Vorstellung der deutschen Forschungsagenda für den forstbasierten Sektor am 20. Februar 2008 in der Landesvertretung Baden-Würtemberg in Berlin


Datum: 20.02.2008

Sehr geehrter Herr Minister Hauk,
sehr geehrter Professor von Teuffel,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundestag,
meine Damen und Herren,

ich grüße Sie herzlich, auch im Namen von Frau Bundesministerin Dr. Annette Schavan und ich freue mich, als Gast an dieser außergewöhnlichen Veranstaltung teilnehmen zu können. Dies ist ein Abend lebendiger Politik: die Begegnung von Wissenschaft und Wirtschaft mit Parlamentariern, um über strategische Fragen der Forschung in einem Bereich zu sprechen, der für die Wirtschaft, die Umwelt und für die Menschen gleichermaßen bedeutsam ist: dem Bereich von Forst, Holz und Papier.
Das große Interesse an dieser Veranstaltung zeigt, dass die deutsche Forschungsagenda zum forstbasierten Sektor, die heute Abend veröffentlicht und diesem Kreise vorgestellt werden soll, von allen Akteuren mit Spannung erwartet wird. In Zeiten knapper werdender Rohstoffe, globalisierter Märkte und zu erwartender Klimaänderungen sind Innovationen ein ganz entscheidender Faktor, um den Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können.
Immer deutlicher wird dabei, dass der einzelne Forscher, das einzelne Wirtschaftsunternehmen oder auch eine Branche allein nicht in der Lage ist, die anstehenden Zukunftsfragen zu stemmen. Zusammenarbeit wird immer wichtiger, sei es zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, sei es zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen oder sei es auch über die Grenzen hinweg mit unseren europäischen Partnern.
Die Europäischen Technologieplattformen sind mit Blick auf diese Ziele ein wichtiger Knotenpunkt. Ihr Anliegen ist, Wissenschaft und Wirtschaft in Europa zu Fragen der Innovationspolitik näher zusammen zu bringen. Die „Forest Based Sector Technology Platform“ – die Technologieplattform zum forstbasierten Sektor – zeichnet sich, wie mir berichtet wurde, durch ein besonders hohes Engagement für diese Sache aus.
Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, wie wichtig gerade die frühe Einbindung der Wirtschaft bei Forschung und Technologieentwicklung ist. Denn die enge Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist mit Blick auf die Umsetzung von Innovationen unerlässlich. Die Bündelung dieser Kräfte ist daher auch ein zentrales Ziel unserer deutschen Hightech-Strategie.

Wissenschaft und Wirtschaft haben dies Ziel im laufenden BMBF-Förderschwerpunkt „Nachhaltige Waldwirtschaft“ bereits gemeinsam umgesetzt: In den 26 Verbundvorhaben dieses Programms sind sechzehn Wirtschaftsunternehmen direkt beteiligt, weitere sechzig Partner aus der Privatwirtschaft wirken z.B. als Industriepartner für Testserien und Musterprodukte auf Auftragsbasis mit. Im Rahmen der transdisziplinären Forschung werden zusätzliche Wirtschaftspartner in regionalen Clustern und Netzwerken einbezogen. Im europäische ERA-Net Woodwisdom-Net, einem gemeinsamen Programm von acht europäischen Staaten, fördert das BMBF elf weitere deutsche Unternehmen sowie auch deutsche Forschungseinrichtungen im Bereich von Forst, Holz und Papier. Vor einer Woche fiel der offizielle Startschuss für siebzehn transnationale Woodwisdom-Net-Projekte hier in Berlin. Diese Projekte werden nun ihre Arbeiten aufnehmen.

Meine Damen und Herren,
der Forschungs- und Wirtschaftsbereich Forst, Holz und Papier ist heute von hoher Dynamik gekennzeichnet. Die Wertschöpfungsketten umfassen die Produktion, Ernte, Transport und Logistik, darüber hinaus die Veredlung und Herstellung von Produkten ganz unterschiedlicher Art. Sehr eng verbunden ist diese Wertschöpfung mit den Fragen von Landnutzung, des Klimawandels, des Naturschutzes oder auch der Rohstoff- und Energieversorgung. Teils bestehen hier Nutzungskonkurrenzen oder anderweitige Zielkonflikte. Die Bedürfnisse des Menschen - Besucher des Waldes oder auch Nutzer der Endprodukte - müssen selbstverständlich ebenfalls angemessen Berücksichtigung finden.

Die deutsche FTP-Gruppe hat sich der schwierigen Aufgabe gestellt und in einem breiten Konsultationsprozess eine deutsche Forschungsagenda zum forstbasierten Sektor erarbeitet. Die deutsche Forschungsagenda ist als Beitrag zur gesamteuropäischen FTP-Forschungsagenda zu verstehen. Das BMBF wird die FTP-Gruppe tatkräftig dabei unterstützen, die nationale Forschungsagenda in Brüssel einzubringen, damit auch gute Beteiligungsmöglichkeiten für deutsche Interessenten an dem Europäischen Programm entwickelt werden.

Das BMBF wird sich – das darf ich Ihnen versichern, Herr Professor von Teuffel – die deutsche Forschungsagenda in den nächsten Wochen genau ansehen, dies übrigens vor konkretem Hintergrund: Die Partner des ERA-Nets Woodwisdom werden nämlich mit der Europäischen Kommission in Verhandlung treten, um eine Fortsetzung des Forschungsprogramms zu bewirken. Bei erfolgreichem Ausgang der Verhandlungen wird das BMBF als Beitrag für das neue Programm bis zu fünf Millionen Euro zur Verfügung stellen. Denn die Verbindung von nationalen und europäischen Forschungsanstrengungen ist dem BMBF ein wichtiges Anliegen.

Die Forschungsagenda stellt die zentralen Herausforderungen Klimawandel, Entwicklung einer Bio-Ökonomie und nachhaltige Rohstoffversorgung ins Zentrum.

Wenn also die Forschungsagenda in diesen Bereichen die offenen Fragen formuliert, so kann ich Ihnen aus dem nationalen Blickwinkel, nämlich der BMBF-Förderung auch bereits erste Antworten ankündigen. Denn die Forschungsprojekte des Förderschwerpunktes „Nachhaltige Waldwirtschaft“ legen ihre Ergebnisse in naher Zukunft vor. Zum Beispiel sind dies Modelle für klimaplastische Wälder, d.h. Wälder, die unter verschiedenen klimatischen Bedingungen gedeihen können, innovative modifizierte Buchenholzprodukte oder auch verbesserte regionale Wertschöpfungsketten. Diese drei Beispiele zeigen, dass Klimawandel, Bio-Ökonomie und Rohstoffversorgung auch für die Bundesregierung ganz wichtige Themen sind. Weitere Forschungen zu diesen Themen fördert das Bundeslandwirtschaftsministerium über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe.