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NanoCare: Verantwortungsvoll Handeln - Nanotechnologie zum Erfolg führen


Datum: 16.06.2009

Rede zur Abschlussveranstaltung  des Projekts NanoCare am 16. Juni 2009 um 12:15 Uhr Jerusalemkirche Berlin

Sehr verehrte Mitglieder des NanoCare-Konsortiums,

meine Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Einladung zu dieser NanoCare-Abschlusskonferenz in Berlin. Ich freue mich sehr, zum Ausklang des NanoCare-Projekts mit Ihnen Bilanz zu ziehen und zugleich in die Zukunft zu blicken.

Vor etwas mehr als drei Jahren habe ich mit Vertretern aus dem Kreis des Nano­Care-Konsortiums das Projekt, das zu den Flaggschiffen der BMBF-Förderung ge­hört, in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Zwischenzeit hat das NanoCare-Konsortium intensiv an den Fragen gesundheitlicher Auswirkungen verschiedenster Nanomaterialien gearbeitet und hat dabei eine Vielzahl neuer Er­gebnisse erhalten, die Ihnen im Lauf des heutigen Tages vorgestellt werden. Beson­ders freue ich mich, dass diese Ergebnisse auch in einer allgemeinverständlichen Broschüre zusammengefasst wurden. Ich hoffe, Sie finden dafür eine breite Leser­schaft.

Meine Damen und Herren, heute ebenso wie vor drei Jahren  gilt, dass wir nur durch einen verantwortungsvollen Umgang die Potenziale der Nanotechnologie in ihrer großen Vielfalt nutzen können. Und wir werden diese Möglichkeiten angesichts der Probleme, vor denen wir stehen, nutzen müssen. Wir wollen es auch, denn Nano­technologie ist eine Zukunftstechnologie mit großen Chancen.

Folie 1: Nanotechnologie: Chance und Herausforderung

Sie hat großes Potenzial zur Lösung der gesellschaftlichen Herausforderungen unse­rer Zukunft beizutragen. Denken Sie an das Problem der zukünftigen Energieversor­gung, den Klimawandel, an den demographischen Wandel, seine Auswirkungen auf die Gesundheit, aber auch die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung, die uns vor Schwierigkeiten stellt, die wir in der Nachkriegsgeschichte bislang noch nicht zu meistern hatten. Hier kann Nanotechnologie Impulse geben. Aber bei allen Erwar­tungen an diese Technologie dürfen natürlich keine Gefahren für Gesundheit und Umwelt von ihr ausgehen.

Ich werde Ihnen im Folgenden thesenartig zeigen, wieso wir auf Nanotechnologie setzen. Dabei ist klar, dass wir verantwortungsvoll mit der Nanotechnologie umgehen und eventuelle Auswirkungen auf Mensch und Umwelt genau untersuchen werden. .

Folie 2: Nanotechnologie spart Energie

Unsere natürlichen Ressourcen sind begrenzt. Erdöl ist mit fast 37 Prozent Anteil am weltweiten Verbrauch Energieträger Nummer eins. 46 Prozent – also fast die Hälfte der nachgewiesenen konventionellen Reserven – sind bereits gefördert. Erdgas ist bereits zu einem Drittel verbraucht. Auch wenn die Erdgas-Vorkommen noch über die Mitte des Jahrhunderts hinaus reichen, ist höchste Zeit, dass wir besser damit haushalten. Ein sehr probates Mittel ist das Energiesparen – und hier leisten Nano­materialien Maßgebliches. Das Beispiel, die Gebäude-Isolierung, verdeutlicht dies. Die privaten Haushalte verbrauchen in Deutschland rund 26 Prozent der Energie. Davon wird wiederum 79 Prozent für Heizung aufgewendet. Nanomaterialien in der Fassadenverkleidung verbessern die Isolierung um etwa einen Faktor 7. Bei der ho­hen Zahl an sanierungsbedürftigen Wohnhäusern kann durch solche Maßnahmen erheblich Energie eingespart werden.

In diesen Kontext gehört auch These 2.

Folie 2: Nanotechnologie bremst den Klimawandel

Die Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen in Deutsch­land bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. In absoluten Zahlen heißt das eine Reduzierung im Vergleich zu heute um 260 Millionen Tonnen CO2. Damit wir dieses ambitionierte Ziel erreichen, brauchen wir einen breiten Maß­nahmenkatalog, in dessen Zentrum die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien steht. Bis 2050 soll etwa die Hälfte des gesamten Energiebedarfs in Deutschland aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.

