25-jährigen Jubiläum des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V.

01.06.2017

Meine Rede anlässlich der Festveranstaltung am 1. Juni 2017 in Greifswald

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ein Vierteljahrhundert umfasst die Forschung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung (INP). Ich freue mich, heute mit Ihnen gemeinsam das 25-jährige Jubiläum des INP hier in Greifswald zu feiern.

Die Genese des INP beginnt schon vor knapp 100 Jahren. Dass hier im Norden der richtige Platz für die Plasmaforschung ist, erahnte schon Ihr „Ur-Vater“, der Physiker Rüdiger Seeliger. Dieser Pionier experimentierte schon 1918 – vor Weimar – hier in Greifswald erstmalig mit ionisierten Gasen. Die Erforschung von Niedertemperaturplasmen hier in Greifswald hat dementsprechend schon fünf verschiedene Staatsformen und ebenso viele Währungen überlebt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung galt es dann, erneut einen organisatorischen Strich zu ziehen und einen Neuanfang zu starten.

Deshalb wurde das ZIE am 31. Dezember 1991 aufgelöst und – wie Sie wissen – am 01. Januar 1992 als „Institut für Niedertemperatur-Plasmaphysik“, kurz INP, und Teil der „Blauen Liste“ neu gegründet. Ziel war stets, Ihre besondere historische Forschungs-Expertise der Niedertemperatur-Plasmaphysik zu sichern und das technologische Potential des Gebiets in der Zukunft weiter zu erschließen.

Ende der 90er Jahre hat den Wissenschaftsrat die Leistungsfähigkeit des INP überzeugt. Bei den folgenden Evaluierungen durch den Senat der Leibniz-Gemeinschaft, hat das INP dann wiederholt seine besonderen Leistungen gezeigt. Das ist nämlich die Voraussetzung einer Grundfinanzierung durch Bund und Länder: ein Institut, das national und international Besonderes kann und leistet.

Sehr geehrter Herr Professor Weltmann,

an dieser Stelle gehört es sich, dass wir Ihnen unseren Dank und unsere Anerkennung für Ihre Verdienste um das INP aussprechen. Die Visionen des INP sind eng an die Person Klaus-Dieter Weltmann gekoppelt. Quasi als „Lokalpatriot“ kamen Sie vor fast 15 Jahren zurück in Ihre alte Heimat, um die Leitung des INP zu übernehmen – und brachten mit Ihrer Industrieerfahrung den frischen Wind der freien Wirtschaft mit.

usammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des INP ist es gelungen, das INP „groß zu machen“, im besten Wortsinn. Die Mitarbeiterzahl ist auf über 160 gestiegen und hat sich nahezu verdoppelt. Es ist Ihnen dabei übrigens gelungen, die Verwaltung schlank zu halten.

Sie haben die anwendungsorientierte Forschung vorangebracht und die Neuorganisation der Forschung als Matrixstruktur angestoßen. Mit einer neuen Strategie konzentrieren Sie sich auf die zwei Forschungsbereiche „Oberflächen und Materialien“ sowie „Umwelt und Energie“.

Die Drittmitteleinnahmen des INP erhöhten sich seit 2003 kontinuierlich und sind auf hohem Niveau.

Auch bei der gemeinsamen Besetzung von Professuren hat sich viel getan. Neben dem Institutsleiter kamen mittlerweile drei weitere Professuren hinzu, die gemeinsam mit den Universitäten in Rostock und Greifswald besetzt wurden – eine weitere gemeinsame Besetzung ist „in der Mache“.

Die Fachhochschulen in Mecklenburg-Vorpommern wurden stärker eingebunden. Ganz im Sinne der Stärken der Leibniz-Institute war das INP ja schon früh sehr erfolgreich bei der Einbindung in wissenschaftliche Netzwerke, organisierte bald internationale Tagungen mit der Universität Greifswald und dem IPP (Max-Planck-Institut für Plasmaphysik) und konnte so eine führende Position in wissenschaftlichen Netzwerken einnehmen.

Vor allem in Ihren beiden Forschungsbereichen haben Sie sich strategisch bemerkenswert gut weiterentwickelt. Ihren klassischen Forschungsbereich „Plasmen für Materialien und Energie“ haben Sie rationalisiert und fachlich klug ausgerichtet. Im Forschungsbereich „Plasmen für Umwelt und Gesundheit“ konnten Sie plasmabiologische und medizinische Forschungen ausgezeichnet weiterentwickeln. Inzwischen gehört das INP auf diesen Gebieten ebenfalls zur Weltspitze und die Leistungen sind, erneut, sehr gut bis exzellent.

Zusammen mit einem engagierten Wissenschaftlichen Beirat, dem Kuratorium und den Zuwendungsgebern haben Sie alle diese Aufgaben mit Bravour gemeinsam gemeistert. Ihr Institut konnte sieben Jahre lang einen Aufschwung hinlegen. Das hat sich gelohnt: das sage nicht ich, sondern das kann man am Ergebnis Ihrer Evaluierung 2015 ablesen.

