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"Hightech Strategie - ein guter Kompromiss für Deutschland"


Meine Rede anlässlich des Kongresses Optische Technologien 2008 "Rohstoff Licht - Chancen für Made in Germany" am 5. Februar 2008 in Berlin im Haus der Deutschen Wirtschaft

Datum: 05.02.2008

Sehr geehrter Herr Parlamentarischer Staatssekretär Hintze,
sehr geehrte Präsidenten der Verbände,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich möchte Sie hier anlässlich des dritten Kongresses Optische Technologien 2008 herzlich begrüßen.

Dass sich hier in Berlin so viele Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft bereits zum dritten Mal treffen, zeigt aber auch, dass hier etwas passiert: Eine Branche formiert sich. Im Kern der Optischen Technologien wachsen Kompetenzen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen – Maschinenbau, Lasertechnik, Halbleitertechnik und Medizin, um nur einige zu nennen. Dieser Aufbruch birgt neue Chancen: Die Optischen Technologien haben das Potenzial, zu entscheidenden Fragestellungen der Gegenwart und der Zukunft Antworten zu geben:
- Klimaschonung durch ressourcenschonende Energieerzeugung und die Energieeinsparung durch Photovoltaik und innovative Beleuchtung,
- Gesundheitsvorsorge mit der Entwicklung neuer Diagnoseverfahren und personalisierter Medikamente für die alternde Gesellschaft,

Optische Technologien sind Schrittmacher für Innovationen. Doch sie sind auch selbst gerade in den vergangenen Jahren zu einem beeindruckenden Wirtschaftsfaktor geworden: Im Jahr 2005 betrug der Umsatz der Branche am Standort Deutschland 16,3 Milliarden Euro. Die Exportquote lag bei 65 Prozent. Leitmärkte sind Fertigung und Qualitätskontrolle, Medizin und Life Science, Beleuchtung und Energietechnik. Und die Branche wächst: Bis 2015 wird ein Anstieg der Produktion um 8,5 Prozent pro Jahr erwartet.

Hinter diesen Zahlen stehen Menschen – und damit Arbeitsplätze: Etwa 100.000 Menschen in Deutschland arbeiten heute in den Optischen Technologien; in 2015 werden es über 140.000 sein. Deutsche Unternehmen haben dabei international Führungspositionen erarbeitet.

Und die Optischen Technologien passen zu Deutschland: Viele Unternehmen haben eine lange Tradition, große und kleine Unternehmen arbeiten eng vernetzt mit hervorragenden Forschungseinrichtungen zusammen. Die Anforderungen an die Fachkräfte, bei Herstellern und Anwendern, sind hoch – hervorragend ausgebildete junge Menschen sind ein Standortfaktor für die Optischen Technologien. Und – last but not least – die Exzellenz in Forschung und Entwicklung ist herausragend:
- 2005 der Nobelpreis für Professor Theodor Hänsch, der Innovationspreis der deutschen Wirtschaft für Leica,
- 2006 der Deutsche Zukunftspreis der Bundespräsidenten für Professor Stefan Hell, der Innovationspreis der deutschen Wirtschaft für Carl Zeiss.
Im vergangenen Dezember glänzten die Optischen Technologien dann gleich zweifach
- der Deutsche Zukunftspreis des Bundespräsidenten ging an Dr. Klaus Streubel und Dr. Stefan Illek von Osram Opto Semiconductors in Regensburg und Dr. Andreas Bräuer vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena für ihr Projekt „Licht aus Kristallen - Leuchtdioden erobern den Alltag“,
- der Leibniz-Preis 2008 wiederum an Professor Hell für seine besonderen Leistungen in der Lichtmikroskopie.

Deutschland hat somit bei Optischen Technologien eine hervorragende Ausgangsposition in Wirtschaft und Wissenschaft. Diese gilt es zu erhalten und auszubauen, um im zunehmenden internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Die Hightech-Strategie schafft die nötigen Rahmenbedingungen

Wie können wir als Politik die Anstrengungen der Optischen Technologien unterstützen? Durch passende Rahmenbedingungen, die es der Wirtschaft, aber auch der Wissenschaft ermöglichen, ihre Projekte zu realisieren. Hierfür hat die Bundesregierung im Jahr 2006 die Hightech-Strategie ins Leben gerufen. Als nationale Strategie, die sich, einem Kompass in Richtung „nach vorne“ gleich, ressortübergreifend für die Innovationen einsetzt, die unser Land nach vorne bringen. Damit wollen wir Deutschland bis zum Jahr 2020 zur forschungsfreudigsten Nation der Welt machen.

