Symposium zum 100. Geburtstag des Computerpioniers Konrad Zuse
Datum: 20.04.2010
Meine Rede anlässlich des Symposiums zum 100. Geburtstag des Computerpioniers Konrad Zuse am 20. April 2010 um 9:30 Uhr Deutsches Technikmuseum, Lokschuppen in Berlin
Sperrfrist: Beginn der Rede!
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Professor Böndel,
meine Damen und Herren,
ich freue mich sehr, heute hier sein zu können, um mit Ihnen den Auftakt des Konrad-Zuse-Jahrs 2010 zu begehen. Ich überbringe Ihnen die besten Wünsche der Schirmherrin der heutigen Veranstaltung, Bundesforschungsministerin Annette Schavan, für ein gutes Gelingen des Symposiums und ein erfolgreiches Zuse-Jahr. Sie bedauert sehr, heute nicht selbst das Symposium eröffnen zu können.
Meine Damen und Herren, Sie werden heute vieles über den Menschen Konrad Zuse erfahren, über den Erfinder, über seine Leistungen bei der Entwicklung der ersten Computer, und über den Unternehmer. Sehr berufene Redner werden Sie in das vielseitige Leben und Werk Zuses einführen.
Für mich als Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerin für Bildung und Forschung, ist es eine besonders spannende Frage, welche Impulse von Konrad Zuse und seinem Leben in die Forschungspolitik getragen werden können. Lassen Sie mich vorwegnehmen, es sind derer viele. Ich möchte dies an drei Thesen deutlich machen, die sich aus wichtigen Stationen Konrad Zuses ableiten lassen, und Ihnen im Folgenden zeigen, was die Forschungspolitik hier lernen kann.
Wir müssen Räume für Kreativität schaffen.
Die frühen bedeutsamen Schritte auf dem Weg zum ersten Computer ging Konrad Zuse nicht in einen Hightech-Labor, sondern im heimischen Wohnzimmer seiner Eltern. Hier baute er die erste programmgesteuerte mechanische Rechenmaschine. Diese, Z1 genannte Maschine funktionierte zwar nicht zuverlässig, war aber wichtiger Vorläufer für den voll funktionsfähigen Rechner Z3 mit Möglichkeiten für Ein- und Ausgabe, einem Rechen- und Programmwerk sowie einem Speicher. Ein wenig erinnert diese Geschichte an die Garagenfirmen von Hewlett und Packard oder Apple – uns zeigt sie, dass kreative Köpfe Freiräume brauchen, aber auch eine Perspektive. Dass, wie im Fall Zuses, der bereits pensionierte Vater wieder die Arbeit aufnahm, um die Arbeiten seines Sohns zu unterstützen, ist dabei sicherlich nicht die Methode der Wahl.
Die Bundesregierung und die Länder setzen vielmehr auf den Dreiklang aus Hochschulpakt, Exzellenzinitiative und den Pakt für Forschung und Innovation. Diese drei großen Initiativen haben bereits eine deutliche Aufbruchsstimmung ausgelöst. Durch die Weiterführung soll diese nunmehr verstetigt werden: Der Hochschulpakt geht in eine zweite Phase. Ziel ist es, für die bis zum Jahr 2015 erwarteten 275.000 Studienanfänger ein bedarfsgerechtes Angebot zu schaffen. Die Exzellenz-Initiative startet eine dritte Runde – neue Kriterien dazu wurden im März 2010 von DFG und Wissenschaftsrat veröffentlicht. Last but not least, der Pakt für Forschung und Innovation: Mit einer jährlichen Steigerung der Zuschüsse an die von Bund und Ländern gemeinsam geförderten Forschungseinrichtungen und die Deutsche Forschungsgemeinschaft von 5 % erhalten diese finanzielle Planungssicherheit – als Gegenleistung erwarten wir ein exzellentes Wissenschaftssystem.
Ich gehe davon aus, dass hier auch ein Mensch wie Konrad Zuse seinen Platz gefunden hätte.
Wir brauchen neue Ideen zur Lösung komplexer Probleme.
Auslöser für Zuses Entwicklung eines Computers waren die mühsamen und umfangreichen Berechnungen in der Flugstatik. Sie brachten ihn auf die Idee einer automatisierten Kalkulation. Der Bedarf einer pragmatischen, handhabbaren Lösung war also der Katalysator für eine neue Technologie. Ein schönes Beispiel dafür, dass Bedarfe, seien sie technischer oder gesellschaftlicher Natur, Innovationstreiber sein können. Waren es bei Konrad Zuse die aufwändigen zeitraubenden Rechnungen, sind es heute Herausforderungen von sehr viel größerer Tragweite, denen wir uns stellen müssen. Aber das Prinzip, das nur neue, kreative Ansätze zum Erfolg führen, gilt auch hier.
Die Hightech-Strategie der Bundesregierung, die nunmehr in Umsetzung des Koalitionsvertrags weiterentwickelt wird, setzt genau dort an. Sie benennt fünf Bedarfsfelder, für die Lösungen und Antworten gefunden werden müssen: Im Fokus stehen die Felder Klima/Energie, Gesundheit/Ernährung, Mobilität, Kommunikation und Sicherheit. Deutschland soll hier zum Vorreiter bei der Lösung dieser globalen Herausforderungen werden. Zugleich ist es Ziel, Wohlstand und hochwertige Arbeit in Deutschland durch Technologie- und Ideenführerschaft zu sichern.