Deswegen hat das Institut beim BMBF einen besonderen Stellenwert.

In den letzten Jahren hat der Bund Forschung und Entwicklung konsequent gestärkt. Mittlerweile investieren wir doppelt so viel in Forschung und Entwicklung wie noch vor 10 Jahren. Im Jahr 2015 haben Wirtschaft und Staat gemeinsam über 90 Milliarden Euro für Forschung und Innovation ausgegeben und damit erstmals das drei-Prozent-Ziel für den Anteil der Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt erreicht.

Wissenschaft zum Wohle und Nutzen der Menschen zu betreiben und Fortschritt zu ermöglichen, das ist für die Zukunft unsers Landes hoch relevant:

Denn: In Deutschland lebt nur rund ein Prozent der Weltbevölkerung – Deutschland rangiert aber in der Spitzengruppe der global wettbewerbsfähigsten Staaten auf Platz vier!

Die Fähigkeit, Wohlstand zu generieren, hängt immer stärker von Innovation ab. Im globalen Wettbewerb wird in absehbarer Zeit nicht mehr zwischen Industriestaaten und weniger entwickelten Ländern unterschieden, sondern stattdessen zwischen innovationsreichen und innovationsärmeren Ländern.

Wesentliche Faktoren, anhand derer sich die Wettbewerbsfähigkeit messen lässt, sind die Investitionen in Forschung und Entwicklung und das Bildungswesen. Hier steht Deutschland gut da. Bildung und Forschung sind eine Priorität dieser Bundesregierung. Seit 2005, seit dem Angela Merkel Bundeskanzlerin ist, ist der Etat für Bildung und Forschung mehr als verdoppelt worden.

Auch 2017 ist er weiter um 1,2 Mrd. € gestiegen – das ist ein erneutes Plus um 7,6%[1].

Die Forschungsförderung des BMBF steht auch für Verlässlichkeit. Mit dem Pakt für Forschung und Innovation steigen die Mittel für die beteiligten Wissenschaftsorganisationen Jahr für Jahr um 3%.

Und weil die Planungssicherheit für Forschung so wichtig ist, trägt der Bund den Aufwuchs der finanziellen Mittel allein, um die Länder zu entlasten[2].[3]

Davon profitiert auch das INP. Der Bund fördert das INP heute sowohl institutionell, als Teil der Leibniz-Gemeinschaft, als auch über die Projektförderung.

Die Grundförderung für die WGL ist zwischen 2012 und 2016 um fast ein Viertel angestiegen. 2017 wird die Grundfinanzierung bei über 10 Mio. € liegen, je etwa zur Hälfte von Bund und Land getragen.Als Teil von Leibniz kommt dem INP natürlich zunächst die institutionelle Förderung zu Gute. Die Grundförderung für die WGL stiegt zwischen 2012 und 2016 um fast 25 %.Das INP hat entsprechend davon profitiert. Die Grundfinanzierung wird 2017 bei über 10 Mio. € liegen, je etwa zur Hälfte von Bund und Land. Wie sie sehen, redet die Bundesregierung also nicht nur, sondern tut auch was für Sie.

Auf die institutionelle Grundförderung baut unsere programmatische Förderung sinnvoll auf. So hat das BMBF den Aufbau der Plasmamedizin am INP massiv gefördert.

Für Forschungsprojekte in diesem Bereich bewilligte der Bund seit 2008 über 40 Mio. €.

Lassen Sie mich einige herausragende Projekte kurz erwähnen:

Da ist einmal das  Zentrum für Innovationskompetenz, kurz ZIK plasmatis. Mit dem ZIK plasmatis fördert das BMBF bei Ihnen vor allem den Nachwuchs auf dem spannenden Forschungsgebiet an der Schnittstelle von Plasmaphysik, Biologie und Medizin.

Mit der umfangreichen Förderung des BMBF konnten Sie die Forschung von zwei neuen Nachwuchsforschergruppen im ZIK plasmatis sowie zwei assoziierte Forschergruppen finanzieren und eine enge Kooperation mit dem Herz- und Diabeteszentrum Mecklenburg-Vorpommern, der Universitätsmedizin Greifswald und Rostock, dem Klinikum Karlsburg und der Klinikgruppe Dr. Guth GmbH etablieren. Auch das ist ein toller Erfolg.

Mit einem weiteren Projekt, der Förderung des Campus PlasmaMed hat das BMBF dem INP die Chance gegeben, ein Vorzeigeprojekt der Plasmamedizin in Deutschland umzusetzen. Seit 2008 wurden insgesamt 10 Mio. € dafür bewilligt. Gemeinsames erklärtes Ziel ist, Menschen mittels Plasmatechnologie z.B. bei chronischen Wunden, einem Volksleiden, zu helfen. Durch die Forschung in diesem neuen Zweig wird die Wettbewerbsposition der Plasmamedizin in Deutschland nachhaltig gestärkt. Die Voraussetzungen in der Region sind dafür wieder exzellent.

