Grußwort anlässlich des "MatheFilm-Festivals" am 5. Mai 2008 in Berlin

Datum: 05.05.2008
Lieber Herr Dr. Bleyer,
lieber Herr Professor Polthier,
sehr geehrte Damen und Herren,
sie ist unterhaltsam, faszinierend und liefert oftmals Antworten auf die vielen Fragen, die wir uns Tag für Tag stellen. Wenn wir diese Umschreibungen hören, dann denken wir natürlich zuerst an die Mathematik. Ausnahmsweise soll hier jedoch zunächst noch nicht von dieser spannenden Wissenschaft die Rede sein. Nein, vielmehr ist mit den lobenden Worten die Filmkunst gemeint.
Waren die bewegten Bilder gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunächst nur eine Rummelplatzattraktion, so gehört Film heute zu unserer Kulturlandschaft. Manche Filme unterhalten uns Zuschauer mit den interessanten Geschichten, die sie erzählen. Andere Filme faszinieren uns mit den beeindruckenden Bildern, die sie zeigen. Und in einigen Fällen geben Filme Antworten auf Fragen, die man sich selbst oft gestellt hat. Im besten Fall vermögen es herausragende Filme sogar, diese drei Regungen zur gleichen Zeit in uns Menschen auszulösen. Filme bewegen also – und zwar sehr viele Menschen.
Es ist diese Breitenwirkung, die das MathFilm Festival 2008, das heute offiziell eröffnet wird, so interessant und bedeutsam macht. Denn die Popularität des Mediums Film zu nutzen, um die Inhalte, Themen und Fragestellungen der Mathematik bekannt zu machen, ist richtig und sinnvoll. Gerne fördern wir als Bundesministeriums für Bildung und Forschung das Film-Festival als Teil des Jahres der Mathematik. Es ist ein interessanter und Erfolg versprechender Weg, die Wissenschaft durch ein Filmfest möglichst vielen Menschen näher zu bringen. Es gibt einige Beispiele, die zeigen, wie das gelingen kann.
„A Beautiful Mind“ über das Schicksal des Mathematikers John Nash oder „Enigma“ über Mathematik als Schlüssel zur Lösung konkreter Probleme: Beide Filme fanden beim Publikum großen Anklang. Sie sind Beleg dafür, wie gute Filme Menschen für die Mathematik einnehmen können und Interesse wecken.
Mit der Fähigkeit, Mathematik der breiten Öffentlichkeit als jene spannende Wissenschaft zu zeigen, die sie ohne Zweifel ist, fügt sich das Festival sehr gut ein in das Wissenschaftsjahr 2008. Denn im Jahr der Mathematik ist es unser Ziel, möglichst viele Menschen für die Mathematik zu gewinnen. Vor allem Kinder und Jugendliche möchten wir begeistern – nicht zuletzt, weil die Wissenschaft ihnen den Weg ebnen kann, in eine erfolgreiche berufliche Zukunft.
Unter dem Motto „Alles, was zählt“ und der Kampagne „Du kannst mehr Mathe, als du denkst“ wenden wir uns im Jahr der Mathematik vor allem an junge Menschen. Denn auch an den Schulen muss der Praxisbezug der Mathematik deutlich werden.
Meine Damen und Herren,
mit dem Wissenschaftsjahr wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche die Faszination der Mathematik entdecken. Filme können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Auch dazu trägt das Festival mit der MathFilm DVD bei. Ich wünsche mir, dass das hier gezeigte Filmmaterial auch im Unterricht seinen Einsatz findet, um den Mathematikunterricht noch spannender und abwechslungsreicher zu gestalten.
Auch das Interesse für das MathFilm Festival von lokalen Organisatoren ist im Jahr der Mathematik sehr groß. Es haben sich bereits über 50 Ableger des Berliner Festivals aufgetan. Ich freue mich, dass in vielen weiteren Städten Mathematik auf die Filmleinwand kommt! Ich bin mir sehr sicher, dass junge Menschen für die Mathematik zu begeistern sind – wenn sie das breite Spektrum der Einsatzmöglichkeiten und einen Eindruck von ihren abwechslungsreichen Seiten erhalten.
