Meine Rede anlässlich des Israelisch-Deutschen Epilepsie-Kongresses vom 21.-25.09.2008 in Berlin
"Wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel"
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr verehrte Gäste,
es ist mir als Mitglied der Bundesregierung eine große Freude, heute mit Ihnen den 8. Europäischen Epilepsiekongress zu eröffnen, besonders weil der diesjährige Kongress im Rahmen des Deutsch-Israelischen Jahres der Wissenschaft und Technologie stattfindet. Ausdrücklich möchte ich den deutschen und den israelischen Vorsitzenden des Kongresses begrüßen sowie Herrn Prof. Köhling (Co-Chair of IOC) und Herrn Prof. Neufeld (Co-Chair of IOC ) / Herrn Prof. Bialer (SAC Co-Chair). Während des Jahres 2008 begehen wir mit unseren israelischen Partnern das Deutsch-Israelische Wissenschaftsjahr, um die gemeinsame Priorität von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung in Israel und Deutschland zum Ausdruck zu bringen. Anfang April haben wir das Wissenschaftsjahr in Berlin eröffnet und damit eine Serie von über 50 Veranstaltungen und Aktivitäten im Bereich der deutsch-israelischen Kooperation in Bildung und Forschung, Wissenschaft und Technologie eingeleitet.
Die deutsch-israelische Kooperation in Wissenschaft und Technologie zeichnet sich durch Exzellenz und Vielfalt aus. Seit den ersten Kontakten zwischen deutschen und israelischen Forschungseinrichtungen im Jahre 1959 ist die bilaterale Kooperation stetig in Umfang und Intensität gewachsen. Einst bereitete sie den Weg für die diplomatischen Beziehungen unserer beiden Länder. Bis heute hat sie sich zu einer tragenden Säule der deutsch-israelischen Beziehungen entwickelt. Seit nun fast 50 Jahren arbeiten die führenden Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen Deutschlands und Israels eng und erfolgreich zusammen, besonders in der natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschung. Im Zentrum der Kooperation stehen wichtige Themen unserer hoch entwickelten Gesellschaften zu brennenden Fragestellungen des 21. Jahrhunderts. Unsere Kooperationsprogramme umfassen alle wichtigen Schlüsseltechnologien, wie Biotechnologie, Laser- und optische Technologien, Materialwissenschaften, Nanotechnologie und Wassertechnologien. Darüber hinaus beschäftigen sich unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit essentiellen Fragen der Gesundheitsforschung wie beispielsweise der Krebsforschung und der Neurowissenschaften, aber auch mit Umweltforschung, Meeres- und Geowissenschaften. Den Umgang unserer Gesellschaften mit diesen neuen Technologien, aber auch mit dem gesellschaftlichen Wandel zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft thematisieren Projekte in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften.
Die deutsch-israelische Kooperation im Bereich der Epilepsieforschung kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits seit 1980 besteht zwischen dem BMBF und dem israelischen MOST (Ministry of Science, Culture and Sport) eine Vereinbarung zur wissenschaftlichen Kooperation im Bereich der Gesundheitsforschung. Im Jahre 1996 wendete man sich schließlich mit einer gemeinsamen Förderbekanntmachung spezifisch den krankheitsorientierten Neurowissenschaften zu. Die ersten Projekte werden seit 1998 gefördert und von Anfang an war der Bereich der Epilepsieforschung eines der Themenschwerpunkte.
Zehn Jahre lang unterstützt das BMBF nun schon die Epilepsieforschung in der deutsch-israelischer Kooperation. Geprägt haben diese Zusammenarbeit auf deutscher Seite besonders Herr Prof. Dr. Christian Elger, Herr Prof. Dr. Heinz Beck und Herr Dr. Albert Becker von der Universität Bonn. Auf israelischer Seite wird die Epilepsieforschung von Herrn Prof. Dr. Yoel Yaari von der Hebräischen Universität Jerusalem unterstützt.
In der aktuellen deutsch-israelischen Kooperation in der Epilepsieforschung wird derzeit untersucht, wie eine Chronifizierung von nicht auf Medikamenten ansprechenden epileptischen Krankheitsformen durch frühe Gabe von Zinkchelatoren verhindert werden kann. Die Kenntnis dieser Mechanismen ist von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung neuer Medikamente.
Infolge dieser hervorragenden Zusammenarbeit kommen zahlreiche gegenseitige Besuche und längere Forschungsaufenthalte zustande. Durch die enge wissenschaftliche Zusammenarbeit entstanden auch persönliche Freundschaften. Und um die eigene Gesundheit nicht zu vernachlässigen, wird dem Vernehmen nach auch dem gemeinsamen Dauerlauf gefrönt.