Verbesserte Lithium-Ionen-Akkumulatoren werden den entscheiden Schritt zu alter­nativen Antriebssystemen im Automobilbau ermöglichen. Immerhin würden sich nach einer bundesweiten Forsa-Umfrage 31 Prozent der Befragten bei ihrem nächsten PKW-Neukauf für ein Hybrid-, Erdgas- oder Biodieselfahrzeug entscheiden. Wir brauchen aber Reichweiten von mindestens 200 bis 300 km. Werkstoff- und Nano­technologien werden maßgeblich dazu beitragen, dass zuverlässige und leistungs­starke Energiespeicher entwickelt werden: effizient, leicht und preiswert. Die Bundes­regierung setzt auf die Lithium-Ionen-Technologie. Hier erwarten wir die erforderliche Steigerung der Kenngrößen wie Energie- und Leistungsdichte.

Ein weiteres wichtiges Einsatzfeld ist die stationäre Nutzung, d.h. die Zwischenspei­cherung von Spitzenlasten oder die Zwischenspeicherung regenerativer Energien. Das macht Energienetze effizienter und Energie damit langfristig kostengünstiger. Auch ermöglicht erst die Zwischenspeicherung die wirtschaftliche Nutzung regenera­tiver Energien, wie der Wind- und der Sonnenkraft: Ein wichtiger Beitrag für den weiteren Ausbau der regenerativen Energien in Deutschland.

Unverzichtbares Element für solche Batterien ist eine nanostrukturierte Keramik-Membran. Sie macht die Batterien sicherer und langlebiger. Nanotechnologie ist da­mit „enabling technology“ für eine saubere Umwelt.

Von der Umwelt zum Menschen und zu einem Thema, das jeden von uns bewegt: Gesundheit.

Folie 4: Nanotechnologie wird Krankheiten therapieren

Gesundheit wird immer mehr zu einer Herausforderung. Meine Damen und Herren, die Gesundheitskosten in Deutschland betragen mehr als 250 Milliarden Euro im Jahr, Tendenz steigend. Die Ursachen dafür sind vielfältig. So leben wir in einer Ge­sellschaft, in der sich die Altersstruktur rapide verändert. Der Anteil der 65-Jähri­gen und Älteren von heute etwa 20 Prozent wird bis zum Jahr 2050 auf über 30 Prozent steigen, so prognostizieren aktuelle Modellrechnungen.

Entsprechend steigt die Anzahl der Erkrankungen, Demenzen, aber auch Krebs. Statistisch gesehen erkranken von 100.000 Menschen unter 65 Jahren lediglich 200 an Krebs. Bei den über 65-Jährigen ist die Erkrankungshäufigkeit zehnfach höher. Auch Krebs ist also eine Alterskrankheit.

Umso bedeutender ist der Beitrag, den Nanotechnologie bei der Entwicklung neuer Therapien leisten kann: Die Therapie mit Eisenoxid-Partikeln verspricht einen lokalen Ansatz mit weniger Nebenwirkungen als die konventionelle Chemotherapie. Dank einer Beschichtung mit Zuckern werden die Partikel bevorzugt von Krebszellen auf­genommen, von gesunden verschmäht. In einem Magnetfeld erhitzen sie sich und produzieren tödliches Fieber – im erkrankten Tumorgewebe. Der Nutzen: geringere Nebenwirkungen, weniger Therapie-Fehlschläge als in der Chemotherapie. Das Verfahren – inzwischen in der klinischen Prüfung – ist nur eines von vielen neuen Möglichkeiten, die Nanomaterialien für die Therapie bieten.

Meine Damen und Herren, an diesen Beispielen sehen Sie den gesell­schaftlichen Nutzen der Nanotechnologie. Zugleich beinhaltet diese Technologie ein herausragendes Innovationspotenzial. Nanotechnologie ist Innovationstreiber und damit Standortfaktor:

Folie 5: Nanotechnologie sichert Arbeitsplätze

Dazu nur ein paar Rahmendaten: 52 % des deutschen Gesamtexports basiert auf neuen Technologien, 35 % der Unternehmen haben Produkte im Angebot, die auf neuen Forschungsergebnissen beruhen. Und gerade in der wirtschaftlich schwierigen Situation, in der wir uns befinden, müssen wir uns darauf besinnen: Innovation ist die beste Antwort auf die Krise. Gerade für ein Land wie Deutschland, das seine Stärken in Ideen hat und weniger in raren Rohstoffen.

