Grußwort anlässlich des kick-off Meetings des Europäischen Projektes PRACE am 29. Januar 2008 im FZ Jülich
Datum: 29.01.2008
Europa bündelt seine Kompetenzen, um beim Höchstleistungsrechnen weltweit mit an der Spitze dabei zu sein. Höchstleistungsrechenzentren aus 14 europäischen Ländern werden dafür unter der Leitung des deutschen Gauß-Centrums für Supercomputing in den nächsten zwei Jahren die Voraussetzungen schaffen.
Ich freue mich deshalb sehr, Sie heute zum kick-off Meeting des EU-Projektes PRACE (Partnership for Advanced Computing in Europe) begrüßen zu dürfen.
(Die an PRACE beteiligten Länder sind Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Finnland, Griechenland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden und die Schweiz.)
Das geplante Europäische Zentrum wird aus verschiedenen Höchstleistungsrechnern an verteilten Standorten bestehen, die einander sinnvoll ergänzen und durch modernste Netztechnik miteinander verbunden sind. Sie nennen das ein Supercomputer-Ökosystem, was eine treffende Beschreibung darstellt.
Höchstleistungsrechnen ist heutzutage nicht etwa nur in stark spezialisierten Nischen der Wissenschaft von Bedeutung. Enorme und beständig wachsende Computerleistung ist längst Voraussetzung für Spitzenforschung in zahlreichen Bereichen.
Neben Theorie und Experiment ist die Simulation komplexer Vorgänge zu einer weiteren unverzichtbaren Methode (oder auch: „zur dritten Säule“) in Forschung und Entwicklung geworden.
Simulation ist deshalb inzwischen Voraussetzung für das erfolgreiche Bestehen im internationalen Wettbewerb. Dabei gilt: Je leistungsfähiger der für die Berechnung und Visualisierung solcher Simulationen zur Verfügung stehende Höchstleistungsrechner ist, desto besser, d.h. detaillierter, fehlerfreier und schneller ist die Simulation. Daraus ergibt sich in der modernen Wissenschaft der entscheidende Wissensvorsprung und für innovative Wirtschaftsbereiche der entscheidende Wettbewerbsvorteil. So können wir der Herausforderung begegnen, mit innovativen Produkten schnell und flexibel am Markt zu sein. Nur so können Innovationen gelingen, die weitere Arbeitsplätze schaffen.
Simulation ist für mehrere zentrale Forschungsbereiche wichtig, zum Beispiel:
- Klimaforschung: Leistungsfähigere Höchstleistungsrechner ermöglichen genauere Modelle zur Berechnung der Klimaveränderung, und auch eine regional korrektere Wettervorhersage.
- Medizinische Forschung und Arzneimittelentwicklung: Simulationen verringern die Versuchsreihen erheblich, was einerseits weniger Tierversuche bedeuten kann und andererseits einen erheblichen Zeitvorsprung bei der Entwicklung neuer Medikamente.
- Hochenergie- und Plasmaphysik: Erst Höchstleistungsrechner ermöglichen die Auswertung der umfangreichen Datenmengen und tragen damit auch dazu bei, dass wir zum Beispiel in Zukunft neue Formen der Energieversorgung umsetzen.
- Fahrzeugbau: In der Automobilindustrie, im Flugzeugbau und im Schiffbau lassen sich durch virtuelle Prototypen und Simulationen z. B. von Verschleiß und Unfällen erhebliche Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten erzielen.
Allen Beteiligten war deshalb schon länger bewusst, dass die nicht immer gesunde Konkurrenzsituation bei der ständigen Neuanschaffung von Höchstleistungsrechnern auch aus finanziellen Gründen durch eine konstruktive Zusammenarbeit ersetzt werden muss. Wie so oft bedurfte es aber auch in diesem Fall erst eines Anstoßes von außen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat deshalb im Frühjahr 2006 Herrn Prof. Andreas Reuter vom European Media Laboratory (EML) in Heidelberg beauftragt, gemeinsam mit den Leitern der deutschen Höchst- und Hochleistungsrechenzentren ein Konzept zu entwickeln, wie die Strukturen in Deutschland den genannten Rahmenbedingungen optimal angepasst werden können.
Basierend auf den Vorschlägen der Gruppe haben die zuständigen Fachminister aus den beteiligten Bundesländern und das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Sommer 2006 die Grundlagen für eine Neuorganisation der Zusammenarbeit der bestehenden Höchstleistungsrechenzentren in Jülich, München und Stuttgart geschaffen.
Diese drei Zentren haben im Februar 2007 die Gründung des Gauß-Centrums für Supercomputing vereinbart, dessen derzeitiger Sprecher Herr Prof. Achim Bachem, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, ist.
Erst durch die Gründung des Gauß-Centrums wurde die Grundlage geschaffen für ein erfolgreiches gemeinsames Auftreten in Europa zum Aufbau eines weltweit führenden Europäischen Supercomputerzentrums an verteilten Standorten.
Durch die Gründung von PRACE, dem Konsortium von Supercomputerzentren aus 14 europäischen Staaten, werden wiederum die Voraussetzungen dafür geschaffen, die auch in Europa zwischen einzelnen Ländern bestehende Konkurrenzsituation in eine konstruktive gemeinsame Initiative zu verwandeln. Die Unterzeichnung der Vereinbarung für die Zusammenarbeit ist erfreulicherweise während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft erfolgt.
Der weit überwiegende Teil der Finanzierung der Standorte des Europäischen Supercomputerzentrums wird aber auch weiterhin aus Finanzmitteln der einzelnen Länder erfolgen müssen. Wir werden in Deutschland dafür die Voraussetzungen schaffen, ich bin optimistisch, dass wir die mit den Beteiligten begonnenen Gespräche dazu im Laufe dieses Jahres erfolgreich abschließen können.
Ich wünsche Ihrem gemeinsamen Projekt viel Erfolg!