Angesichts der Erfolgsgeschichte der deutsch-israelischen Forschungskooperation stellt sich die Frage, warum führen wir 2008 ein gemeinsames Wissenschaftsjahr durch? Das Jahr ist eine hervorragende Gelegenheit, der kontinuierlich in Umfang und Intensität gewachsenen Kooperation zwischen unseren beiden Ländern einen neuen Impuls zu verleihen. Durch die Bündelung unserer Berührungspunkte und Anstrengungen werden beide Länder profitieren, auf wissenschaftlicher, ökonomischer und kultureller Ebene. Bei den immer enger werdenden Informationsnetzen hat das Feld der internationalen Wissenschaft und Forschung ein großes Potenzial, nicht nur hinsichtlich ihrer Dynamik, sondern auch hinsichtlich der Qualität der Ergebnisse. Hier liegen die entscheidenden Faktoren für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit sowie für gesellschaftliche Sicherheit und Stabilität. Wenn wir Antworten finden wollen auf die großen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, dann nur, indem wir konsequent auf Kooperation, Innovation und Integration setzen. Durch die Identifizierung gemeinsamer Forschungsschwerpunkte nehmen wir neue Herausforderungen an. Das Wissenschaftsjahr ist für uns ein Anlass, unsere Ziele neu zu formulieren, um die laufenden Aktivitäten an die aktuellen Bedürfnisse unserer beiden Länder anzupassen. Unser besonderes Augenmerk gilt dieses Jahr den Fachbereichen Gesundheitsforschung, Umweltforschung, zivile Sicherheitsforschung und Geistes- und Kulturwissenschaften. Hier fördern wir gezielt Workshops, Symposien und Anbahnungsmaßnahmen sowie gezielte Projektarbeit und den Wissenschaftler- und Studentenaustausch.
Das Deutsch-Israelische Jahr der Wissenschaft und Technologie 2008 fördert jedoch nicht nur die akademischen, technologischen und wirtschaftlichen Bande. Wo immer Menschen unterschiedlicher Nationalität interagieren, findet Kulturdialog statt. Der Austausch zeigt uns unsere Gemeinsamkeiten und Unterschiede und fördert das gegenseitige Verständnis. Damit intensiviert das Wissenschaftsjahr auch die Beziehungen zwischen unseren Völkern. Als sichtbares Zeichen unserer Bemühungen um Dialog in den Geistes und Kulturwissenschaften werden wir im Rahmen des Wissenschaftsjahres ein Minerva-Zentrum für „Cultural Transfer and Cultural Exchange in the Middle East” an einer israelischen Universität einrichten. So wird das Jahr zur Plattform für eine äußerst fruchtbare und von gegenseitigem Vertrauen geprägte Zusammenarbeit und eine wichtige Grundlage für eine dauerhafte und langfristige Partnerschaft.
Damit die Bemühungen um den Ausbau unserer Kooperation auch über das Jahr 2008 lebendig bleiben, streben wir nach Nachhaltigkeit. Die beste Garantie für kontinuierliche und langfristige Kooperation ist die Einbeziehung der jungen Generation. Wir möchten unsere Nachwuchswissenschaftler hinein nehmen in den ständigen Dialog unserer Forschungseinrichtungen und Hochschulen, damit sie hineinwachsen in die Umsetzung konkreter Projekte. Im Gespräch mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sollen sie Visionen entwickeln für Ziele und Inhalte der deutsch-israelischen Zusammenarbeit in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Sie sollen die Qualitäten der Forschung und die Sichtweisen ihrer Kollegen im Partnerland kennen lernen, um so den interkulturellen Dialog als Bereicherung für ihre wissenschaftliche Karriere, aber auch für ihre persönliche Entwicklung zu erfahren.
Nachwuchswissenschaftler sind in der internationalen Forschungskooperation unverzichtbar. Deshalb ist die Förderung von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch ein wichtiges Ziel des Deutsch-Israelischen Wissenschaftsjahrs. Das BMBF wird 2008 erstmalig einen Förderpreis für zwei leistungsstarke deutsch-israelische Nachwuchswissenschaftlerteams in den Geistes- und Kulturwissenschaften verleihen, um der Bedeutung der jungen Generation von Forscherinnen und Forschern in der deutsch-israelischen Kooperation Rechnung zu tragen. Der Preis wird ab 2008 jährlich wechselnd in den Geistes und Kulturwissenschaften, den Natur- und Ingenieurswissenschaften sowie den Lebenswissenschaften ausgeschrieben werden.
Somit soll das Deutsch-Israelische Wissenschaftsjahr ein weiterer Meilenstein in den deutsch-israelischen Wissenschaftsbeziehungen werden. Das Jahr steht unter dem Motto „Wissenschaft als Diplomatie des Vertrauens” und unterstreicht damit die Bedeutung der Wissenschaft für das Wachsen der deutsch-israelischen Beziehungen, nicht nur am Beginn unserer Beziehungen, sondern bis in die heutige Zeit hinein. Es sind die persönlichen Kontakte zwischen den Wissenschaftlern und deren großes Engagement, denen wir die Lebendigkeit, Vielfalt und Exzellenz unserer Wissenschaftsbeziehungen zu verdanken haben. Meine Damen und Herren, Sie, die Sie sich in der deutsch-israelischen und auch in der europäisch-israelischen Epilepsieforschung engagieren, leisten einen essentiellen Beitrag dazu.
Für Ihre weitere Arbeit wünsche ich Ihnen viel Erfolg!
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