Mit dem nano.DE-Report haben wir einen Anlauf genommen, diese Stärken für den Bereich Nanotechnologie zu quantifizieren. Und das Ergebnis kann sich sehen las­sen:

-           Nanotechnologie wird eine volkswirtschaftliche Hebelwirkung auf ein Weltmarktvo­lumen von 3 Billionen Euro im Jahr 2015 vorausgesagt,

-           750 Unternehmen in Deutschland (610 KMU, 140 GU) werden davon profitieren

-           davon 370 Nanotechnologie-Kernunternehmen

-           mit insgesamt  63.000 Beschäftigten im Bereich der Nanotechnologie

-           Weltweiter FuE-Aufwand in Deutschland aktiver Unternehmen ca. 4,7 Mrd. Euro im Jahr 2007

Allein diese wenigen Beispiele und Daten zeigen: Ddie Nanotechnologie als Teil der Hightech-Strategie der Bundesregierung ist eine wirtschaftlich wie gesellschaftlich wichtige Zukunftsschmiede.

Aber wie jedes Handwerk besondere Schutzvorkehrungen trifft, so muss auch die Nanotechnologie sicher sein, um nachhaltig zum Erfolg zu führen.

Folie 6: Nanotechnologie muss sicher sein

Vor diesem Hintergrund sind in den letzten Jahren eine Vielzahl von Aktivitäten auf den Weg gebracht worden, welche die Sicherheit von nanotechnologischen Anwen­dungen, insbesondere natürlich der Nanomaterialien im Fokus haben. Für das BMBF steht dabei natürlich die Forschung im Vordergrund mit den Projekten NanoCare, INOS und TRACER.

Seit 2006 haben im Rahmen der Projekte Industrie und Forschungseinrichtungen gemeinschaftlich an Fragen zu den Auswirkungen von Nanomaterialien auf die Ge­sundheit gearbeitet, haben Standardprozeduren und Messmethoden entwickelt. Mit Ihren Arbeiten wurde Deutschland nicht nur zu einem Vorreiter in der angewandten Forschung zur Nanotoxikologie; wir können auch wichtige Beiträge zum Sponsoring-Programm der OECD leisten. Ihre Arbeiten zu Titandioxid werden dort genauso Ein­gang finden wie Ihre Standardprozeduren, welche die Grundlage sind, um eine Ver­gleichbarkeit von Arbeiten in den unterschiedlichen Labors der Welt sicher zu stellen.

Nur kurz zu den weiteren Aktivitäten: Umweltbundesamt, Bundesinstitut für Risikobe­wertung und Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin haben eine ge­meinsame Forschungsstrategie vorgelegt, deren Themen im Rahmen des Nanodia­logs der Bundesregierung priorisiert wurden. Hier werden wichtige Themen für künftige Aktivitäten identifiziert.

Genauso bedeutend ist Kommunikation. Die Information der Öffentlichkeit über die Ergebnisse Ihrer Forschung, genauso wie die Diskussion über Konsequenzen, die aus den erzielten Ergebnissen gezogen werden müssen. Daher sind solche Dialoge naturgemäß ressortübergreifend. BMBF fördert Ihre Arbeiten, informiert darüber, aber in der Regulierung sind die Kollegen aus dem Umweltressort und dem Verbrau­cherschutz gefragt.

Wie soll es nun weitergehen? Wie bei jedem guten Forschungsprojekt konnten in NanoCare viele Fragen beantwortet werden; zugleich aber trägt jede Antwort bereits neue Fragen in sich, die erforscht werden müssten, um mehr und Genaueres zu den Auswirkungen der Nanomaterialien zu erfahren.