Es ist besonders erfreulich, wenn aus der Forschung am INP auch Unternehmen entstehen. So basieren Gründungen wie COLDPLASMATECH, Neoplas und Neoplas Toolsauf der Forschung des ZIK plasmatis und des Campus PlasmaMed am INP.

Insgesamt laufen aktuell beim INP Förderprojekte des BMBF mit einer Gesamtzuwendung von etwa 12,0 Mio. €.

Natürlich sind nach 25 Jahren nicht alle Aufgaben erledigt. In der Forschung schon gar nicht. In Zukunft wird es mehr und mehr darauf ankommen, die Entwicklungen der Digitalisierung konsequent für die wissenschaftliche Arbeit zu nutzen. Neue Themen, wie die Biologisierung der Industrie, betreffen auch die Materialforschung. Und schließlich müssen sich einer alternden Gesellschaft auch die Medizin und Medizintechnik ständig weiterentwickeln.

Die Arbeit an der Zukunft des INP ist nicht abgeschlossen. Wir sind ja gerade dabei, gemeinsam die Empfehlungen der letzten Evaluation umzusetzen. Wir wollen auch etwas in der Verwaltung und Infrastruktur tun. Die Verwaltung soll schlank sein, aber nicht zu dürr werden. Ich habe auch erwähnt, dass die Vernetzung mit der Forschung in der Region noch ausgebaut wird. Es gibt also auch noch viel zu tun.

Sie können sich darauf verlassen, dass die Bundesregierung auch künftig Forschung und Wissenschaft eine große Bedeutung zumisst. Ich sage das auch, weil die Bundeskanzlerin mich ja persönlich gebeten hat, sie heute hier zu vertreten. Sie kennt ja das INP, war im letzten August hier bei Ihnen und Sie haben bei Ihr einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Also, die Bundesregierung steht zur Forschung.

Vor uns liegen weiterhin große Herausforderungen. Der globale Wettbewerb fordert uns. Deutschland muss deshalb noch innovativer werden. Wir wollen den Anteil der Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt bis 2025 auf 3,5 Prozent steigern. Das bedeutet nicht nur einen finanziellen Aufwuchs, sondern auch einen signifikanten Aufwuchs des Forschungspersonals. Diese neue Forschergeneration müssen wir heute ausbilden. Dafür brauchen wir eine gemeinsame Initiative von Politik, Bildungsträgern und Wirtschaft. Ein wichtiges Element wird Nachwuchsförderung in der Wissenschaft sein, wie sie vom INP betrieben wird.

Ich denke, Frau Ministerin Hesse, dass uns dabei auch die Länder unterstützen werden. Zum Glück war es in Deutschland bislang so, dass Bund und Länder, auch über Parteigrenzen hinweg, die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung sehen und dass die Wissenschaftspolitiker bei allen Diskussionen im Detail im Großen und Ganzen an einem Strang ziehen. Ein Blick über den Atlantik zeigt uns, dass das nicht selbstverständlich ist.

Die Entwicklung hier in Greifswald zeigt mir, dass wir mit unserer Politik richtig liegen, und dass es in den Hochschulen, Unternehmen und Forschungsinstituten Menschen gibt, die die Möglichkeiten, die wir in der Politik öffnen können, ergreifen und nutzen und daraus was machen, für unser Land, für ihr Land. Für die Wissenschaft, für die Menschen, für neue Wertschöpfung und neue Produkte. Sehr verehrte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am INP, diese Feier gibt mir die willkommene Gelegenheit, Ihnen allen dafür ein herzliches Dankeschön zu sagen.

[1] [Ggf. reaktiv: Zum Vergleich: das Plus um 1,2 Mrd. € allein in einem Jahr 2016/2017 entspricht der Höhe nach der gesamten Steigerung des BMBF-Etats in zwei Legislaturperioden, nämlich von 1998 bis 2005.]

[2] Allein 2017 ist das mehr als eine Viertel Milliarde Plus im Vergleich zu 2016. Insgesamt stehen den Wissenschaftsorganisationen damit rd. 5,7 Mrd. € an institutionellen Mitteln zur Verfügung.]

[3] Anmerkung: Das Parlament hat Mittel zusätzlich zur genannten Paktsteigerung gewährt: zusätzliche 60 Mio. € für die Aufstockung des Grundhaushaltes FhG, je 2 Mio. € Investitionsmittel für das BIG und DESY sowie 13 Mio. € für die WGL (davon 8 Mio. € für Forschungsmuseen und 5 Mio. € für das Institut für Katalyse).