Die letzten Stichwörter, Technologie- und Ideenführerschaft, bringen mich wieder zu Konrad Zuse zurück: Ohne es zu wissen, stand Zuse im Wettbewerb mit den Amerikanern, die letztlich den Wettlauf um Computer und Märkte gewannen. Heute kennen wir die Konkurrenz, dazu gehören nicht nur Japan und USA; auch Länder wie China und Indien holen sehr zügig auf. Für uns heißt das, in Forschung und Entwicklung, auch dort wo wir führend sind, unsere Anstrengungen zu intensivieren. Wir müssen dafür sorgen, dass wir der Konkurrenz stets eine Nasenlänge voraus sind. Mit der Hightech-Strategie haben wir vor vier Jahren einen Grundstein gelegt, auf dem wir mit der Weiterentwicklung aufbauen werden.
Wir müssen die Ideen aus dem Labor in die Unternehmen bringen.
Konrad Zuse war nicht nur Entwickler von Rechnern und Programmiersprachen, er war auch Unternehmer. Mit der Gründung der Zuse KG im Jahr 1949 kam er der Gründung von Apple 27 Jahre zuvor, Hewlett-Packart hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch schon einen zehnjährigen Vorsprung. Die Geschichte der Zuse KG war allerdings nicht die „Erfolgsstory“ der Unternehmen aus dem Silicon Valley. Umso mehr Grund für uns, aus dem Problemen Zuses zu lernen und Konsequenzen zu ziehen. Ursachen für die Schwierigkeiten der Firma lagen in der Verweigerung des Patentschutzes sowie in finanziellen Engpässen. Dennoch hat uns Zuse – zu einem für Europa frühen Zeitpunkt – gezeigt, dass Ideen aus dem Labor das Potenzial für Vermarktung und für eine Firmengründung haben.
Heute sprechen wir von Technologietransfer und betonen die Notwenigkeit technologiefreundlicher Rahmenbedingungen. Auch diesen Bereichen wird die Weiterentwicklung der Hightech-Strategie besondere Aufmerksamkeit schenken. Wir wollen den Austausch zwischen Hochschulen, außeruniversitärer Forschung und Unternehmen weiter intensivieren. Das Potenzial von Forschungsergebnissen muss schneller erkannt und in Innovationen am Markt überführt werden. Sei es durch die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, sei es durch Unternehmensgründung. Der erfolgreiche Spitzencluster-Wettbewerb ist nur eines der Instrumente, die hier zukünftig zum Einsatz kommen werden.
Zum Stichwort Rahmenbedingungen:
Um neuen Ideen und Technologien den Weg in die Märkte zu ebnen, müssen wir die Rahmenbedingungen technologieübergreifend innovationsfreundlich gestalten. Dazu gehört Innovationsfinanzierung, dazu gehören gute Gründungsbedingungen. Deutschland muss wieder Gründerland werden, Unternehmergeist muss Anerkennung und Förderung genießen.
Zu innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen gehört ein innovationsgerechtes Steuersystem. Wichtige Schritte dazu werden mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz gemacht. Wir müssen darüber hinaus aber auch den Einstieg in die steuerliche FuE-Förderung in Deutschland schaffen.
Konrad Zuse war Vorbild als es darum ging von der Invention den Sprung zur Innovation zu machen – ob der Zuse AG unter anderen Rahmenbedingungen ein besseres Schicksal beschieden gewesen wäre, sei dahin gestellt – unabhängig davon ist es unsere Aufgabe, für die Nachfolger von Konrad Zuse die Vorrausetzungen zu schaffen, die einen unternehmerischen Erfolg möglich machen.
Meine Damen und Herren, seit dem ersten funktionsfähigen Rechner Konrad Zuses, der Z3, sind wir einen weiten Weg gegangen. Heute sind Rechner Teil unseres Lebens und maßgeblicher Wirtschaftsfaktor. So stellte die Firma Konrad Zuses bis 1967 insgesamt 251 Computer her; im Jahr 2009 hatte IT-Hardware in Deutschland ein Marktvolumen von etwa 17 Milliarden Euro, insgesamt bediente die Informations- und Kommunikationstechnologie einen Markt in Deutschland von etwa 140 Milliarden Euro.
Und deshalb sollte Konrad Zuse für uns Lehrmeister und Vorbild sein. Er hat mit seinen Arbeiten bei allen Rückschlägen, die er erleben musste, wahrhaften Pioniergeist bewiesen und den Weg zu neuen Ufern geebnet. Wenn wir sein Leben weiter verfolgen, sehen wir, dass er über seine technischen Ambitionen hinaus eine Vielzahl von Talenten hatte und pflegte, zuvörderst die Malerei. Und damit hat er uns gezeigt, um mit John F. Kennedy zu sprechen „Der Mensch ist immer noch der außergewöhnlichste Computer von allen.“
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein spannendes, informatives Symposium und uns ein erfolgreiches Konrad-Zuse-Jahr. Vielen Dank.