In den Jahren 2006 bis 2009 werden im Rahmen der Hightech-Strategie rund 15 Milliarden Euro investiert – in 17 Hightech-Branchen, aber auch in technologieübergreifende Projekte. Die strategischen Partnerschaften, die die Bundesregierung als zentrales Werkzeug der Hightech-Strategie geschaffen hat, sind entscheidend auf dem langen Weg hin zur Spitze des Weltmarktes.

Sieben Innovationsallianzen sind bereits gestartet; drei davon im Bereich der Optischen Technologien:

1.) Die OLED-Initiative, die helfen wird, bislang noch kleinflächig genutzte organische Leuchtdioden – etwa für Handy-Displays – künftig auch für die Beleuchtung zu nutzen. Ein Ziel ist es, die Spitzenposition deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Bereich organischer Materialien mit dem Know-how der Weltmarktführer bei Beleuchtungsmittel zu bündeln, um eine OLED-Fertigung in Deutschland zu etablieren.

2.) Die Organische Photovoltaik, die im Gegensatz zu herkömmlichen Solarzellen dünne und transparente Folien möglich macht. Am Ende soll in Deutschland eine Fertigung organischer Photovoltaik-Anlagen entstehen – eine wichtige Sicherung und ein Ausbau heutiger Marktpositionen und eine deutliche Steigerung bei der nachhaltigen Energieerzeugung. Und:

3.) Die „Molekulare Bildgebung“, die eine neue Ära der medizinischen Diagnostik einläutet, indem sie lebende Zellen durchleuchtet und damit helfen kann, Krankheiten zu erkennen, lange bevor bislang übliche Diagnosen überhaupt Krankheitsbilder erkennen. Volkskrankheiten wie Krebs könnten so frühzeitig therapiert, die Pharmaentwicklung beschleunigt werden.

Bei diesen Initiativen gehen die Anstrengungen von Wirtschaft und Politik Hand in Hand. Rechnet man die drei Allianzen zusammen, kommt man auf die Summe von mehr als 1,5 Milliarden Euro seitens der Industrie, während das Bundesministerium für Bildung und Forschung über 300 Millionen Euro beisteuert. Jeder staatliche Euro wird also von der Industrie verfünffacht.

Glücklicherweise haben schon viele begriffen: Von nichts kommt nichts: Wer früh forscht, kann später die Früchte ernten. Und die Träume für die Zukunft werden Dank der Forschung und Entwicklung in den Optischen Technologien noch kühner: Handys und Laptops erzeugen ihren Strom selber, der Anstrich eines Hauses garantiert irgendwann auch seine autonome Energieversorgung, die Aussichten sind fast grenzenlos – und doch weitaus realistischer, als sich manch einer von uns das derzeit vorstellen kann, denn die gerade erwähnten Neuerungen bei organischen Leuchtdioden und der Photovoltaik schaffen nichts Geringeres als das „neue Silizium“ des 21. Jahrhunderts.

Warum erwähne ich diese Projekte? Weil sie ein großer Schritt in Richtung der richtigen Entwicklung sind, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Hightech-Strategie ins Leben gerufen hat: neue Technologien für Umweltschutz und für sinnvolle und allgemein finanzierbare Gesundheitsvorsorge.

Eines ist bei allen Anstrengungen unverzichtbar: die enge Zusammenarbeit unserer Forschungseinrichtungen mit der Industrie. Und genau dies ist die Stärke der Verbundforschung, die mein Haus unterstützt: Durch Förderinitiativen bringen wir die Akteure zusammen – die Ergebnisse der Grundlagenforschung gelangen so schneller in die Anwendung.

Dies ist auch das Ziel unseres Förderprogramms „Optische Technologien – Made in Germany“. Das Programm ist 2002 aus einer gemeinsamen Initiative von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik entstanden. Es ist auf zehn Jahre angelegt. Forschungsprojekte aus Wirtschaft und Wissenschaft werden gefördert, Netzwerke vorangetrieben, Doktoranden bekommen Hilfe bei ihren Arbeiten.

Wir dürfen nicht stehen bleiben!

Doch wir dürfen nicht stehen bleiben. Denn eines ist klar: Wer sich „auf seinen Lorbeeren ausruht“ hat schon verloren. Gerade in einer globalisierten Welt müssen wir die Konkurrenz stets im Blick haben und Lösungen anbieten, die besser sind.

Um Chancen – aber auch Hemmnisse – zu identifizieren, hat mein Haus die Forschungsunion ins Leben gerufen. Dort beraten führende Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft über Strategien, wie sich der Hightech-Standort Deutschland am besten stärken lässt. Ich freue mich besonders, heute ein Mitglied der Forschungsunion hier begrüßen zu dürfen: Herrn Manfred Wittenstein, Vorstandsvorsitzender der Wittenstein AG und außerdem Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, VDMA - herzlich willkommen!