Meine Damen und Herren,
am 23. Januar hat Bundesministerin Dr. Annette Schavan den Startschuss für das Jahr der Mathematik gegeben. Neben unserem Haus, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, setzt sich eine ganze Reihe starker Partner für ein neues Verständnis der Disziplin ein. Dies sind allen voran die Initiative Wissenschaft im Dialog, die Deutsche Telekom Stiftung und die Deutsche Mathematiker Vereinigung, die stellvertretend für die große mathematische Community steht. Dazu kommt ein Koordinierungskreis mit Vertretern zahlreicher namhafter Einrichtungen.
Das Jahr der Mathematik fügt sich nahtlos ein in die Reihe der erfolgreichen Wissenschaftsjahre, die hinter uns liegen. Sie haben acht Themen sowie der Wissenschaft insgesamt zu mehr Popularität in der Bevölkerung verholfen – und für Verständnis fachspezifischer Erkenntniswege und Arbeitsweisen geworben.
Wir wollen im Jahr der Mathematik möglichst vielen Menschen die Gelegenheit bieten, ihre Leidenschaft für diese Disziplin zu entdecken. Gerade hier sind neue Wege gefragt, und das Medium Film scheint mir ein hervorragendes Mittel dazu.
Fest steht: In den drei Monaten, seitdem die Kampagne zum Jahr der Mathematik läuft, haben wir viel angestoßen: Das Engagement der Mathematiker und aller anderen Beteiligten ist im wahrsten Sinne beispielhaft. Ihre Freude und Begeisterung hat zu ersten großen Erfolgen der Initiative beigetragen.
Im Wissenschaftsjahr 2008 geht es uns neben der Vermittlung vieler Informationen vor allem auch darum, Mathematik erlebbar zu machen. Das leisten spannende Veranstaltungen: Über 300 sind es, die aus dem gesamten Bundesgebiet im Veranstaltungskalender auf unserer Internetseite eingetragen wurden – und es werden täglich mehr: Dazu zählen Ausstellungen und Vortragsreihen ebenso wie Festivals, Konferenzen oder Wettbewerbe – bundesweit oder regional, für Jüngere, für Ältere oder am besten für die ganze Familie.
Viele gelungene Ausstellungen möchte ich an dieser Stelle erwähnen. Das Gießener Mathematikum auf Deutschlandtour, die Ausstellung „Zahlen, bitte!“ des Heinz Nixdorf Museumsforum oder die Ausstellung „Zwölf sind Kult oder Warum heißt der Sonntag Sonntag?“ ziehen viele Besucher an. Die MS Wissenschaft wird in diesem Sommer als Matheschiff durch Deutschland touren. Sie sehen: Es gibt viel zu erleben im Jahr der Mathematik!
Besonders hervorheben möchte ich zum Schluss all diejenigen, die sich als Botschafter für das diesjährige Wissenschaftsjahr engagieren. Dazu zählen viele Lehrkräfte an Schulen oder Hochschulen, Studierende, Angestellte in Bildungseinrichtungen, Mathematikerinnen und Mathematiker in Betrieben und Institutionen und alle die, die ehrenamtlich ihre Ideen einbringen, um andere für Mathematik zu begeistern. Mein Dank geht an dieser Stelle ganz klar an Prof. Polthier und seinem Team an der Freien Universiät Berlin, die mit ihrem Einsatz das MathFilm Festival 2008 zu einer Höhepunkt-Veranstaltung im Jahr der Mathematik machen.
Mathematik hilft den Menschen dabei, sich ein Bild von der Welt zu machen. Sie hilft uns, Dinge zu verstehen. Filme vermögen das ebenso. Das macht deutlich: Film und Mathematik sind beide wichtige Kulturleistungen, sie sind Ausdrucksformen des menschlichen Geistes.
Das MathFilm Festival 2008 wird in den nächsten Tagen hier in Berlin und später in weiteren Städten vielen Menschen die Möglichkeit bieten, sich intensiv und gleichzeitig auf entspannende Weise mit Mathematik zu beschäftigen. Ich kann ihnen versprechen: Es lohnt sich. Lernen Sie Mathematik kennen – vielleicht auch noch einmal aus einer neuen Perspektive.