Folie 8: Mehr Forschung – mehr Sicherheit

Unter der der Überschrift „Mehr Forschung – mehr Sicherheit“ sollen daher auch zu­künftig im Rahmen nationaler Programme die Forschung an den Auswirkungen von Nanomaterialien intensiviert werden. Dazu verfolgt das BMBF drei Aktionslinien: Erstens, das Programm NanoNature, das sich dem Nutzen der Nanotechnologie im Umweltschutz widmet und die Ökotoxikologie von Nanomaterialien in den Mittelpunkt stellt. Ein ganz wichtiger Punkt hier ist die Entwicklung spezifischer Messmethoden für Nanopartikel. Wir haben es ja schon in unseren normalen Büros mit 10.000 Parti­keln pro Quadratzentimeter zu tun, auf der Straße können es bei starkem Verkehr auch 100.000 werden. Die zu untersuchenden Partikel allein vor diesem Hintergrund zu messen, verdeutlicht die Anforderungen an gute Mess-Verfahren. Im Rahmen von NanoNature wurden 12 Projekte für die Förderung vorgeschlagen. Wir werden Pro­jekte zur Abwasser- und Luftreinigung sowie zur Bodensanierung fördern. Bei der Risikoforschung wird es unter anderem um grundlegende Daten zum Verhalten von Partikeln in der Umwelt gehen. Die Entwicklung der Messtechnik ist ebenfalls Teil der Projekte.

Auch die Arbeiten zu Auswirkungen von Nanopartikeln auf die Gesundheit sollen fortgesetzt werden. Dazu wurde wiederum zu Projektvorschlägen aufgerufen. Wir haben hier zu allen drei Schwerpunkten Projektvorschläge erhalten und werden diese im Sommer mit Hilfe von Experten begutachten.

Die letzte der drei Aktionslinien betrifft die branchenorientierten Verbundprojekte. Auch hier fordern wir von unseren Konsortien entsprechende Arbeitspakete, welche die Sicherheit der eingesetzten Nanomaterialien in der entsprechenden Anwendung erforschen.

Das sind die Aktivitäten des BMBF. Aber natürlich stehen wir nicht allein da, sondern arbeiten im Kontext mit den Ressorts der Bundesregierung. Gemeinsam treffen wir Vorsorge:

Folie 9: Nanotechnologie: Die Politik trifft Vorsorge

Schon seit 2006 haben wir die NanoInitiative als Grundlage unseren Handelns. Darin geht es den beteiligten acht Ressorts um einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Aspekte der Forschungsförderung und politisch-gesellschaftliche Rahmenbedingungen betrachtet. Von der wirtschaftlichen Nutzung über die KMU-Förderung, neuen Förderaktivitäten zu einer verstärkten Risikoforschung und einem umfassenden Dialog mit der Öffentlichkeit über Chancen und Auswirkungen bündelt die Nanoinititive die Maßnahmen der Bundesregierung. Wir werden den Aktionsplan fortschreiben und dabei auf der Grundlage der aktuellen Entwicklungen die Planungen für unsere Maßnahmen in der Nanotechnologie für die nächsten fünf Jahre formulieren. Dabei werden wir den ganzheitlichen Ansatz, mit dem wir gestartet sind, auch in der Zukunft weiterführen und sicherlich um neue Aspekte wie z.B.Fragen der Regulierung erweitern.

Zum Abschluss noch ein Blick auf die Finanzierung:

Folie 10: Nanotechnologie: Investitionen der öffentlichen Hand

Um die ehrgeizigen Ziele zu einer sicheren und wirtschaftlich erfolgreichen Naotechnologie umsetzen zu können, investiert die öffentliche Hand im Jahr 2009 etwa 440 Mio. Euro. Das BMBF leistet dabei mit 165 Mio. Euro Projektförderung einen maßgeblichen Anteil. Davon gehen immerhin 11,6 Mio. Euro in die Begleit- und Risikoforschung.

Fazit – Folie 10

Meine Damen und Herren, Nanotechnologie – Nanomaterialien sind ein Baustein auf dem Weg, viele unserer drückenden Probleme zu lösen. Wir wollen aber durch die Nutzung der Nanotechnologie keine neuen Schwierigkeiten kreieren. Daher gilt für die Bundesregierung die Maxime „Verantwortungsvoll handeln und so Nanotech­nologie zum Erfolg führen“. Denn  in vielen Bereichen werden wir in Deutschland den Erfolg der Nanotechnologie in Zukunft brauchen.

Mein Dank gilt heute besonders dem NanoCare-Konsortium für seine ausgezeich­nete Arbeit und Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit.