft fest verankern. Davon sollen insbesondere auch KMU profitieren. Der Wettbewerb, den wir Ende letzten Jahres gestartet haben, hatte eine große Resonanz.

Letzte Woche wurde verkündet, welche der vielen hervorragenden Bewerbungen sich durchsetzen konnten. Insgesamt wurden 48 Hochschulen in 19 Einzel- und 10 Verbundvorhaben zur Förderung ausgewählt.  Die Ausschreibung hat aber weit über diesen Kreis hinaus Impulse für Initiativen und Ideen ausgelöst, die es in jedem Fall verdienen, weiterverfolgt zu werden.

Ich habe Ihnen einige Schwerpunkte und Beispiele unserer Förderung für ein innovationsstarkes Deutschland genannt. Wir können dabei nur Impulse setzen. Die Umsetzung liegt letztendlich in der Hand der vielen, vielen Innovationsakteure.
IV. Innovation ermöglicht nachhaltigen regionalen Strukturwandel – das BMBF unterstützt hierbei zukünftig ost- und westdeutsche Regionen

Die Region Aachen ist für die Zukunft gut aufgestellt. Das haben Sie meinen Ausführungen entnommen. Und daran wirken auch Sie alle mit. In den letzten Jahrzehnten haben sich starke Branchen wie Life Sciences, Informations- und Kommunikationstechnologie, Automobiltechnik und Maschinenbau in der Region entwickelt. Ehemals durch die Textilindustrie und den Bergbau geprägt, ist der Region ein tiefgreifender Strukturwandel gelungen. Wenn wir in andere Regionen schauen – zum Beispiel ins Ruhrgebiet, in ländliche Regionen Schleswig-Holsteins oder nach Ostdeutschland – bestehen hier nach wie vor erhebliche Herausforderungen.

Sie hier in Aachen leben es bereits: Innovation ist der Schlüssel für einen nachhaltigen Strukturwandel.

Das Bundesforschungsministerium hat dafür ein neues Förderkonzept „Innovation und Strukturwandel“ für Gesamtdeutschland entwickelt. In den nächsten Jahren werden hierfür mehrere neue Förderprogramme aufgelegt. Die Region Aachen könnte hiervon  weiter profitieren. Auf jeden Fall können andere Regionen aus den Erfahrungen, die mit dem Strukturwandel hier in der Region gemacht wurden, lernen.
V. Ausklang

Meine Damen und Herren,

auch Sie wirken beim Innovationsforum „InnoDigicraft“ mit, um Ihre Erfahrungen auszutauschen. Und daraus gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Mit Ihnen arbeiten bald knapp 50 weitere Innovationsforen in ganz unterschiedlichen Themenbereichen, Regionen und Partnerstrukturen.

Ich hatte dies anfangs gesagt, Sie sind eines der ersten geförderten Innovationsforen. Ich freue mich daher nun besonders, dass uns gleich ganz konkrete Ideen, die aus Ihrer Zusammenarbeit entstanden sind, präsentiert werden.

Vielen Dank.