Im Mai des vergangenen Jahres wurden die Optischen Technologien in der Forschungsunion präsentiert. Dabei wurden die starke Position der Unternehmen, die Exzellenz der Forschung und die ausgezeichnete Vernetzung der Akteure aufgezeigt. Aus den Herausforderungen, denen sich die Branche stellen muss, wurden Handlungsempfehlungen für die zweite Hälfte des Förderprogramms Optische Technologien abgeleitet. Die Handlungsempfehlungen folgen dem Dreiklang: Menschen – Ideen – Investitionen.

- Im Bereich „Menschen“ geht es darum, Nachwuchs zu sichern und ein Personalmarketing für die Optischen Technologien aufzubauen.
- Bei den „Ideen“ gilt es, die Trends für die nächsten Jahre zu identifizieren und damit erfolgreich neue Märkte zu adressieren.
- Der Bereich „Investitionen“ zielt darauf ab, die Optischen Technologien in Deutschland so zu positionieren, dass sie als attraktives Thema für Investitionen im Kapitalmarkt Beachtung finden.

Mit der Umsetzung der Empfehlungen haben wir bereits begonnen und uns zuallererst die Nachwuchssicherung auf die Fahnen geschrieben.

Eine Branche, die sich steigender Produktionsnachfrage erfreut, braucht kluge Köpfe, die Neues schaffen; muss Menschen auch weiterhin dafür gewinnen, einen krisenfesten, verantwortungsvollen und interessanten Beruf zu ergreifen. Wenn Deutschland auch in Zukunft ganz vorne mitspielen möchte, dann müssen wir Talente und Begabungen nicht nur frühzeitig erkennen, sondern auch frühzeitig fördern.

Und deshalb investiert mein Haus schon seit Jahren eine Menge in die Nachwuchsförderung, auch bei den Kleinsten. Die Gemeinschaftskampagne „Faszination Licht“ etwa, die viele von Ihnen kennen werden, setzt schon bei den ganz Jungen an. Dort, wo noch jede Menge Forschergeist und Neugier vorhanden sind – und die Lust aufs „ausprobieren, selber machen!“. In dieser spannenden Wanderausstellung, die bereits mehr als 350.000 kleine und große Besucher an über 80 Stationen gesehen haben, wird gezeigt, was Licht ist und was man mit Licht alles erreichen kann.

Daher freue ich mich besonders, dass dieser Kongress in einer konsequenten Weiterführung der Strategie den Startschuss zu einer neuen Initiative gibt, die schon die Jüngsten für das Thema Technik und Naturwissenschaften begeistern will: „Die Innovationsliga“ – ein Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, 1.000 Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen der Region aufzubauen.

1.000 Partnerschaften, das bedeutet etwa 100.000 beteiligte Schülerinnen und Schüler und besseren, kreativeren Unterricht. Ehrgeizig, und doch realistisch ist dieses Ziel, weil uns schon allein Dank der über ganz Deutschland verteilten Kompetenznetze der Optischen Technologien zahlreiche Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft zur Verfügung stehen.

Und dass es gelingt, Schülerinnen und Schüler zu begeistern, werden wir heute Abend bei der Gala sehen: Beispiele von Schülergruppen, die ihre Lust an naturwissenschaftlichen Versuchen Dank engagierter Lehrerinnen und Lehrer bereits entdeckt haben.

Um der Herausforderung des drohenden Fachkräftemangels zu begegnen, werden wir auch Wege gehen, die vielleicht unkonventionell sind. Gemeinsam mit den Ländern und den Unternehmen der Branche wollen wir durch einen Masterstudiengang „Master of Photonics“ in den nächsten Jahren Absolventen aus Europa für die Optischen Technologien in Deutschland gewinnen – ein weiteres Beispiel für gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.


Meine Damen und Herren,

die Optischen Technologien sind eine junge Branche. Das Jahrhundert des Photons hat eben erst begonnen, es ist noch viel zu erwarten. Licht wird mehr und mehr zum wichtigen Rohstoff werden. Doch zwischen all der Euphorie müssen wir uns immer wieder klar machen, dass Deutschland im zunehmenden Wettbewerb der Kompetenzen nur vorne mitspielen kann, wenn wir konsequent auf Nachwuchsförderung setzen.

Wir brauchen die besten Köpfe – Jetzt und in der Zukunft. Einen großen Schritt dafür machen wir mit der Innovationsliga. 1.000 Partnerschaften sind eine Menge, doch ich bin mir sicher, wir können es schaffen. Ich hoffe, dass dieses Projekt auch ein „leuchtendes“ Beispiel für andere Branchen sein kann.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine interessante Veranstaltung mit spannenden Eindrücken, fruchtbaren Gesprächen und jeder Menge neuer Ideen rund ums Licht! Vielen Dank.